Thriller Der Unsichtbare: Zuviel des Sichtbaren

Thriller Der Unsichtbare: Zuviel des Sichtbaren

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Für Cecilia (Elisabeth Moss) hat das monotone Rauschen der Wellen nichts Beruhigendes. Jeder Wellenbruch stürzt wie ein dröhnender Hammerschlag auf sie ein. Mitten in der Nacht blicken wir in ihr müdes Gesicht, während sie sich vorsichtig aus dem Bett schält, welches sie mit ihrem Freund Adrian (Oliver Jackson-Cohen) teilt.

SLEAZE + Der Unsichtbare
Gezeichnet vom Beziehungsterror.

Sie schleicht durch die weiträumigen Flure des schnieken Küstenhauses, das manchem Liebhaber moderner Architektur Freudentränen bereiten würde. Für sie ist es ein finsteres Labyrinth des häuslichen Terrors, ein Hochsicherheitstrakt, aus dem es zu entkommen gilt. Sie wagt den Ausbruch aus dem Komplex und die Flucht vor ihrem offenbar gewaltsamen Lebensgefährten.

Ein schrecklicher Verdacht

Mit dem unlängst gestarteten Thriller Der Unsichtbare legt Leigh Whannell, der als Co-Schöpfer der zunehmend folterlustigen Saw-Reihe bekannt wurde, seinen neusten Film vor. Er erzählt die Geschichte der jungen Frau, die aus einer klaustrophobischen Beziehung ausbricht und auf einen Neuanfang hofft.

Der Beginn eines neuen Lebens scheint zum Greifen nahe, als sich ihr Partner Adrian kurz nach ihrem Untertauchen umbringt. Während sie Unterschlupf bei Polizistenkumpel James (Aldis Hodge) und dessen Tochter Sydney (Storm Reid) findet, häufen sich bald seltsame Vorkommnisse, die einen furchtbaren Verdacht in Cecilia wecken: Adrian lebt und stellt ihr unsichtbar nach.

Leigh inszeniert über weite Strecken einen vergleichsweise zurückhaltenden Film. Er hält seine mit feinen Andeutungen geschmückte Spannungskurve lange aufrecht, in dem er die Paranoia seiner Protagonistin immer wieder mit geschickten Kameraeinstellungen und Toneffekten auf die Leinwand projiziert.

Der lange Blick in leere und dunkle Flure oder durch offen stehende Türen allein kitzelt etwas zutiefst Unangenehmes hervor. Es ist ein Spiel mit unseren Urängsten: Ich bin allein, aber irgendjemand oder irgendetwas scheint mich zu beobachten.

Geheimnisverrat

Allerdings lässt Der Unsichtbare seine atmosphärischen Hüllen für meinen Geschmack etwas zu deutlich und schnell fallen. Zwar versackt Leigh auch dann nicht in automatisierte Erzählmuster, zumal er gewisse Geheimnisse und Richtungswechsel über die gesamte Laufzeit verstreut.

SLEAZE + Der Unsichtbare
Jetzt bloß nicht zu laut sein: Elisabeth Moss in Der Unsichtbare.

Gleichwohl kapselt er den Zuschauer gewissermaßen von der Ebene des Ungewissen ab und stellt ihn damit über seine gebeutelte Hauptfigur, der ich auch dann noch weiter interessiert folgen wollte.

Aus dem inneren Blickwinkel ist nun aber ein äußerer geworden. Aus dem faszinierenden Erleben des Unbekannten entspinnt sich zunehmend effektive, aber auch gewöhnlichere Unterhaltung. Ich mag die große Ungewissheit und das kaum oder gar nicht Aufgelöste.

Keine oder wenige konkrete Antworten und möglichst dünne Exposition lassen das Publikum auf eine faszinierende Weise mit sich selbst zurück. Ein Mangel an Informationen kann eine Geschichte unendlich groß machen, da sie in jedem Zuschauer selbst auf ihre eigene Weise wächst und gedeiht.

Der dramatische und mysteriöse Einstieg des Streifens erzeugt vor allem Eindrücke und Stimmungen, kurzum ein Erlebnis. Leider wankt der Thriller mit dem Fortlauf seiner Geschichte zuweilen dann doch.

Er versieht seinen Plot für meinen Geschmack mit der einen Figur und der anderen Wendung zu viel, statt seinem anfänglichen Mysterium zu vertrauen. Er löst an Stellen auf, die lieber unsichtbar geblieben wären und bringt Licht an erzählerische Schnittstellen, die einmal beleuchtet an Größe verlieren.

SLEAZE + Der Unsichtbare
Grusel light.

Vom großen Geheimnis zu Beginn bleibt immer noch ein unterhaltsamer Spannungsfilm, der Leigh zwar nie wirklich entgleitet. Weniger Sichtbares hätte den Unsichtbaren für mich aber vermutlich attraktiver gemacht.

Alex

Titel: Der Unsichtbare
Kinostart: 27.02.2020
Dauer: 124 Minuten
Genre: Thriller
Produktionsland: USA, Australien
Filmverleih: Universal Pictures

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