Talentierte Casting-Tattoos

Talentierte Casting-Tattoos

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James-Arthur-swRapper und Sänger James Arthur gewann 2012 die Casting-Show „The X Factor UK“. Der Engländer berührte Massen mit seiner eigenen Interpretation von Song-Covers wie Tulisas Dance-Track „Young“ (Tulisa selbst saß damals in der Jury). Der Brite sorgt neben seinem Ohrwurm „Impossible“, welcher sogar für die Brit Awards nominiert wurde, auch für eine Menge Shitstorm. Tweets und Rap-Battles u.a. gegen One Direction, Micky Worthless und Rita Ora, die wohl unter die Gürtellinie gingen, brachte es James auf einen neuen Hashtag #dropjamesarthur. Tausende Retweets gegen seine Performance bei „X Factor UK 2013“ zeigten seine Wirkung. Innerhalb von zwei Tagen brachte es James auf 4.000 neue Follower auf Twitter. Bei inzwischen über zwei Millionen Followern fällt das kaum noch auf, aber auch auf diesem Wege kam er zu neuen Fans.
James schien schon immer etwas anders zu sein und gegen den Mainstream zu schwimmen. Im Laufe seiner „X Factor“-Karriere kommen eine Zahnspange, ein oft viel zu gebräuntes Gesicht und eine Menge Tattoos hinzu. Man könnte meinen, sein Label wolle es so. Im November 2013 erschien dann sein Debütalbum „James Arthur“ und lenkt von anderen Sperenzchen ab. SLEAZE trifft James Arthur nun während seiner so gut wie ausverkauften Europatour in Berlin zu Interview und – Sperenzchen.

Wenn man bedenkt, dass die Journalisten bereits 40 Minuten oder mehr auf den X-Factor-Gewinner warten, fragt man sich, was er da so in seiner Garderobe treibt. Man erhält die Info, er sei etwas kränklich und hätte die ganze Nacht nicht geschlafen. Und wenn man dann noch nach guter Recherche weiß, dass James sehr eitel ist und somit lange in der Maske sitzt, kein Wunder. Seine Crew scheint äußerst nett, trotzdem nicht motiviert genug, James mal in den Allerwertesten zu treten. In der Kälte warten schließlich auch schon seit einer Stunde Fans aufs Meet & Greet.
Sein Tourmanager gibt mir das Signal, James sei soweit. Und dann nach weiteren Minuten, endlich, öffnet sich die magische Tür und sein weiblicher Makeup Artist schwindet aus dem Bild. Und da sitzt er nun, der 25jährige, tatsächlich sehr stark geschminkte Engländer: James Arthur. Er erhebt sich und grüßt mit einem laschen Händedruck. Von den Fingerspitzen bis zum Oberarm übersät von sexy Tattoos.

JamesArthur_coverMaria: Als ich mir das erste Mal dein Album angehört hab, erwartete ich tatsächlich mehr Rap. Wo ist der geblieben?
James (nickt zustimmend): Weißt du, das ist eben meine erste kommerzielle Platte. Und bin gerade dabei zu lernen, wie es ist, ein kommerzieller Künstler zu sein. Ich musste mir bewusst werden, dass ich der Gewinner einer X-Factor-Show bin. Das erste Album erhält eine Menge Input vom Label, weil sie mich als X-Factor-Gewinner präsentieren.
Man muss ein Gleichgewicht zwischen authentischer Musik und Musik finden, die die Massen anspricht. Meine Rap-Musik ist nicht unbedingt sauber. Es hatte bereits einen Explicit-Advisory-Aufkleber drauf, was natürlich nicht so gut bei den Eltern der Kids ankommt. Von daher gab’s auf diesem Album nicht wirklich Platz für Rap-Musik. Aber hey, ich mach gerade ein Rap-Album, welches wohl diesen Sommer erscheint und es ist kostenlos!


Kostenlos wie SLEAZE. Klar begrüßen wir diesen Schritt sehr. Musik und Tattoos. Die beste Art, Ängste und verwirrende Gefühlen zu verarbeiten?
Ja, definitiv. Und ich mochte nie so wirklich meine weiße Haut. Und ich dachte mir, warum überdecke ich sie nicht einfach mit Kunstwerken. Das find ich ziemlich spannend.

Hast du die Texte auf deinem „James Arthur“-Album selbst geschrieben?
Ja, die Mehrzahl der Texte sind von mir. Ein paar von ihnen sind aus einer Zusammenarbeit mit Anderen entstanden. Und selbst wenn es nicht meine eigene Texte sind, gebe ich immer mein Bestes und versuche sie auf eine besondere und vor allem meine eigene Art zu interpretieren.

„I don’t wanna marry you, I don’t wanna sing you to sleep, i just wanna take you home.“ Heißt das, du hast einfach keine Lust drauf, auch hinter der Bühne zu singen, wenn du eigentlich nur deinen Spaß haben willst?
Ja, irgendwie so ist das auch gemeint. (grinst) Die Message ist einfach, dass man nicht unbedingt viel über mich wissen muss. Ich bin auch nur ein ganz normaler Mensch. Und manchmal will ich es in gewissen Situationen einfach nur darauf ankommen lassen. Ich bin nicht dieser darstellende Affe. Ich bin einfach nur ein Typ, der bei einem Date vielleicht betrunken ist und nur knutschen will. Mehr nicht.James-Arthur-walk

Wer ist dein Superheld?
Da gibt’s diesen Kerl namens „Multiple Man“, der in mehreren Marvel Comics ist und sein Name ist Jamie Madrox und er kann sich in jeden, den er sein will, transformieren. (Anm. Redaktion: James Arthur „Jamie“ Madrox ist ein fiktiver Charakter, ein Marvel-Comics-Superheld, welcher mit X-Men verbunden wird. Er erschien das erste Mal 1975.)

Ist es also das, was du willst: dich ständig verwandeln?
Naja, ich habe eine Menge verschiedener Persönlichkeiten. Ich meine, ich bin jetzt keiner von diesen seltsamen Schizophrenen. Ich glaube, ich bin eher so eine Art Komiker.

Irgendwie konnte ich DAS bis jetzt nicht ganz nachvollziehen, sparte mir aber meinen Sarkasmus. Um die Situation mehr aufzulockern, fragte ich ihn nach wirklichen hässlichen Fotos von ihm selbst auf seinem Smartphone. Und siehe da, es gibt sie! Generell löscht er sie alle, weil er Angst hat, jemand könnte sie zweckentfremden. Ein privates mit ein paar Pickelchen und eins von seinem Videodreh von seiner 2. Single „You’re nobody till somebody loves you“ (YNTSLU). Der Blick war dann tatsächlich göttlich.

Man hat mir gesagt, du kränkelst etwas?
Naja, ich bin normalerweise immer sehr cool und entspannt. Aber heute ist das anders. In unserem Tourbus ist es momentan so ultraheiß. Und ich steh überhaupt nicht auf Hitze im Bus, ich kann dann einfach nicht pennen. Da gibt es keinen Ventilator und wenn der Bus dann mal anhält, vibriert der auch noch so grässlich. Das zermatscht meinen Kopf so richtig und mein Hals ist auch megatrocken. Ich bekomm dann so richtig Bock, alles um mich herum zu schmeißen wie Mariah Carey (lacht laut). Einfach alles zertrümmern!

 Ah, da ist er ja, der Komiker.

Nach ganzen 13 Minuten verabschiedet James sich auf die wirklich feine englische Art und SLEAZE findet ihn später auf der Bühne wieder. Das Konzert ist ausverkauft. Groupies findet man vielleicht in den ersten drei Reihen, ansonsten präsentiert sich der Postbahnhof mit einem lässigen Publikum. Ziemlich cool auf die Bühne schreitend, begrüßt James Arthur Berlin und versucht sich mit ein paar deutschen Sätzen bei den Fans zu bedanken. Und dann legt er sofort mit seinem Popsong „YNTSLU“ los und gibt uns über die komplette Show hinweg ordentlich Zündmaterial. Man bemerkt, dass James total Bock drauf hat, jeden einzelnen Song mit Rap aufzumischen. Ist nicht Teil der LP, also belässt er es meist beim Album-Original. Als extra Bonbon gibt es dann noch den Drake-Song „Hold on, we’re going home“, welcher die Menge fanatisch kreischen und wippen lässt. James zeigt sich live ohne Frage stimmlich extrem talentiert und schmeißt noch mit ein paar extra Gitarrenriffs um sich. Seine Band, bestehend aus Drummer, Gitarrist, Keyboarder und 2 wirklich äußerst stimmstarken Damen, stärken ihm den Rücken. Und was wäre ein James Arthur ohne seine melancholischen Songs, wo er fast daran zu zerbrechen droht? Man tendiert schnell dazu, ein bisschen mit ihm dahin zu schmelzen. Und wenn man um sich schaut, entdeckt man sogar einige männliche Zuschauer, die mitsingen. James rockt die Show mit seiner Band bis zur letzten Minute und scheint wirklich dankbar für die – O-Ton – „sexy motherfuckers“ in Berlin zu sein.

Maria-Loreen

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