Der Southpaw-Soundtrack

Der Southpaw-Soundtrack

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OST-Southpaw-Cover

Wie man sich in der Vorstadthölle gegenüber Leidensgenossen behauptet, mit klischeeloser Hautfarbe Lines spittet und sich in der Gesellschaft hochboxt, kann man sich im viel gefeierten Film 8Mile anschauen. Jetzt hat es Rabbit better known as Eminem wieder das Boxen angetan.

Zwar steht die Hip-Hop-Legende im Boxerdrama Southpaw (zu Deutsch: Linkshänder, ab August in den deutschen Kinos, bald mehr dazu auf SLEAZE) nicht selbst vor der Kamera, hat aber dafür den kompletten Soundtrack zusammengeschraubt – und zwar mit dem rechten Händchen. Dabei lässt er es sich auch nicht nehmen, gleich viermal selbst hinter dem Mic zu stehen. Heute erscheint die Platte als Vorläufer zum Film.

Fangen wir mal beim Intro an, denn da hatte zunächst nicht Slim Shady, sondern einer der bekanntesten Filmkomponisten Hollywoods die Finger am Werk: James Horner, unter anderem ausgezeichnet für den Soundtrack von Titanic und Avatar, der hier Geigen und Trommeln zu einer kraftvollen, beinah einschüchternden Atmosphäre aufschwingen lässt und zu Eminems erstem Song überleitet.
Die folgende aggressive Mischung aus Raprock und Lines wie „Tryna secure your legacy like Shakur“ wirken bloß fast irgendwie ironisch, wenn man sich ein wenig in die Biografie des zehnfachen Oskar-Nominees James eingelesen hat. Die war nämlich nur wenige Tage vor Veröffentlichung des Films und Soundtracks in den USA bereits vorbei, als der begnadete Filmkomponist bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Während einem bei den bedächtigen Tönen des Intros also noch Melancholie eine Gänsehaut auf die Arme zaubert, bekommt man anschließend einen fünfminütigen Track nachgeliefert, dessen Aggressivität auch nicht durch die von Gwen Stefani gesungene Hook gemildert werden kann. Aber das soll das nasale Stimmchen der No-Doubt-Göre auch gar nicht. Denn bei den rauen Riffs und Punchlines braucht man nicht viel Fantasie, um sich einen Boxring vorzustellen, um den herum sich Schaulustige und Gaffer versammelt haben, um ihren Southpaw anzufeuern.
Da bekommt man beinah Lust, selbst wem eins auf die Schnauze zu geben, um ihn wissen zu lassen, was realer Niggershit ist (excusé political incorrectness – vergleiche Bad Meets Evil – RNS).
Die zweite Hälfte der Platte hat ein paar bereits bekannte Klänge im Gepäck und beginnt gleich mit einem Ausnahmetrack zum Rest der CD. Wicked Games vom kanadischen RnB-Künstler The Weeknd, der im Jahr 2013 schon ordentlich abräumen konnte, erinnert nicht mehr an Boxkämpfe und Feilchen, sondern an eine laue Sommernacht mit Herzschmerz mit heruntergelassenen Fenstern im Auto auf der Straße ins Nirgendwo. Mitten ins Nichts, mitten auf der Platte plötzlich fünfeinhalb Minuten Vakuum, während der man nicht mehr weiß, wo links und rechts ist.
In rasender Geschwindigkeit fahren dann Bad Meets Evil und Biggie Smalls die Platte wieder hoch, wobei sich Eminem aber mit dem Finaltrack die Schlussbotschaft nicht nehmen lässt.
Die Message à la Kämpfen, aufs Maul kriegen, wieder aufstehen kommt dabei aus dem Mund des Rap Gods auch wirklich weniger kitschig als gedacht. Man kauft’s ihm ab – schließlich ist er noch immer als Weißer im Hip Hop das, was ein Linkshänder im Ring.

Den Trailer zum Film gibt’s hier:

Laurie

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