The Happytime Murders – Die versiffte Muppet-Alternative

The Happytime Murders – Die versiffte Muppet-Alternative

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Mordende Puppen, Puppenhass, Zuckersucht und ein abgehalfteter Puppendetektiv. Unter dem Banner Henson Alternative ist der neuste Streifen The Happytime Murders der „Erwachsenenabteilung“ der The Jim Henson Company nun auch in den deutschen Kinos gestartet. In dem Film zeichnet Regisseur Brian Henson, Sohn des berühmten Muppet-Erfinders Jim Henson, eine Art an unsere Welt angelehnte Alternativrealität, in der Puppen Seite an Seite mit den Menschen leben.

SLEAZE + Happytime Murders
Wer ist hier der Verdächtige?

Doch als ausgegrenzte Bevölkerung zweiter Klasse fristen sie ein unbeachtetes Dasein, in dem ihre einst gleichberechtigte Stellung nur noch als räusperndes Echo in ihrer abgewrackten Existenz zwischen schäbigen Pornostores und schmierigen Schalunken widerhallt.

Ein Happy Beginning

Inmitten dieses gesellschaftlichen Setups erzählt Brian einen klassischen Whodunit-Plot, in dem er den eingangs erwähnten Ermittler Phil, eine Art Typus des hoffnungslos verlorenen Detektivs samt Fluppe im Mund und Sakko tragend, an die Seite seiner einstigen, nun aber ihm ziemlich unfreundlich gegenüberstehenden Menschenkollegin Connie (Melissa McCarthy) stellt. Denn die beiden müssen widerwillig erneut als Partner in Los Angeles zusammenfinden, um die Mordserie an ehemalige Puppendarsteller einer Kindershow aus den 90ern zu lösen.

Besonders in den anfänglichen zwanzig, dreißig Minuten fand ich mich immer wieder mit einem vergnügten Grinsen im Kinosaal angesichts der zu sehenden Absurdität wieder. Da werden Puppenköpfe plüschgerecht weggeschossen, Beleidigungen fallen im Sekundentakt und wenn du schmunzeln musst bei der Vorstellung eines Puppenpornos samt Kuh im spritzigen Melkvorgang, wirst du verstehen, was ich meine.

SLEAZE + Happytime Murders
Die Party verliert leider bald ihren Drive

Diese Verschrobenheit geht den Happytime Murders allerdings mit zunehmender Laufzeit verloren. Die Schimpfwort-getränkten Wortkabbeleien mit Phil, Connie und ihren Befragten übernehmen gefühlt das Regie-Kommando, sodass situationskomische Momente überwiegend ausbleiben. Es ist, als fände das Puppentheater bald keine neuen Wege mehr, seine stoffgefüllten Protagonisten mit unberechenbaren Eigenarten zu schmücken.

Kein Happy Ending

Zwar finden sich vereinzelt immer wieder neue absurde Momente, in denen es teils überaus samenlastig zu Werke geht. Und die Begegnung mit den verschiedenen, bizarren Kreationen aus der Henson Company ist eine Freude. Doch sobald der Plot um die Auflösung des Falls das Steuer übernimmt, artet der Film in seltsam konventionelle Ermittlungsarbeit aus, zumal auch der Anarcho-Humor immer seltener Biss findet und die Geschichte als solche nur als ein Abziehbild alter Detektiv-Stories in Erscheinung tritt. Ihr fehlt die Eigenständigkeit, die besonders dann zu Tage tritt, wenn die Puppen als Hauptsensation zunehmend verglühen.

Alex

Titel: The Happytime Murders
Heimkinostart: 11.10.2018
Dauer: 112 Minuten
Genre: Komödie, Krimi
Produktionsland: USA, China
Filmverleih: Tobis Film

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