SLEAZE PLATTEN

SLEAZE [+] PLATTEN

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Diese Woche gibt’s mal wieder ’ne Runde Sleaze [+] Platten. Dieses Mal mit den Arctic Monkeys, Placebo, Telonius und East Cameron Folkcore.

 

Indie Rock, Garage Rock Arctic-Monkeys-AM

Arctic Monkeys

AM

Label: Domino

VÖ: 09.09.2013

 

Klingt wie: eine gitarrenlastige Reise vom Stripclub zur Liebelei

 

„Who the fuck are Arctic Monkeys?“ fragt spätestens seit „When the sun goes down“ kein Musikliebhaber mehr. Die arktischen Affen waren fleißig im Studio und haben 2013 als das ehrwürdige Jahr erkoren, um ihren nächsten Langspieler namens „AM“ zu veröffentlichen.
Wer den ersten Track „Do I wanna know?“ schon zwischen die Finger bekommen hat weiß, dass die Beschreibung „sexy“ eine maßlose Untertreibung ist. Nachdem diese bis zum Rand mit Erotik gefüllten Klänge unsere kleinen Elfenohren durchdrungen hatten, war die Spannung unsererseits definitiv größer als bei einem Talentshowfinale. Kopfhörer auf und reingehört. Und wir müssen feststellen, dass das Warten sich gelohnt hat. Der typische Arctic Monkeys Sound ist auch auf „AM“ zu finden, aber man hört auch deutlich, dass die Halunken von der Insel sich weiterentwickelt haben.
Zu Beginn liegt noch sehr viel Erotik in der Luft, die langsam einer etwas verträumteren Stimmung weicht. Es lässt sich auf jeden Fall feststellen, dass diese LP nicht ganz so sehr nach vorne geht, wie man es von Alex, Nick, Matt und Jamie gewohnt ist, aber auch diese etwas seichtere Seite der Arctic Monkeys ist durchaus hörenswert. Also sattelt die Pferde und ab geht’s gen Plattenladen eures Vertrauens.

 

4 Sterne

 

Larissa

 

 

Rock, Alternative, Indie-Rock placebo-loud-like-love

Placebo

Loud Like Love

Label: Universal Music

VÖ: 13.09.2013

 

Klingt wie: Die Sex Pistols nur mit Gefühl

 

Neues von der Insel. Nachdem nun vier Jahre ins Land gegangen sind seit ihr letztes Album erschienen ist, melden sich die drei Jungs von Placebo aus London zurück.
Für „Loud Like Love“ bekamen sie alle Freiheit, die sie wollten und so ist es klar, dass das Album dem Stil der Gruppe treu geblieben ist. Sänger Brian Molko schrieb zehn Songs und fokussierte sich damit eher auf die Qualität als auf Quantität. Das bedeutet es gibt wieder Songs, die das Gefühl zu Tode betrübt zu sein vermitteln, wie beispielsweise „A Million Little Pieces“, aber auch Tracks die aufgeregter mit etwas mehr Schwung klingen wie „Rob The Bank“.
Inhaltlich geht es nach eigener Aussage nicht um die schönen Seiten der Liebe, sondern um die Anstrengung jemanden zu lieben und die Enttäuschung oder Ablehnung die darin stecken kann. Genauso fühlt es sich aber auch an das Album einmal komplett durchzuhören. Anstrengend. Wer auf dieser Platte nach Songs zum Mitsingen sucht, ähnlich wie „Ashtray heart“, der wird wahrscheinlich enttäuscht werden. Lediglich der Titelsong des Albums hat ein wenig Potenzial in diese Richtung. Der Rest sind entweder durch Klavier und Violinen untermalte schwermütige Lieder oder rockige E-Gitarren Songs mit dem typischen Molkogesang, der selbst mit einer solchen Begleitung noch sehr zurückhalten klingt. Meiner Meinung nach hätte es ruhig noch ein, zwei „actionreichere“ Tracks auf dem Album geben können, einfach um Abwechslung zu bieten und um zwischen den ganzen schweren Songs einmal Luftholen zu können.

 

2 ½ Sterne

 

Lucas

 

 

 

Indie-Folkrock ECF_ForSale_Cover

East Cameron Folkcore

For Sale

Label: Grand Hotel van Cleef

VÖ: 13.09.2013

Klingt wie: Diving for Sunken Treasure mit weniger Punk, The Gaslight Anthem mit weniger Rock, Mumford and Sons mit weniger Folk

Der neuste Zuwachs auf dem Label von Tomte-Mastermind Thees Uhlmann heißt East Cameron Folkcore. Sie haben in’s Grand Hotel van Cleef eingecheckt und statt sperriger Koffer und Taschen, lediglich ihr zweites Album im Gepäck.
Sperrig ist das Werk zwar auch ein wenig, aber dann doch leichter und zugänglicher als riesige Kofferberge.
Das gute Stück hört auf den Namen For Sale und ist durch das findige Wortspiel im Bandnamen äußerst treffend beschrieben. Die Wortschöpfung „Folkcore“ spielt sowohl auf Folklore, als auch auf das gern genutzte Genre-Anhängsel „-core“ an, wobei außer beim Hardcore, niemand so recht, weiß, was damit eigentlich genau gemeint ist.
In den meisten Fällen ist das auslegungssache und die Truppe aus Austin, TX hat das auf eine äußerst ansprechende Weise getan.
Die zehn (manchmal sogar mehr) Damen und Herren liefern typischen Folk, mit der genretypischen Mandoline und dem obligatorischen Banjo, gewürzt mit Indierock und  sogar etwas Punk. Es kommen aber auch Cello und einige Bläser zum Einsatz, was den Songs die nötige Tiefe verleiht.
Sie präsentieren uns eine spannende, musikalische Reise quer durch Amerika von der Küste („Sallie-Mae“) bis ins staubige Hinterland („Chasing the Devil“).
Mal geht es heiß her und der Fuß stampft unwillkürlich den Takt mit – wie bei gutem Punkrock eben – während man an anderer Stelle verträumt die Gedanken schweifen lassen und abschalten kann.
Die Mischung macht’s und da weder die nötige Härte, noch Gitarrensolos, sowie andererseits beschwingte Melodien und Texte über Aufruhr, Protest und den bösen Kapitalismus (ohne diese Themen, kein ordentliches Folk-Album – ist doch klar)  fehlen, haben East Cameron Folkcore genau ins Schwarze und auch den (musikalischen) Zeitgeist getroffen.

4 Sterne

 

Fred

 

Electronic / Dance / House Telonius_InterFace_s. Cover

Telonius

InterFace

Label: Gomma

VÖ: 02.09.2013

 

Klingt wie: Runway-Finale bei GNTM, hab schon zu Schlechterem mitgewippt, Club mit Cocktailpreisen um die 18,50 €, Kitsuné

 

„Is` was Elektronisches“. Von der schwurbelfreien Beschreibung eines geschätzten Kollegen getriggert, wird sich also umgehend in Telonius` InterFace reingehört. Eher reingegroovt, is` ja schließlich was Elektronisches. Da hat der schlaubischlumpfige Kollege schon recht. In diesem Fall ist „was Elektronisches“ einfach mal als Synonym für das Debütalbum des Gomma-Label-Mitgründers Jonas Imbery zu verstehen.
Nachdem er als Telonius bereits sechs EPs veröffentlicht hat, entschied sich der Klangspieler nun also für seinen ersten Langspieler. Und da stecken dann auch so ziemlich alle musikalischen Einflüsse drin, die dem Münchner wichtig zu sein scheinen: Disko, Funk, Soul, No Wave, House. Entstanden ist ein zehntrackiger Longplayer, der zuweilen auch ein dreckiger ist.
Dreckiger Funk nämlich.
Die einen verstehen Dreck ja gern mal als Lob. Sollen sie halt. Tatsächlich ist lobend zu erwähnen, dass InterFace nicht nach beliebigem Insel-Club-Schlonz klingt. Dank einiger, teilweise an Artist Unknown oder Tiga erinnernden Samples zumindest nicht durchgängig. Damit hat Imbery aka Telonius, der Beliebigkeit und Uninspiriertheit unbedingt zu vermeiden suchte, zumindest ein Teilziel erreicht. Ein weiteres war, wie er in einem Interview gegenüber Noisey verriet, ein Album entstehen zu lassen, das man „anspielen und cool durchlaufen lassen könne“. Tests haben ergeben: geht! Kann man anspielen und auch durchlaufen lassen. Cool hingegen ist ja ein sehr weites Feld. Wie „elektronisch“ im Übrigen auch.

 

2 Sterne (und ein Knicklicht)

 

Anne

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