Stadionfeeling im Miniformat

Stadionfeeling im Miniformat

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Gestern gab es im Musik & Frieden in Berlin die Chance, sowohl Augen als auch Ohren von neuen Eindrücken betönen und betören zu lassen. Zu sehen und hören gab es beim DNA BLN #5 sogar fast genug.

SLEAZE war stolzer Medienpartner und hat sich das Spektakel aus der Nähe angeschaut. Vielfalt war auf jeden Fall geboten. Es gab für jeden etwas zu meckern! Aber auch zu bewundern! Besonders musikalisch war das fünfte DNA BLN sehr breit aufgestellt. Die Bands wechselten Schlag auf Schlag zwischen den beiden Bühnen, von blau zu schwarz und von Synthesizer zu Gitarre. Das Farbsprektum dazwischen hatte vor allem Jägermeister, jede MeSLEAZE.DNA BLN #5.Foto7nge Fotoautomaten und eine Mini-Galerie zu bieten.

Wie gewohnt ließen die Leute auf sich warten und so war man zu Beginn der Veranstaltung überrascht, wenn man jemandem über den Weg gelaufen ist. Nach dem üblichen „Wo kommen all die Leute her?“-Motto füllte sich dann aber nur eine Stunde später das Blaue Zimmer überraschend schnell, als Alice on the roof die mehr oder weniger beliebte Aufgabe hatten, den musikalischen Teil des Abends zu eröffnen. Ihr Sound ist allerdings melancholischer Elektro-Pop und so schafften sie es nicht wirklich, die Masse auf Anhieb mitzureißen. Sobald die Band in einem Raum aufhört zu spielen, startet die nächste im Nebenraum. So war es eher schwierig die musikalische Bandbreite von vorne bis hinten aufzuschnappen, nicht nur wegen der knapp bemessenen Übergänge, sondern auch aufgrund der Fülle. Sowohl im blauen als auch im schwarzen Zimmer waren so viele Leute, dass es dafür aber wirklich Spaß machte, in der Menge und vor allem mit der Musik mitzugehen.

Entsprechend groß war das Vergnügen aber auch, wenn die gesamte Masse versuchte, von einem in den anderen Raum zu wechseln. Es erinnerte ein wenig daran, wenn Schul- oder Uni-Schluss ist. Darüber konnte man aber dank des wirklich gut gestimmten Publikums hinwegsehen.
International waren auch nicht nur die Musik-Acts, sondern vor allem die Besucher. In jeder Ecke andere Sprachen und im Raum oben Kunst von anderen Kontinenten. Apropos, das hätte ich fast vergessen. Die Kunstausstellung ist sehr klein ausgefallen. Oben hingen knapp zehn Zeichnungen, Gemälde und Siebdrücke. Das hätte man bei der relativ großen „Art Gallery“ mehr nutzen können. Mit Kaufpreisen, die sich bis inSLEAZE.DNA BLN #5.Foto6 den vierstelligen Bereich hineinzogen, damit mehr etwas für Sammler oder Auf-den-ersten-Blick-Verliebte, jedenfalls nicht für den Durchschnitts-DNA-Gast. Ohne Frage lag der Schwerpunkt also bei Discover New MUSIC Artists.

Highlight des Abends war für mich der Auftritt von Lowrider Betty im Schwarzen Zimmer. Mit ihrem harten, aber trotzdem eingängig modernen Rock glich ihr Auftreten dem, wie man es von einer Stadionshow erwartet. Sänger Patrick, das personifizierte Selbstbewusstsein, kniete sich voll rein, forderte als Erster an diesem Abend das Publikum zum allseits beliebten Nachsingen, -summen und -kreischen auf. Das Ganze mündete mit einem Frontmann, der sich in der Menge auf dem Boden wälzte und T-Shirts ins Publikum warf. Was kaum auffiel war dabei auch die Action, die die Instrumentalisten der Band hinter ihm veranstalteten. Gitarrist Kasper spielte auf den Knien, auch die anderen drei gingen voll ab. Eine so leidenschaftliche Band sieht man selten auf so einer kleinen Bühne. Bedenken hatte ich dann nur für die nachfolgenden Bands – Wie soll das noch getoppt werden? Die Lösung ist einfach: Gar nicht, denn es muss nicht überboten werden. Schließlich haben die letzten beiden Bands sich komplett anders präsentiert und sind auch Genre-technisch einfach nicht zu vergleichen.

Musikalisch war das DNA BLN #5 also ein komplett runder Abend mit zartem Einstieg, stetiger Steigerung, einem knallartigen Höhepunkt und für mich perfekten Ausklang durch den Pop, Rock und Elektromix von Charlion und Losers. Auch wenn der Fokus bei der Musik lag, hätte man die andere Kunst etwas mehr und liebevoller präsentieren können. Aber vom ersten Ton bis zum Abgesang war das Musik & Frieden voll und die Bands ließen sich sowohl vor als auch nach ihren Auftritten an den Bars blicken, um sich bewundern zu lassen oder über ihre Lieder zu diskutieren. Wir wünschen uns auf jeden Fall ein DNA BLN #6 und die Chance, dass es wieder eins gibt, scheint zum Glück nicht allzu gering zu sein.

Maurin
Fotos von Thelise Stene Hansteen (www.thelisesh.com)

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