Ist Titanfall das Call of Duty 2.0?

Ist Titanfall das Call of Duty 2.0?

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Titanfall_FTF_1920x1080_0Mitte März kommt der erste Top-Titel für die Xbox One. Nicht umsonst fand sich Titanfall auch in unserer Vorschau für 2014 wieder. Nun ist die – offiziell als Stresstest angekündigte – Open-Beta gestartet und ich kann endlich mal selbst Hand anlegen. Was dich erwartet und warum Titanfall vorallem ein starker Konkurrent für die Call-of-Duty-Reihe werden könnte erfährst du genau hier.
Bei Titanfall handelt es sich um einen Shooter im Sci-Fi-Setting. In Gefechten, in denen jeweils sechs Spieler gegeneinander antreten, kann der Spieler mittels Jetpack flink über die Karte hetzen oder in Form eines Titans…andere Spieler über die Karte hetzen.
Bevor ich mich ins Gefecht stürze, soll ich in einem kurzen Tutorial die Grundlagen der Steuerung lernen. Das klappt gut und macht nebenbei noch Spaß, denn hier hat man sich Mühe gegeben, alle Features in einem Testparkour vorzustellen. Laien kann die Menge an Funktionen aber auch schnell überfordern. Nach dieser Einführungsphase fühle ich mich gewappnet und starte meine erste Runde in Titanfall. Wer auf einen Solomodus hofft, muss in die Röhre schauen, denn auch wenn Titanfall eine Geschichte erzählen soll, findet das Spektakel ausschließlich online und gegen andere Gamer statt. Das ist eigentlich nicht weiter schlimm, denn Respawn Entertainment ist das Entwicklerstudio von ehemaligen Entwicklern der Call-of-Duty-Reihe, dessen Herzstück immer der Onlinemodus war und das Solospiel lediglich ein „nice-to-have“.
Um online zu spielen muss ich, wie man es auch aus Call of Duty kennt, einer Lobby beitreten, also einem virtuellen Raum, den das Spiel mit bis zu elf weiteren Spielern füllt. Das funktioniert schnell und reibungslos, so dass ich mich kurze Zeit später im Spiel befinde. Statt eines öden Countdowns starte ich mit meinen Mitstreitern in einem futuristischen Spaceshuttle und warte darauf TF_AngelCity_Pilot_0abspringen zu dürfen. Die Klappe geht auf und wir fallen auf das Schlachtfeld. Sobald die Sequenz abgelaufen ist und ich die volle Kontrolle über meinen Soldaten habe, bemerke ich sofort die Ähnlichkeit zu Call of Duty, denn Steuerung und Tastenbelegung sind ähnlich unkompliziert. Respawn setzt allerdings noch einen drauf, denn das eh schon schnelle Gameplay von CoD bekommt in Titanfall dank Jetpack eine ganz neue Geschwindigkeit. So darf ich Doppelsprünge vollführen und an Wänden lang laufen. Die Steuerung ist so präzise, dass ich schon mit sehr wenig Übung relativ schnell und elegant über die Karte heize.
Nicht nur das Gameplay ähnelt dem von Call of Duty. Sobald man ein paar Level aufgestiegen ist, bekommt man Zugriff auf einen Klasseneditor, der erlaubt, individuell Soldaten, in Titanfall „Piloten“ genannt, mit einer – in der Beta noch relativ spärlichen – Auswahl an Waffen und Fähigkeiten auszustatten. Der Editor erlaubt mir sogar, meinen Titan dem eigenen Spielstil anzupassen.
Die Titanen sind der große Unterschied zu Call of Duty. Die riesigen Mechs können von jedem einzelnen Spieler aufs Schlachtfeld gerufen werden, sobald sie verfügbar sind. Durch Kills und andere Aktionen schrumpft die Zeit die es braucht, bis der eigene Titan aus dem All geschossen kommt. Auch hier bleibt sich Respawn seiner Vergangenheit treu, denn die Stahlkolosse sind trotz ihrer Größe ziemlich flink unterwegs. Wer keine Lust hat in einer Blechbüchse zu stecken, kann seinen Titan auch als treuen Begleiter von der KI steuern lassen. Dadurch sind die Kolosse zwar nicht so durchschlagskräftig, versuchen mir aber so gut es geht den Rücken freizuhalten. Das gefällt mir, denn als Pilot kann ich fast jeden Punkt auf der Karte erreichen, sodass ich mich manchmal gar nicht in einen Titan setzen will.
Auf den ersten Blick scheinen die Titanen über Sieg oder Niederlage zu entscheiden, doch die Balance zwischen Titan und Pilot stimmt. Zwar hat ein Titan die größere Waffenpower, jedoch können fähige Piloten auch schnell zum Kryptonit für die Riesen werden, indem sie sich zum Beispiel auf den gegnerischen Metallrücken kleben und die empfindliche Technik aus nächster Nähe TF_Fracture_Battle_0zerstören. Zudem verfügen Piloten über eine „Anti-Titan-Weapon“, mit der sie gegen eben jene Gegner ordentlich Schaden austeilen können.
Weitere Neuerungen sind die sogenannten „Burn Cards“. In der Beta habe ich ab Level 14 drei Slots, in die ich verschiedene Karten legen darf. Diese bringen meist einen kleinen, aber nicht spielentscheidenden Bonus. So macht mich eine Karte allgemein etwas schneller, eine andere verkürzt die Zeit, bis mein Titan bereit ist. Bisher erschließt sich mir noch nicht ganz, warum dieses Kartensystem eingeführt wurde. Naheliegend wäre vielleicht die Möglichkeit, einzelne Karten mit Freunden und anderen Mitspielern zu tauschen. Dass durch Mikrotransaktionen weitere Karten für Echtgeld ergattert werden können, wurde bereits von offizieller Seite dementiert.
Bisher stehen drei verschiedene Spielmodi zur Auswahl. „Attrition“ ist das normale Team-Deathmatch, in dem zwei Teams mit jeweils sechs Spielern gegeneinander antreten und lediglich Kills zum Erfolg führen. „Hardpoint“ ist besser unter dem Namen „Herrschaft“ bekannt. Es gibt drei Punkte auf der Karte, die eingenommen und gehalten werden müssen. Das Team, welches über längere Zeit mehr Punkte hält, gewinnt. In beiden Modi hat jeweils das Verliererteam die Möglichkeit, innerhalb von einer Minute zu einem Evakuierungspunkt zu gelangen, um ein paar extra Punkte zu sammeln. Das Siegerteam hat die Aufgabe, den restlichen Überlebenden dabei das Leben so schwer wie möglich zu machen. Der dritte Modus heißt „Last Titan Standing“. Jeder der sechs Spieler eines Teams startet direkt zu Rundenbeginn in einem Titan und versucht, das gegnerische Team zu dezimieren. Das erfordert vor allem gute Teamarbeit, denn sobald der eigene Titan verschrottet wurde, werden wir dazu verdammt zuzuschauen, bis ein Team keine Titans mehr hat und somit verliert. Einen wirklich innovativen Spielmodus konnten wir in der Beta allerdings nicht finden, die vorgestellten Modi sind genretypisch, lediglich „Last Titan Standing“ ist eine nette Adaption von „Last Man Standing“.
Titanfall_Gameplay_ThumbnailEs gibt aber auch manches, womit ich mich nicht so richtig anfreunden will. Dazu gehört vor allen Dingen die limitierte Spieleranzahl pro Match, die sich (CoD-typisch) auf sechs Spieler pro Team beschränkt. Gerade durch die höhere Rechenleistung der Xbox One gegenüber seinem Vorgänger erschließt sich diese Entscheidung erst auf den zweiten Blick, denn mehr als insgesamt zwölf Mechs gleichzeitig würden auf den relativ kleinen Karten nur in einem großen Chaos enden. Hier hat sich Respawn allerdings etwas einfallen lassen, damit dennoch genug Action vermittelt wird. Überall auf der Karte landen KI-Soldaten, die den Spielern das Leben schwerer machen sollen, allerdings vermitteln sie in ihrer jetzigen Form kaum Gefahr, denn gutes Zielen gehört nicht zu ihren Stärken. ich hoffe deshalb auf einen Modus, der mehr Spieler zulässt, dabei aber die Titananzahl limitiert oder gar ganz deaktiviert, denn auch dann wäre Titanfall immer noch ein tolles Spiel, auch wenn es dem Namen nicht wirklich gerecht würde.
Schade ist auch, dass Electronic Arts die Exklusivrechte an Microsoft vergeben hat und Besitzer einer Playstation 4 auf das Spiel verzichten müssen. Lediglich PC’ler dürfen sich mit auf das Schlachtfeld stürzen. Sollte Titanfall ein Erfolg werden, so würde ein mögliches Sequel aber höchstwahrscheinlich auch für Sonys Konsole erscheinen. Schließlich ging die PS4 mittlerweile schon über fünf Millionen Mal über die Ladentheke, sodass ein neuer Exklusivvertrag für Microsoft ziemlich teuer werden könnte.
In der Beta konnte mich außerdem die Grafik kaum überzeugen. Die Texturen sehen aus der Nähe ziemlich matschig aus und werden deshalb den Ansprüchen eines Next-Gen-Titels nicht wirklich gerecht. Explosionen und andere Effekte können sich aber durchaus sehen lassen. Zudem hat eine Spieleserie aus der Vergangenheit gezeigt, dass die Grafik nebensächlich wird, solange das Gameplayflüssig und präzise ist. Dreimal darfst du raten, um welche Reihe es sich handelt. Zufall?
Wie man sieht, ist ein Vergleich zu Call of Duty nicht weit hergeholt. Das stetig stagnierende Franchise von Activision muss sich warm anziehen, denn die Reihe tritt weiterhin auf der Stelle und kann kaum neue Innovationen etablieren. Dass Titanfall die CoD-Reihe vom Konsolen-Shooter-Thron schießen kann, lässt sich frühestens beim Test der fertigen Version deuten, doch die Eindrücke aus der Beta lassen auf Großes hoffen. Der Kern des Spiels bedient sich an den Stärken seines „Vorbilds“ und kann außerdem viele neue und sinnvolle Ideen integrieren. Titanfall wird vielleicht nicht der Grafikporno, den die Xbox One imstande ist zu leisten, dafür gibt es viele andere Gründe, warum ich mich riesig auf dieses Spiel freue.

Paul @ SLEAZE

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