The Mule – Clint Eastwood auf Drogentour

The Mule – Clint Eastwood auf Drogentour

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Entfremdet von der Familie und vor finanziellen Problemen stehend, tritt Clint Eastwood in The Mule eine Stelle als Drogenkurier für das mächtige mexikanische Sinaloa-Kartell an.

SLEAZE + The Mule
Drogen pflastern bald seinen Weg

Die eigens inszenierte und mit sich selbst in der Hauptrolle besetzte Geschichte basiert auf dem in der New York Times erschienenen Artikel „The Sinaloa Cartel’s 90-Year-Old Drug Mule” von Sam Dolnick, wenngleich Clint etwa Namen von Beteiligten änderte. Aus dem Grundstoff gewann er einen Film von ungemein lässigem Drive, entspannter Weisheit und berührender familiärer Zerrissenheit.

Aus dem realen und Ende 2016 verstorbenen Vorbild Leo Sharp, der seine Tätigkeit als Drogenbote in seinen Achtzigern aufnahm und über Jahre dem Gesetz entging, wurde in Clints Variante der ebenfalls betagte Earl Stone. Wirklicher und fiktiver Variante sind ihr vorangegangenes Dasein als Gärtner sowie Kriegserfahrungen gemein mit dem Unterschied, dass Leo im Zweiten Weltkrieg und Earl im Koreakrieg diente.

Clint überschreitet leichtfüßig Grenzen

Besonders in seinem nunmehr über zehn Jahre zurückliegenden Film Gran Torino, den Clint Eastwood als Regisseur und Hauptdarsteller gleichermaßen begleitete und formte, war das Aufeinanderprallen tief verwurzelter, uns wohl bekannter Gesellschaftsbilder zu beobachten. Damals im Jahre 2008 sahen wir den grantig daherkommenden und verschlossenen Koreakriegsveteranen Walt Kowalski dabei zu, wie er auf die sich verändernde Umwelt reagierte, die zunehmend asiatische Familien und gewalttätige Gangs beherbergte.

In finaler Konsequenz zeigte sich, dass sich hinter seiner äußerlich stoischen Unberührtheit das verbindende Fundament grenzüberschreitender Menschlichkeit verbarg. Kulturen fanden zueinander.

The Mule knüpft gewissermaßen an solch Grenzkonflikte an, denen Clint „on the road” aber nicht mit der Schwere eines problemgeschüttelten oder isolierten Lebens, sondern mit einer kindlichen Unbekümmertheit begegnet. So schlittert Earl zu Beginn vielmehr in den Drogenhandel und weiß zunächst nichts von seiner brisanten Fracht. Er sollte schließlich nur etwas transportieren, mag er sich gedacht haben.

SLEAZE + The Mule
Was tun mit diesem Vater? Was tun mit dieser Familie?

Während er Fahrt um Fahrt auf sich nimmt und genüsslich Countrysongs und Oldies mitträllert, erinnern ihn diverse Begegnungen an einen technologischen und gesellschaftlichen Wandel. Da ist das mit einer Panne am Wegesrand liegen gebliebenes schwarzes Paar, dass auf die unzeitgemäße Nutzung des Wortes „negro” hinweist. Es fällt schwer, diesem alten, auf leichten Füßen durchs Leben gleitenden Greis auch nur ansatzweise in die Nähe rassistischer Vorstellungen zu rücken.

An anderer Stelle mag man sich fragen, ob nicht in einer anderen Zeit oder wenigstens an einem anderen Ort eine tiefe Freundschaft mit einem der mexikanischen Drogengangster hätte entstehen können. Egal, woher wir kommen. Verbunden sind wir alle auf die ein oder andere Art und erst Prägungen, Erfahrungen und angenommene Komfortzonen entzweien uns.

The Mule treibt gen Herz des Zuschauers

Diese Leichtigkeit Earls in seiner täglichen Begegnung mit dem Leben steht einerseits im Kontrast zu seinem zerrütteten Familienverhältnis. Die Begegnungen mit der Tochter und der Ex-Frau zeugen von tiefen Zerwürfnissen einer gefühlten Lebenszeit, von denen nur die Enkelin losgelöst zu sein scheint und die ihren Großvater mit Umarmungen begrüßt.

Andererseits erzählen sie von einem Mann, der konsequent seinen Lebensweg geht und annimmt, was da kommen möge und mit jeder damit einhergehenden Konsequenz. Er unterwandert auf diesem Wege humorvoll Grenzen mit der erfrischenden Naivität eines Kindes, das irgendwann dies und jenes verstehen mag, aber eben doch weitermacht, weil es seine Natur ist und sich nicht verbiegen lässt und vielleicht auch gar nicht anders kann oder will.

SLEAZE + The Mule
Tja, was nu?

Diese Unbekümmertheit schlägt sich konsequenterweise in der unaufgeregten Erzählung und Regie Clints nieder. The Mule ist ein über weite Strecken dahintreibendes Roadmovie und eine filmische Entschleunigung in Zeiten von Superheldengewittern und Sternenkriegern.

Der Film steht und hält inne inmitten seiner ständigen, mit einigen Spannungsspitzen erschütterten Bewegung und erinnert daran, wie schön und zart und bedeutsam Milde, Leichtigkeit und Gelassenheit und ein tiefes Innehalten am Wegesrand auf das Herz des Zuschauers wirken können.

Alex

Titel: The Mule
Heimkinostart: 31.01.2019
Dauer: 116 Minuten
Genre: Krimi, Drama, Thriller
Produktionsland: USA
Filmverleih: Warner Bros.

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