The Nun: Umnachtet ist die Conjuring-Nonne

The Nun: Umnachtet ist die Conjuring-Nonne

Ist The Nun gut oder absoluter Nun-Sens? Wir haben es gewagt und reingeschaut.

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SLEAZE + The Nun
ICH TREIBE DIR DIE LANGEWEILE AUS! ZIEH VON DANNEN, ÖDA DÄMON!!! Spoiler: Hat leider nicht geklappt.

Oh je. The Nun, das neuste Spin-off und der nunmehr fünfte Kinofilm aus der Conjuring-Reihe, ist ein Horrorfilm ohne Schrecken, Biss, Spannung. Ich stelle hier die nicht allzu gewagte These auf, dass er ohne das dicke Schauderfranchise im buckligen Rücken flott in der Versenkung verschwinden würde. Denn Corin Hardy (The Hallow) weiß mit dem Stoff um die dämonische, aus dem zweiten Teil bekannte Nonne nicht viel mehr anzufangen als selbige als popelige Jahrmarktattraktion auszustellen.

Angesiedelt im Jahre 1952, macht sich Priester Burke (Demián Bichir) im Auftrag des Vatikans gemeinsam mit der Novizin Irene (Taissa Farmiga) auf nach Rumänien, wo sie in einem Kloster den Selbstmord einer jungen Nonne untersuchen und aufklären sollen. Während ihres Weges durch das osteuropäische Land treffen sie auf Frenchie (Jonas Bloquet), der sich im Folgenden als überaus stimmungstötender Sidekick herausstellt.

Die reingewaschene Nonne

Ein Stimmungstöter ist The Nun aus meiner Sicht ohnehin. Während der Sichtung krümmten sich mir nicht die Fußnägel aus Nervenkitzel, sondern einer stetig wachsenden Langeweile hoch.

Ein wesentliches Problem brodelt in seiner seltsamen Sauberkeit: Die rumänische Provinz erstrahlt in werbeträchtigem Hochglanz inklusive Greenscreen-Künstlichkeit, der Wald ist nicht das dunkle Unbekannte, sondern der stets mild ausgeleuchtete Naturschreck aus dem Restefundus des Gruselkabinetts und wenn uns Frenchie mit seiner aufdringlichen Pseudo-Charmanz in geschniegeltem Modellook begegnet, ist auch der letzte Hoffnungsschimmer dahin.

SLEAZE + The Nun
Oh Herr, bitte! Bitte gebt mir mehr Horror!

Vielleicht sieht es in rumänischen Gefilden aber auch einfach so aus. Vielleicht warten sie mit der saubersten Dorfkneipe auf, die ich in meiner bisher 28-jährigen Lebenszeit gesehen habe. Vielleicht orientiert sich jedes religiöse Gemäuer an typischen Bildern von der Horror-Resterampe mit ihren so lieb platzierten Kerzchen, dunklen Eckchen und ominös hell ausgeleuchteten, nebelverhangenen Fluren.

Ja, vielleicht ist das alles so. Vielleicht handelt es sich hierbei aber auch einfach nur um einen dieser Franchise-Filme ohne Vision.

Berechenbarkeit tötet jeden Schauder

Wie lässt sich seine erzählerische Formelhaftigkeit und stimmungsferne Massentauglichkeit für den kleinen Jumpscare-Schrei zwischendurch sonst erklären? Ist das überhaupt noch massentauglich? Zugegebenermaßen war mir irgendwann vollkommen egal, wie sich dieser Plot in diesem einfach nicht entfaltenden Streifen entwickelt, in dem alles so ungemein mit dem Dampfhammer kalkuliert erscheint.

Das setzt sich konsequenterweise auch in der Inszenierung des vermeintlichen Horrors bzw. seiner so prägnant ins Gesicht gedrückten Gehversuche selbst fort. Dieser kommt nämlich nicht darüber hinaus, seine Schockeffekte in präziser Berechenbarkeit meilenweit im Voraus aufzubauen.

Ist doch klar, dass die alte, mit dunklem Schleier verhüllte Glaubensschwester im nächsten Moment unter brummigem Getöse zupackt, wenn wir uns nur lange genug nähern, oder? Ja, vieles ist hier weit vorher klar und daher ohne Unberechenbarkeit und Suspense.

SLEAZE + The Nun
Mein Vater ist Danny DeVito in Batman. Aber ich wirke doch auch gruselig, oder?

Ein lichtloses Spektakel

Nein, diese Nun hat mir jedenfalls zu keiner Zeit das Fürchten gelehrt. Wie auch? Sie kündigt sich unter grummeligen, tiefen Chorstimmen an und wenn sie unseren geistlichen Ermittlern denn Auge in Auge gegenübersteht, ist sie ein körperlich manifestierter Dämonenwitz, der sich nur allzu leicht bekämpfen lässt.

Sie verkörpert neben Puppe Annabelle vielmehr ein Maskottchen des Franchises als eine geheimnisvolle, mystische Bedrohung. Da mag man dem ihr inneliegenden Bösen eine noch so alibihafte Hintergrundgeschichte aufdrücken, mit dem Blut Jesu um sich tröpfeln (das passiert tatsächlich) und ihre Zähne fletschen lassen.

Mit fortschreitender Laufzeit passiert mit dem Film etwas, was auch Conjuring 2 heimsuchte: Er avanciert zu einer Art Actionfilm, in dem alle Horrorhüllen fallen und dem Spektakel auch das letzte Kerzenlicht des zuvor so mühselig versuchten Schreckens ausbläst. The Nun wandelt spätestens dann den letzten Metern seiner so konformen Umnachtung entgegen.

Alex

Titel: The Nun
Kinostart: 06.09.2018
Dauer: 96 Minuten
Genre: Horror, Thriller, Mystery
Produktionsland: USA
Filmverleih: Warner Bros.

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