The Last of Us 2: Zwischen den Zeilen

The Last of Us 2: Zwischen den Zeilen

Spoiler im Text!

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Einen guten Monat ist es her, seit ich The Last of Us 2 durchgespielt habe. Und während andere jetzt weiterziehen, den Samurai in sich mit Ghost of Tsushima entdecken, sitze ich noch vor dem Bildschirm und mache mir Gedanken darüber, welche versteckte Bedeutung sich mir noch offenbart. Denn The Last of Us 2 regt zum Nachdenken an – und das in vielerlei Hinsicht.

Ein Blick auf einige Dialoge, die wir zu hören bekommen, scheinen in erster Linie nur das Offensichtliche zu meinen. Aber um ein paar Ecken weitergedacht, erkennt man eine Symbolik dahinter. Ich möchte ein paar dieser Aha-Erlebnisse mit dir teilen.

SLEAZE + Ellie Wand Berlin
So etwas brauche ich auch in meinen vier Wänden.

„If I ever were to lose you, …“

Den Song Future Days, den Ellie von Joel zu Beginn vorgeführt bekommt, leitet geschickt in die Handlung des Sequels ein. Eine mächtige Textzeile: „If I ever were to lose you, I’d surely lose myself.“ Obwohl diese Worte aus Joels Mund kommen, symbolisiert die Songzeile Ellies Verlauf der Geschichte. Mit Joels Tod verliert sie sich völlig und wird blind vor Rache.

Aber auch Joels Vorgeschichte ist im Text wiederzuerkennen. Denn mit dem Tod seiner Tochter Sarah war er bereits an dem Punkt, sich zu verlieren. Durch Ellies Präsenz hat er mit der Vergangenheit abschließen können, wie „all my stolen missing parts, I’ve no need for anymore“ gedeutet werden könnte. Und da, wo er jetzt steht, ist ebenfalls Ellies Verdienst. „Everything I have found here, I’ve not found by myself.“ Diese Worte unterstreichen die Tatsache, dass er dieses Glück, das Glück einer zweiten Familie, Ellie verdankt.

Man könnte noch weitergehen und diesen Song als Schnittstelle für Joels und Ellies Beziehung betrachten. Vor allem Ellie fällt es in The Last of Us 2 wiederholt sehr schwer, den Song zu spielen, da er sie an die gemeinsame Zeit mit Joel erinnert. Umso tragischer wirkt das Ende, da sie diesen Song nie wieder richtig spielen werden kann, weil sie während ihrer finalen Konfrontation zwei Finger verloren hat. Bedeutet: Obwohl sie endlich mit allem abgeschlossen hat, wird nichts wieder sein wie vorher.

SLEAZE + Ellie Wand Berlin
im Herzen Neuköllns, Berlin.

„It can’t be for nothing!“

Ein starkes Zitat, das zwar aus dem ersten Teil stammt, aber die Bedeutung im Sequel noch stärker nachhallt. Ellies Reise erbrachte viele Opfer und umso wichtiger war es ihr, dass das alles nicht umsonst war. Doch mit Joels egoistischer Rettungsaktion hat er sie nicht nur um diese „Erlösung“ beraubt, sondern auch um ihren Lebenswillen. Denn Ellie war fest der Überzeugung, dass ihre Immunität eine höhere Bedeutung hat.

Doch mit dem Weg, den The Last of Us 2 einschlägt, gewinnen die Worte „it can’t be for nothing“ an neuer Bedeutung. Denn durch Ellies Obsession wird sie zu einer unaufhaltsamen Killermaschine und begeht dutzende Morde. Auf ihrem Rachefeldzug verliert sie Freunde, foltert Menschen und geht sogar so weit, dass sie eine Hochschwangere umbringt. Und selbst als sie an einem Punkt angelangt, endlich einen Schlussstrich zu ziehen, verfällt sie wieder in das alte Muster. Die Worte „it can’t be for nothing“ treiben Ellie an und erst ganz zum Schluss erkennt sie, wohin sie ihre Engstirnigkeit getrieben hat.

Mehr als eine Rache-Story

Es existieren noch weitere Aha-Erlebnisse. Tatsächlich gibt es sogar einen wortwörtlichen a-ha-Moment. Aber zurück zum Wesentlichen: The Last of Us 2 wird hin und wieder vorgeworfen, eine Rache-Geschichte wie jede andere zu sein. Dutzende Male hat man in verschiedensten Medien dem rachsüchtigen Protagonisten beim Metzeln zuschauen müssen. Doch The Last of Us 2 macht in meinen Augen einiges anders und schlägt mit seiner Symbolik einen anderen Weg ein. Nicht nur, dass wir aus verschiedenen Perspektiven uns ein Bild von diesem persönlichen Rachefeldzug machen dürfen, uns wird eben durch kleine, gut platzierte Verweise immer wieder eine tiefgehende Erzählung präsentiert. Wir werden mehr als einmal zum Nachdenken angeregt und genau dann, wenn wir das tun, erkennen wir oft die verborgene Komplexität hinter der eigentlich simplen Story.

San L

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