The Predator: Upgrade oder Downgrade?

The Predator: Upgrade oder Downgrade?

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Irgendwie erschaffen Actionfilme ja ihre eigene Realität. Eine Realität, in der die beste Lösung für ein Problem draufballern heißt. Oder draufkloppen. Mit solchen – oder den damit verwandten – Lösungswegen würde man in unserer Realität einfach nicht weit kommen. Viel eher würde es die Situation vermutlich ums Wesentliche verkomplizieren, wenn man ohne groß nachzudenken mit dem Schießeisen hantiert.

Niemand geht in unserer Realität nach einem anstrengenden Tag, an dem man ungefähr 30 anonyme Schergen erschossen oder verstümmelt hat, nach Hause, kocht sich einen Tee und denkt: „Man, war heute aber wieder viel los.“

SLEAZE + Predator: Upgrade
(Aus)Rasta Predator

Nein, man würde sich Gedanken darum machen, dass man gerade 30 Familien zerstört hat, warum man so kaltblütig ist und warum man verdammt nochmal so gut mit einer Waffe umgehen kann und die 30 toten Schergen nicht, obwohl das offensichtlich ihr einziger Job war. Und dann kommen die ganzen rechtlichen Probleme: Vor irgendjemanden wird man sich für das Ganze rechtfertigen müssen. Das kann Jahre dauern, bis die Sache gegessen ist.

Glücklicherweise ist die Actionfilm-Realität aber eben wesentlich einfacher, solche Sachen sind einfach kein Thema. Die Welt wird mit purer Gewalt gerettet und alles ist in Ordnung. Ganz einfach.

Fairerweise ist die Ausgangsituation im Actionfilm aber auch gleichfalls sehr fern von unserer gewohnten Realität. Alien-Invasionen, interdimensionale Killerkreaturen oder Superschurken mit Nuklearwaffen sind bei uns ja doch eher selten. Man könnte sogar fast von nicht existent sprechen. Daher funktionieren in Actionfilmen auch ganz andere moralische und logische Grundsätze, die für sich gesehen auch funktionieren.

Da bildet auch das Predator-Franchise keine Ausnahme. Tatsächlich ist die in den 80ern mit Arnold Schwarzenegger gestartete Filmreihe ein klassisches Paradebeispiel der „Erst mal drauf schießen und dann mal weitersehen“-Mentalität.

Und nun erhält die Reihe mit Predator: Upgrade (ja, da haben sie sich bei dem deutschen Titel wieder was richtig Gutes ausgedacht…) seine vierte Installation. Zumindest wenn man die Alien vs. Predator-Filme nicht mitrechnet. Aber kann Runde Vier in der Actionfilm-Realität immer noch herhalten oder wurde das ganze Pulver mittlerweile verschossen?

Versprengte Handlung

Bei der Story hat Regisseur und Drehbuchautor Shane Black, der auch schon 1987 im ersten Teil als Schauspieler dabei war, jedenfalls nicht unbedingt ins Schwarze getroffen. Die Geschichte wartet mit einem „neuen“ Predator auf, der noch stärker, noch klüger und noch tödlicher ist. Ja, quasi genauso wie der am Ende von Predators aus dem Jahre 2010. Nur eben noch tödlicher, weil seine DNA mit der anderer Außerirdischer gekreuzt wurde.

Wie auch immer, so ein „upgegradeter“ Predator landet nun auf der Erde, um wiederum einen anderen Predator zur Strecke zu bringen, welcher seine Spezies verraten hat. In dieses ganze Schlamassel wird der Scharfschütze McKenna (Boyd Holbrook) reingezogen, der versucht, seine Familie (samt autistischem Sohn) und die ganze Welt zu retten.

Glücklicherweise bekommt er Hilfe von einer Truppe exzentrischer Soldaten und einer toughen Biologieprofessorin (Olivia Munn). Ach ja, und nebenbei mischt natürlich noch eine fiese Regierungsorganisation mit, die selbstverständlich die Alien-Technologie nutzen will, um Waffen zu bauen oder so etwas. Wie immer in solchen Situationen. Äußerst originell.

Bei der Handlung darf man sich also getrost am Kopf kratzen. Der Versuch, aus dem klassischen „Predator-jagt-Menschen-als-Sport“-Schema anhand komplizierterer Story-Elemente, Familiendrama und Mythologie-Ausbau auszubrechen, funktioniert leider überhaupt nicht.SLEAZE + Predator: Upgrade

Wobei „leider“ vermutlich das falsche Wort ist, denn ob sich Fans der Reihe wirklich etwas anderes als exakt dieses Schema gewünscht haben, ist fraglich.

Mit Sicherheit haben sie sich aber keine dämliche Nebenhandlung um einen autistischen Jungen gewünscht, der in der Schule gemobbt wird und urplötzlich die Predator-Sprache beherrscht. So funktioniert das einfach nicht.

Stimmende Chemie

Was aber funktioniert, sind die Charaktere. Zwar dreht es sich im Grunde hauptsächlich um McKenna, aber irgendwie ist es doch ein Ensemble-Cast, welcher erstaunlich gut funktioniert. Jeder aus dem Team um den Scharfschützen trägt super zur Dynamik bei und bekommt seinen Moment im Film.

Man merkt deutlich, dass da die Chemie zwischen den Schauspielern gestimmt hat, was erheblich zur Qualität des Films beiträgt. Vor allem Keegan-Michael Key, den man ja sonst hauptsächlich aus dem Comedy-Bereich kennt, bleibt einem nach dem Film positiv im Gedächtnis.

Allerdings können auch authentische Charaktere und coole Sprüche kein schlechtes Drehbuch aufwerten. Glücklicherweise ist das bei einem Actionfilm ja gar nicht so wichtig. Was zählt, ist, wie anfangs erwähnt, das Geballer. Und von dem gibt es auch bei Predator: Upgrade wieder einmal eine ganze Menge. Wirklich, so richtig viel. Aber das gehört ja nun bei einem Predator-Film zum guten Ton. Es ist fast schon so wie bei Teil Zwei, bei dem man sich streckenweise gefragt hat, wann in Gottes Namen Filme eigentlich so laut geworden sind.

Und dieses Geballer funktioniert auch hier größtenteils recht gut. Die Actionsequenzen sind gut durchgestylet und dank dem R-Rating auch ganz schön blutig. Klar, manchmal sieht man dem fiesen Alien an, dass es am Computer erzeugt wurde, und oft genug ist es im Film so dunkel, dass man sich richtig anstrengen muss, um zu sehen, wer hier gerade wen in seine Einzelteile zerlegt. Alles in allem ist die Action zwar übertrieben, aber auch unterhaltsam. Große Innovationen in Sachen Action sollte man dennoch nicht erwarten.SLEAZE + Predator: Upgrade

Ist der neue Predator also ein Film, der auch in unserer Realität einen Kinobesuch wert ist? Schwer zu sagen. Fans des Action- und Blockbuster-Kinos werden definitiv auf ihre Kosten kommen, denn der Streifen hat genug Krawall und Witz, um mit anderen zeitgenössischen Filmen mitzuhalten. Wer allerdings neben einer Effektorgie auch noch eine gute und neue Geschichte haben möchte, der sollte wohl eher einen Bogen um ihn machen.

Simon

Titel: Predator: Upgrade
Kinostart: 13.09.2018
Dauer: 107 Minuten
Genre: Action, Horror, Scie-Fi
Produktionsland: USA
Filmverleih: 20th Century Fox

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