Stylisch öko – logisch!

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Scheinwerferlicht auf die grüne Mode: Das Partnerevent der Ethical Fashion Show und des Greenshowrooms feierte zehnjähriges Jubiläum. Ob Ananasblattschuhe oder Fischernetzhosen: Neugierige konnten einiges letzte Woche in Berlin entdecken.

Keine „blutige“ Kleidung

Die Fischernetzhosen gehören zu bleed, einem bayerischen Label. Sie hängen in einer Reihe mit Laptoptaschen aus weichem Kork und Hanfhemden. Lena Grimm ist eine der Designerinnen. Sie sitzt versteckt hinter ihren Kleidungsstücken. Was sei grüne Mode für sie? „Nachhaltigkeit kombiniert mit Style“, platzt es aus ihr heraus. Während andere noch das Bild vergilbter Leinenhosen vor Augen sehen, fertigt sie asymmetrische Schnitte und künstlerische Druckmuster. „Nachhaltige Mode rennt keinen Trends hinterher.“, so Lena. Denn die korrekten Klamotten würden mit Langlebigkeit punkten. Ganz im Gegensatz zu der Haute Couture der übrigen Fashion Week. Lena hofft, dass die Ethical Fashion Show eine echte Alternative zu den anderen Events der Fashion Week wird. Derzeit sei sie nur eine Ergänzung.

Lena Grimm von Bleed
Lena Grimm von bleed

Diesen Ruf wird die grüne Modemesse zunächst beibehalten, denn wenige Besucher schlendern durch die breiten Gassen. Obwohl 168 Aussteller dort nachhaltige Kollektionen anpreisen: Der alte Postbahnhof wirkt erstaunlich leer. Auch andere Messen der Fashion Show zählten lange Zeit wenige Besucher. Bei den Lesungen ist mindestens jeder zweite Stuhl unbesetzt. Im Gegensatz zur sonstigen Fashion Week wird hier nachhaltig diskutiert – über Zertifikate, existenzsichernde Löhne oder Transparenz.

Vernetzter Zyklus

Auf Transparenz setzt auch die neue Kollektion DfC & JNJ. Sie entstand als Kooperation der Labels Design for Circularity und Jan ’n June. Das Besondere: QR-Codes auf den Washing Labels. Netter als ein Hilferuf… Kunden können diesen einscannen und sehen, wie oft die Kleidung recyclet wurde.

SLEAZE.ethical

Denn Upcycling wird hier großgeschrieben: Der Pulli auf dem Foto ist aus einem Jeansstoff gefertigt. Die Initiatorin der Kollektion, Ina Budde, posiert stilsicher neben ihm.

Für einen weiteren Pulli wurde sie selbst zur Chemikerin: Ina probierte zu Hause den Druckkochtopf aus und zauberte eine Mischung aus Natur- und Recyclingfasern „Das ist gar nicht so schwer.“, erzählt sie fröhlich. Eigentlich habe sie Sustainability in Fashion, keine Materialwissenschaften studiert. Die Klamotten können Kunden beispielsweise von der Kleiderei in Hamburg ausleihen. Dieses Geschäft spezialisierte sich auf den Verleih: Für einen Monatsbeitrag erhalten Kunden Zugriff zu allen Stücken. Die Textilien sollen im Kreislauf bleiben.

Weiche und kuschelige Stoffe

Neues Material ist das große Thema der grünen Messe in diesem Jahr: Noe fertigt Schuhe aus Ananasblättern, Noumenon Lederjacken aus Plastik oder Lovjoi Hosen aus Ramie. Letztgenanntes ist ein (süd-)ostasiatisches Gras, das sogar zur Deko des Lovjoi-Stands gehört. Die Produkte sind erstaunlich weich und nicht so empfindlich beim Waschen wie Leinen. Die anwesende Louisa Sanchez arbeitet in der Marketingabteilung. Sie posiert selbstbewusst in der olivfarbenen Kollektion. Diese würde im Sommer 2017 erscheinen.

Das "Quietschgrün" soll noch dunkler werden. Louisa Sanchez
Das „Quietschgrün“ soll noch dunkler werden. Louisa Sanchez

Das Label ist nicht nur ökologisch korrekt, auch Integration ist fester Bestandteil: Fünf von acht Mitarbeitern seien Geflüchtete. Die deutschen Arbeiter würden ihnen helfen, eine Wohnung zu finden und leichter den Aufenthaltsstatus zu erreichen. Für einen fuhren sie sogar nach Idomeni, da seine Familie dort lebe. Das Thema der Kollektion heißt dementsprechend Griechenland.

Egal, ob Integrations-, Fairtrade-, Transparenz- oder ökologische Themen: Die Messe der Ethical Fashion Week und des Greenshowrooms zeigte uns einige Alternativen zur Kleidung der Fashion Week. Damit die Jeans endlich nicht mehr einmal um den Äquator fliegt und sich deren Färbung zum Gesundheitsrisiko entwickelt.

Text & Fotos: Lisbeth

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