Strange Moosic: City Slang Sommerfest

Strange Moosic: City Slang Sommerfest

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Krise in der Musikindustrie, Lady Gaga im Radio, und der Untergang der westlichen Zivilisation steht kurz bevor? Vermutlich. Aber am Abend des 14. Juni war im Festsaal Kreuzberg davon nichts zu spüren. Kurz vor dem kalendarischen Sommeranfang zelebrierte das Berliner Alternative-Label City Slang das laue Wetter, die handgemachte Gitarrenmusik und, zu Recht, auch ein bisschen sich selbst. Mit vollem Erfolg: Schon um halb acht lauerte eine Rotte stylish angezogener Menschen aller Altersklassen mit Angst in den Augen vor den Toren, denn die Veranstaltung war komplett ausverkauft. Einmal drinnen (Gästeliste, Suckers!), gab es Grillwürste (auch vegetarische), Bier und eine fantastische Liveauftritte von City Slang-Bands, die daran erinnerten, dass es noch gute, echte Musik gibt, als wäre es 1992.

Den Auftakt machten „Waters“, das neu gegründete Bandprojekt des Ex-Port O’Brien-Sängers Van Pierszalowski. Nach dem Aus für die Indiefolker von Port O’Brien hat er in Oslo neue Bandmitglieder aufgetan und in kürzester Zeit das energetische, von Aufbruchsstimmung und Reiselust geprägte Album „Out In The Light“ aufgenommen, das am 09.09.’11 auf City Slang erscheinen wird. Zwar merkt man „Waters“ die folkigen Wurzeln noch an, wenn schöne Melodien zu sanft gezupften Akkorden erklingen, aber die an vielen Stellen  überbordenden Fuzz-Gitarren und die fast Grunge-mäßige Kraft der Band sind neu und extrem erfreulich. Das Alternative-Rad wird von „Waters“ nicht neu erfunden, aber die dynamische Performance dieser großartigen Musiker und die 100%ige Leidenschaft, die Pierszalowski als Sänger an den Tag legt, kann man nur als mitreißend beschreiben. Unbedingt mal live ansehen, wenn sich die Gelegenheit ergibt!

Unkonventioneller ging es bem Auftritt von „Wye Oak“ zu. Das Duo aus Baltimore entfaltet mit seiner spannenden Mischung aus Indiefolk, Dreampop und Psychedelic Rock eine unwiderstehliche Sogwirkung. Beeindruckend ist zudem, dass Andy Stack, die männliche Hälfte, ein Multitasker vor dem Herren ist: Mit den Füßen und der rechten Hand spielt er Drums, mit der linken Keyboard-Bässe, und dann singt der Mann auch noch Backing Vocals. Sängerin und Gitarristin Jenn Wasner hat eine großartige Stimme und spielt Gitarre, als ginge es um ihre Seele. Und auch wenn man mir eventuell sexistische Tendenzen wird vorwerfen können, so gebietet es doch die journalistische Sorgfaltspflicht, nicht zu verschweigen, dass es ein enorm betörender Anblick ist, wenn sie ihren nass geschwitzten Busen unters Mikro schiebt. Insgesamt ist mir schwindelig geworden von „Wye Oak“ – auf die gute Art!

Und die coolsten Säue des Abends standen ja nunmal von vornherein fest. Herman Dune (die ü-Punkte sind seit 2005 aus dem Bandnamen gestrichen, auch wenn sich einige Fans hartnäckig dieser Verknappung verweigern), Erfinder der politischen Ukulele (siehe Bild) und Champions des Lo-Fi-Antifolk, müssen eigentlich nur auf der Bühne stehen und rumgucken, da groovt es schon wie Hölle. Und dann machen die auch noch Musik! Dass so simple Gitarrenlinien so ein Kribbeln im Bauch verursachen können, grenzt an Hexerei. Ich bin fast aus den Latschen gekippt, als der stoppelbärtig-muffige Bassist plötzlich ohne mit der Wimper zu zucken die (auf den Aufnahmen von Frauen dargebotenen) Backing Vocals im klarsten Falsett sang. David-Ivar Herman Düne verzieht keine Miene, während er die lieblichsten, lustigsten und traurigsten Lieder der Welt zu den kleinen, perfekten Grooves seiner Band singt. Aber das Publikum grinst und tanzt den ganzen Auftritt durch wie bedröhnt. Unverzichtbare Band!

Und warum warst du nicht da? Ach so, du standest draußen und hast keine Karte mehr bekommen… Sahst aber gut aus dabei!

Zugegebenermaßen nicht objektiv:

Daniel S.

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