TAME IMPALA – Back to the 60s

TAME IMPALA – Back to the 60s

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Dienstagabend versammelte sich alles, was den Aussie-Slang als offizielle Sprache ansieht, im Berliner Postbahnhof. Nein, nicht weil sie solche Sehnsucht nach Gleichgesinnten hatten, sondern um die australische Band Tame Impala live zu sehen.

Groß waren meine Erwartungen an die fünf Psychedelic-Rocker aus Down Under. Sehr groß. Wie oft habe ich ihr Debütalbum Innerspeaker rauf und runter gehört, mich dabei unrasiert nach Woodstock oder einfach nur an einen Strand voller schnuckeliger Surfer-Typen geträumt. Seit 5. Oktober ist nun auch ihre zweite Scheibe auf dem Markt. Mit Lonerism bewiesen die Junghippies einmal mehr, wie sehr diese Flower-Power-Mukke immer noch zieht und in der Indie-Szene zu vermehrter Kommunenbildung führt.

Berauscht von dieser Euphorie (und wirklich nur davon!) betrat ich also den Ort des Geschehens. Gerade noch rechtzeitig, denn in diesem Moment legten die Jungs auch schon los. Für ein Bierchen blieb also keine Zeit. Ich musste sie sehen. Während der Gitarrist, Lead-Sänger und Mastermind der ganzen Truppe, Kevin Parker, seiner Fender Roadhouse Stratocaster die ersten rotzig-verzerrten Sounds entlockte, quetschte ich mich durch die eingerauchte Langhaarmeute. Ich erhaschte einen ersten Blick auf die Bühne: Man, sind die haarig!, schoss es mir als ersten Gedanken durch den Kopf. Wann die wohl zum letzten Mal beim Friseur waren?

„Hast du auch das Gefühl, dass die irgendwie nur so halbgut klingen?“ fragt mich der Typ neben mir und spricht damit aus, was ich mich zuerst nicht mal zu denken traute. Doch er hatte recht, zumindest was die ersten paar Tracks anging. Der Sound war da irgendwie nicht ganz stimmig. Zwischen all den mehr oder weniger begeisterten und mit dem Kopf wippenden Menschen überlegte ich, wie viel besser es wohl wäre, diese Band open air zu hören. Doch „You can’t always get what you want“ sangen einst schon die rollenden Urgesteine. Und so begnügte ich mich mit 1 3/4 Stunden souveräner Performance, die irgendwo zwischen „Hell yeah“ und „gebt mir noch mehr Red Bull“ lag. Der alles entzündende Funke sprang erst bei der fast zehnminütigen Zugabe so richtig über. Alle tanzten, alle waren happy – so hätte ich mir das ganze Konzert gewünscht. Trotz allem ein schöner Abend, der mich wieder einmal daran erinnerte, wie gern ich nicht in den 60ern gelebt hätte.

Mariella

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