Eine unheimliche Reise aus deutschen Landen

Eine unheimliche Reise aus deutschen Landen

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SLEAZE + Transit
Quälendes Warten, quälende Ungewissheit

Transit ist ein unheimlicher Film. Der deutsche Regisseur Christian Petzold (Polizeiruf 110, Phoenix) erzählt in seiner deutsch-französischen Koproduktion eine beklemmende Fluchtgeschichte, die ihre Energie aus der Angst vor dem Unbekannten, einer geradezu lakonisch-präzisen Inszenierung und tiefer Menschlichkeit zieht. Denn frei von räumlichen wie zeitlichen Rahmenbedingungen spricht er eine universelle Sprache und zeichnet hierbei das Bild eines Ensembles von Menschen, die warten, hoffen und sich einer fast undefinierten, aber gewaltigen Macht gegenübersehen.

Die Wucht des Unbekannten

Die Geschichte setzt in Paris an, wo wir dem von Franz Rogowski („Victoria“) dargestellten Georg folgen, der fortan als eine Art roter Faden durch die nachfolgenden Ereignisse führt.

Ein schweres Polizeiaufgebot jault unter Sirenengeheul durch die so vertraut wirkenden Straßen der französischen Großstadt, während sich der stoische, nicht aber unberührt wirkende Georg auf die Flucht gen Marseille macht, um sich von der Hafenstadt in einen sicheren Ort jenseits des Meeres aufzumachen. Doch die Reise ist gleichzeitig von tiefer Ungewissheit gefärbt.

SLEAZE + Transit
Wohin mag die nächste Begegnung führen?

Regisseur Christian versteht es, seine ganz eigene Filmwelt mit dem sinnbildlichen Nebel des Unbekannten zu fluten. Dem Zuschauer gibt er nicht mehr als viele narrative Brotkrumen in die Hand, aus denen wir schließlich unser ganz eigenes Bild konstituieren müssen.

Es ist ein faszinierendes. Denn der Filmemacher kreiert eine so undefinierte wie klare Welt, indem er sich voll auf die emotionalen Auswirkungen seiner Charaktere sowie seinen Beobachtungen fokussiert.

Erklärende, faktische Worte fehlen ebenso wie eine „klassische“ Exposition. Christian schubst uns ohne Warnung in einen Kosmos, der sich zu jeder Zeit und an jedem Ort entfalten könnte. Da treffen moderne Bildschirme auf die historischen Straßenzüge Paris, während die Innenräume diverser im Film zu sehenden Hotels auch gut aus einer längst vergangenen Zeit stammen könnten und Georg einen geradezu archetypischen, durch die Zeiten unserer Erde wandelnden Vagabunden darstellt.

Gemeinsam verbunden

Auf dessen Reise begegnen wir einer Reihe verschiedener Menschen, die ihre ganz eigenen, aber letztlich gemeinsamen Lasten vor dem Hintergrund einer zunehmend sich nähernden, invadierenden Gefahr zu tragen haben. Da ist etwa die stumme Mutter, mit dessen kleinen Sohn sich Georg übers Fußballspielen anfreundet. Oder eine Frau mit zwei Hunden, deren Besitzer sich längst in die sicheren USA abgesetzt haben. Eine andere wartet sehnsüchtig auf ihren Mann, einen flüchtigen Schriftsteller, während sie sich mit einem nicht minder angespannten Arzt die Zeit in einem Hotel mit Blick auf den Horizont vertreibt, der gleichzeitig von der Hoffnung auf ein besseres, sicheres Leben sowie der Ferne dieses Traums zeugt.

SLEAZE + Transit
Sieht nicht mehr ganz so fit aus: Franz aka Georg

Christian zeigt Menschen am Rande des Zusammenbruchs, die nur des Glaubens wegen fortschreiten können oder im gemeinsamen Tragen einer kaum zu stemmenden Last. Es ist dieses Zusammensein, das Trost spendet und aus dem Menschlichkeit keimt.

Sie wolle nur nicht alleine sein, gibt eine ihm Unbekannte Georg beim gemeinsamen Essen einmal zu verstehen. Während sie warten, nicht wissend, ob sie in wenigen Monaten, Wochen oder Tagen nicht vielleicht schon selbst zu den Opfern einer erobernden Macht werden. Die hiermit verbundenen, inneren Bewegungen der Charaktere beobachtet Christian beinahe ohne Kommentar, bis sie sich in unvorhergesehenen, aber nachempfindbaren Konsequenzen entladen.

ransit zeigt die Schönheit eines Filmemachers, seinem Publikum, seinen Mitmenschen, zu vertrauen. Indem er vor allem mit Taten zu uns spricht, erdet er das große Unbekannte im Vertrauten. So schafft er einen nachhallenden Film, der über seinen reinen Flucht-Plot weit hinausgeht und uns daran erinnert, wir zu sein.

Alex

Titel: Transit
Kinostart: 05.04.2018
Dauer: 101 Minuten
Genre: Drama
Produktionsland: Deutschland, Frankreich
Filmverleih: Piffl Medien

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