Slipknot im Kino: Day of the Gusano

Slipknot im Kino: Day of the Gusano

Slipknot – diese neunköpfige Naturgewalt in Bandform habe ich live das erste und bisher einzige Mal am 15.11.2008 in Berlin erleben dürfen. Fast neun Jahre ist das jetzt her. Drei Monate, nachdem die vierte Platte „All Hope is gone“ das Licht der Welt erblickte und knapp 1½ Jahre, bevor Basser und Gründungsmitlied Paul Gray an einer Überdosis Morphium in Kombination mit Fentanyl einen klassischen Rockstartod starb. Nun kommt ein Film über das bandeigene Festival namens „Knotfest“ in die Kinos.

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SLEAZE + Slipknot
Die neun Gesichter eines Laufknotens.

Was die in Des Moines, Iowa, gegründete Kombo seit jeher ausmacht, sind vor allem deren individuellen Gesichtsmasken, die ungewöhnlich hohe Anzahl an Bandmitgliedern sowie die spektakulären Liveshows. Nicht selten hebt während einer Slipknot-Show beispielsweise das Schlagzeug von der Bühne ab und neigt sich auf einer drehbaren Plattform befestigt 90° nach vorn, während Joey Jordison (bzw. mittlerweile Jay Weinberg) ein Drumsolo zum Besten gibt, welches sich sehen und noch viel mehr hören lassen kann. So ges(ch)ehen zum Beispiel bei dem damaligen Konzert in der Arena Treptow. Und hätte ich mich vorher bei Machine Head in unzähligen Machine Head-Circle-Pits nicht so hart verausgabt, hätte ich das Schauspiel wahrscheinlich auch von Näherem betrachten können. Aber naja, beeindruckend war es allemal.

SLEAZE + Slipknot
So sieht höchstwahrscheinlich ein Schaf an Halloween aus, wenn es sich gleichzeitig als Widder und Steinbock verkleidet.
Wie alles begann…

Seit ihrer Gründung im Jahre 1995 gewannen Slipknot – trotz der vor allem zu Beginn harten und verstörenden Musik – stetig an Popularität und weltweit eine immer größere Anzahl an „Maggots“ (die Band bezeichnet ihre Fans selbst liebevoll als Maden). Wenn man von dem eigentlichen Debüt „Mate. Feed. Kill. Repeat.“ absieht, zählt die Diskografie der Laufknoten-Kombo mittlerweile ganze fünf Studioalben, mehrere Live- bzw. Video-Alben und ein Best Of.

Das Debütalbum von 1999 wird zu Recht als ein moderner Klassiker der harten Musik angesehen und wurde vom Metal Hammer-Magazin als „Bestes Debüt der letzten 25 Jahre“ geehrt. Die Veröffentlichung erreichte damals sehr schnell Doppel-Platin in den USA. Viele weitere SLIPKNOT-Veröffentlichungen mit Platin-Auszeichnungen sowohl in den USA als auch rund um den Globus folgten. Bis heute wurde die Band für zehnGrammy Awards nominiert (und gewann ihn 2006 für „Before I Forget“), darüber hinaus erhielt sie 13 Platin- und 44 Gold-Auszeichnungen auf der ganzen Welt. Die Band verkaufte bis zum heutigen Tage insgesamt rund 17 Millionen Alben.

Slipknots Fanbase ist dabei offensichtlich, auch nach über satten 20 Jahren Bandgeschichte, noch genau so unerschütterlich wie allgegenwärtig – das jüngste Studioalbum von 2014 „.5: The Gray Chapter“ platzierte sich in den Top 5 der Album-Charts in 19 Ländern, darunter auf Nr. 1 in den USA, Japan, Australien und Russland sowie auf Platz 2 in England, Deutschland und Österreich.

Dann ist man also Headliner der größten Musikevents unseres Planeten, spielt ausverkaufte Tourneen und hat Millionen Fans weltweit – das reicht einer Band wie Slipknot aber scheinbar nicht aus, um langsam mal einen Gang herunterzuschalten. Was ist also der nächste Schritt auf der Supergroup-Karriereleiter? Natürlich, ein eigenes Festival inkl. Band-eigenem Museum. Man will seinem Nachwuchs schließlich später erzählen können, dass man in seinen jungen Jahren – neben dem ganzen unnützen Musizieren – auch etwas Sinnvolles mit seiner Zeit angefangen hat.

Das Knotfest war geboren

Entworfen wurde es zu Beginn als eine „umfassende, unvergessliche dunkle Karneval-Erfahrung“ um „Slipknots apokalyptische Klangwelt selbst zu erleben“. Das alles garniert mit den dollsten optischen Effekten, Feuerschluckern und albtraumhafte Kreaturen, welche zeitgleich die Bühne unsicher machen, zusammengepackt in ein berauschendes und unvergessliches Wochenende voller Live-Musik. „Tief stapeln“ waren den Jungs bei der Planung wohl auch zwei Fremdworte.

Dann war es soweit: Am 17. August 2012 fand das erste Knotfest in Council Bluffs, Iowa auf dem Mid-America Motorplex statt. Neben den Hausherren selbst traten unter anderem auch Machine Head, Lamb of God und die Deftones auf (die Kombi könnte sich eigentlich auch mal in Deutschland sehen lassen). Aber weil ein Tag und ein Veranstaltungsort ja auch schnell langweilig wird, wurde das gesamte Fest am nächsten Tag im Amphitheater von Somerset, Wisconsin wiederholt. Mit ins Boot wurden dabei noch The Dillinger Escape Plan und Gojira geholt, welche die Veranstaltung endgültig akustisch veredelten.

Nachdem es 2013 pausierte, ging es 2014 dafür gleich mit zwei Ausgaben des Festivals weiter – eine Version fand sogar in der japanischen Stadt Chiba statt. Die amerikanische Fassung feierten Mitte Oktober 50.000 Slipknot-Fans in San Bernardino, Kalifornien. Bei der zweiten Austragung des Musikfestivals kopflinierten erneut die Iowaraner ihr eigenes Fest, neben Bands wie Korn, Bring me the Horizon, Papa Roach und Trivium.

SLEAZE + Slipknot
Eine große, nette Familie, von denen ich die Erzeuger gern mal sehen würde.
Day of the Gusano

Daraufhin bahnte sich nun eine kleine Sensation an. Das Jahr 2015 stand vor der Tür und das Knotfest sollte das erste Mal in der Hauptstadt Mexikos stattfinden. Das Besondere daran: Es würde nicht nur das erste Festival dieser Art bei den US-amerikanischen Nachbarn sein, sondern der erste Auftritt der Band überhaupt im Heimatland von Ponchos, Guacamole und Speedy Gonzales. Laut Sänger Corey Taylor hatten sie „schon oft darüber gesprochen, in Mexiko-Stadt zu spielen, wozu es aber nie kam bzw. sie bisher nie die Gelegenheit hatten.“ Die einzige bedeutende Stadt, in der sie sich noch nie hatten live blicken lassen. Das sollte sich nun ändern.

Am 05.12.2015 fand das Knotfest Mexiko statt. Und genau um diesen Auftritt dreht sich auch die 90-minütige Dokumentation „Day of the Gusano“. Unter der Regie von Slipknots Bandmitglied Shawn Crahan, in Kenner- und Zirkuskreisen auch als „Clown“ bekannt, zeigt der Film den allerersten Auftritt der Band in Mexiko. Im Gespräch darüber sagte Clown: „Slipknot hat noch Träume, die wir uns erfüllen möchten. Endlich in Mexiko zu spielen, war einer davon. Es war ein surreales Leben voller Rock ‘n‘ Roll und die Tatsache, dass die Träume für uns noch weitergehen, ist einfach unglaublich. Vielen Dank.“

Gitarrist Jim Root fügte daraufhin hinzu: „Wir hatten eine großartige Zeit beim KNOTFEST Mexiko… Nicht nur mit all den Freunden und Bands, die da waren, sondern auch mit den Fans und den Leuten, mit denen wir das dokumentiert haben. Nun werden wir es mit der ganzen Welt teilen.“
Neben akustischen und visuellen Konzertmitschnitten erhält man dabei Einblicke hinter die Kulissen der Veranstaltung sowie exklusive Interviews mit den Bandmitgliedern, bei welchen sie über das Knotfest, ihre Band selbst sowie insbesondere über die einzigartige Beziehung zur Madenbasis reden.

Weltweit nur an einem Tag zu sehen

Das wirklich Besondere bei dem Filmchen ist dabei, dass die 90-minütige Dokumentation nur an einem Tag in über 1000 Kinos weltweit zu sehen sein – am 6. September 2017 nämlich. Da wird die Generation „überall und jederzeit alles abrufbar“ aber richtig in die Röhre gucken.

Frei nach dem Motto: Willst du deinen Film interessant machen, dann begrenze die abrufbare Zeit dafür, und schon werden sich deine Fans aka beinlosen Larven auf die Karten stürzen, dass die Kasse vor Freude nur so Räder schlägt. Im Moment sieht s aber noch recht entspannt aus, was die Ticketvorbestellung angehen. Zumindest in Berlin. Hier strahlen allerdings auch allein zwölf Lichtspielhäuser den Streifen aus.

Aber auch sonst sind die deutschsprachigen Mitteleuropäer nicht gerade schlecht bei der Auswahl der weltweiten Kinos weggekommen, welche die Doku zeigen. Neben den üblichen Verdächtigen Hamburg, München & Co. wirst du auch in Ortschaften wie Rastatt, Gilching, Penzing, Nidda, Mettmann, Leuna, Künzelsau und Sulzbach am Taunus in den Genuss kommen können, der Neuner-Kombo Popcorn-schmausend beim Musizieren zuschauen. Wie, die Orte hast du noch nie gehört? Das sind doch ganz berühm… gut ich auch nicht. Aber daraus schlussfolgernd wird mit Sicherheit auch ein Saal zu finden sein, der sich in der Nähe der Straße befindet, die auf der Rückseite deines Personalausweises steht. Die genaue Auflistung findest du hier.

In Verbindung mit der Ankündigung des Films hat die Band außerdem noch eine Kampagne namens #AskSlipknot gestartet. Dabei wurden Fans aufgefordert, Fragen an die Band über Facebook und Twitter unter dem erwähnten Hashtag zu schicken, von denen die Laufknoten höchstpersönlich einige ausgewählt im Film beantworten werden.

Was ist nun also von „Day of the Gusano“ zu erwarten?

Der Trailer verspricht einiges. Die Mischung aus Bildern und Sound wird wahrscheinlich grandios die Festivalstimmung sowie das gesamte Konzert wiedergeben. Und wenn die Konzertmitschnitte, Hintergrundinformationen und Interviews mit den einzelnen Bandmitgliedern gut miteinander abgestimmt sind, wird es mit Sicherheit ein feines Stück Slipknot-Musikgeschichte zu sehen geben. Wir dürfen gespannt sein und eine wirklich gut-gemachte Musikdoku erwarten. Hoffen wir mal, das „Clown“ keinen Bockmist gebaut hat. 😉

Axel

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