SLEAZE Platten

SLEAZE [+] Platten

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Eine neue Woche, eine neue Runde SLEAZE [+] Platten. Diesmal sind Rah Rah, Franz Ferdinand, Hjaltalin und Alligatoah dabei.

 

Rah Rah cover_grossPower-Pop / Alternative

Rah Rah
The Poet`s Dead
Label: DevilDuck Records
VÖ: 23.08.2013

 

Klingt wie: Mitklatschen, Lenkradtrommeln und Ampelsingen, Kate Bush (amüsierwillig), bezaubernde (chromosomale) XX-Rotzigkeit, Lust for Life, (klingt, sieht aber nicht aus wie:)Vollbart ohne ekelige Reste, The Decemberists,

Die Reginas / Reginasen / Reginetten– oder wie auch immer die Hauptstadtbewohner der kanadischen Provinz Saskatchewa genannt werden! Als wären sie mit national bedingtem Eishockey-Gen und A-Horn(sirup) sowie einer lokalen Attraktion (im Guinness-Buch der Rekorde aufgeführten längsten Brücke über die kleinste Wassermenge) nicht ohnehin schon Gewinner, schicken sie auch noch Rah Rah ins Rennen. Rah Rah-Rennen. Lustig. Aber auch gleich wieder Schluss damit. Gute Laune darf bei The Poet`s Dead trotzdem bleiben.
Das dritte Album der Kanadier garantiert dieser nämlich einen Ehrenplatz – wenn auch keinen Sitzplatz. Da würde sie bei Indie-Pop- Rah Rah-keten wie „Art and a Wife“ oder „Prairie Girl“ ohnehin nicht hocken bleiben. Da will sie tanzen, die gute Laune. Und damit das auch so bleibt, zünden die sechs Überflieger, die unlängst zur „Best New Canadian Band“ gekürt wurden, bei Konzerten angeblich gern mal eine Konfetti-Kanone und werfen Bonbons ins Publikum – wirste jeck!
Als wäre ihr harmonischer, multiinstrumentalisierter, knackiger Power-Pop nicht schon Kamelle genug. Bei uns sogar noch mehr: nachdem The Poet`s Dead in den USA und Kanada bereits Ende 2012 erschien, ist es nun auch hierzulande erhältlich –und zwar mit zwei Bonustracks. Sag mal noch mal einer, Zeitverschiebung wäre doof!

3,7 Powerpop Sternchen

Anne

 

Cover Franz FerdinandAlternative / Indie-Rock

Franz Ferdinand
Right Thoughts, Right Words, Right Action
Label: Domino
VÖ: 23.08.2013

Klingt wie: Kaiser Chiefs, Muse

Lange hat es gedauert, nun lüften die Schotten von Franz Ferdinand erneut ihren Rock und kehren mit einem neuen Werk zurück. Vier Jahre ohne Album ist schon eine lange Zeit. Zugegeben, einige Male fragte ich mich schon, was eigentlich Alex Kapranos und seine drei Mitstreiter so treiben. Gefehlt haben sie aber nie wirklich und ein sehnsüchtiges Warten auf neue Songs bestand meinerseits auch zu keinem Zeitpunkt.
Die ersten Klänge von Right Thougts, Right Words, Right Action machen jedoch deutlich, dass unbewusst doch etwas gefehlt haben könnte. Alle zehn Songs des Albums sind eingängig und in ihrer Gesamtheit rund und stimmig. Lebensfreude, Kreativität und Spielfreude sind Begriffe, die die Band mit ihren bisherigen Alben und auch mit dem neuen Werk verbreiten.
Mit einem Kracher á la „Take Me Out“ kann Right Thoughts, Right Words, Right Action jedoch nicht aufwarten. Nach Bandaussage sei der aktuelle Langspieler frei von jeglicher Erwartungshaltung. Es sei mehr „The Intellect vs. The Soul, played out by some dumb band”, so Sänger Alex Kapranos.
Wer Franz Ferdinand damals mochte, wird auch an der neuen Platte Gefallen finden. Schön, dass ihr wieder da seid Jungs!

3 ½  Sterne

Stefan

 

Hjaltalin - Enter 4Indie Pop

Hjaltalin
Enter 4
Label: Sena
VÖ: 23.08.2013
Klingt wie: nichts anderes, aber wirklich gut!

Freunde des gepflegten Musikgeschmacks. Ihr habt das Gefühl, dass die Produktion von guter Musik heutzutage so selten ist wie ein 16 Jähriges Mädchen, das keine Air Max an den Füßen hat? Da liegt ihr wahrscheinlich richtig, aber genau aus diesem Grund ist es dann umso erfreulicher, wenn man doch auf musikalische Meisterleistungen stößt. In diesen Genuss sind wir diese Woche gekommen, als wir die Ehre hatten uns von Hjaltalins neuem Album Enter 4 beschallen zu lassen. Drei lange Jahre haben sie die Welt warten lassen und in diesem Falle bestätigt sich das Sprichtwort „Was lange währt, wird endlich gut“. Enter 4 ist mittlerweile schon das dritte Album der Isländer und ihre einzigartige Mischung aus Kammer-Pop, Indie Rock und Broken Beats ist nach wie vor bezeichnend. Die Scheibe sprüht vor Originalität. Kein Track hört sich an wie der andere und schon gar nicht wie die musikalischen Bestrebungen eines anderen Künstlers. „Wunderschöne Vocals gepaart mit richtig guter Musik“ wäre wahrscheinlich eine akkurate Beschreibung des Albums. Eine der herausragenden Eigenschaften des Albums ist der Zauber, welchen man zwischen Sängerin SigirourThorlacius und Sänger HögniEgilsson spürt. Einzeln sind die Stimmen der beiden schon bezaubernd, wenn sie sich dann aber die Ehre geben und miteinander singen hat man das Gefühl, dass man von weißen Täubchen auf direktem Wege zum Himmelstor befördert wird. Enter 4 ist ein wahres Meisterwerk und mehr als Hintergrundmusik. Das Ganze lässt sich zwar Genremäßig nicht wirklich einordnen, aber was sind schon Genres? Durch Ausflüge in verschiedenen Musikstile werden unterschiedliche Stimmungen suggeriert. Und obwohl der Langspieler abwechslungsreich ist, gibt es eine Konstante und das ist die Schönheit der Platte.

5 Sterne

Larissa

 

aligatoahDeutschrap, Hip Hop

Alligatoah
Triebwerke
Label: Trailerpark
VÖ: 02.08.2013

Klingt wie: 257ers, Trailerpark

Ist das noch Rap, oder nicht? Völlig egal, weil es gute Musik ist.
Alligatoah heißt der gute Mann, der mit seinem dritten Album schnurstracks auf Platz 1 der Albumcharts zusteuerte und es sich dort gemütlich machte. Da mittlerweile gefühlt alle zehn Minuten ein deutscher Rapper auf die 1 geht, mögen das Einige unter euch als nichts Besonderes abtun. Aber wer hat bei Cros letzter Single gesagt: „Verdient!“ und wer hört sich allen ernstes das postpubertäre Gelalle der beiden aufgepumpten Solarium(g/b)änger, über Drogen und Ficken auf Albumlänge an? Diese Themen behandelt Alligatoah zwar auch, hat aber dafür bereits ein Ventil bei den Jungs von Trailerpark gefunden.
So erzählt er in jedem Song kleine Geschichten aus dem Leben, ins unermessliche überspitzt und satirisch aufbereitet und dennoch, oder wahrscheinlich genau deswegen, direkt auf den Punkt gebracht.
Die gesamte Produktion kommt frisch daher und die Beats sind eigentlich gar keine richtigen Beats. Das sind kleine Musikstücke, in denen alles zwischen Synthesizern, Harfen, E-Gitarren und eine Orgel zum Einsatz kommt.
Apropos Orgel, der Dreiteiler „Münchhausen“, den Manche eher als Interlude oder Lückenfüller sehen, wird durch ein großartiges Orgel-Thema aufgewertet und steckt genauso voller Wortwitz und Augenzwinkerei, wie der Rest der Scheibe.
Man fragt sich stellenweise , bei der ganzen Augenzwinkerei, ob der Herr Alligatoh beim Aufnehmen, überhaupt noch das Textblatt richtig gesehen hat. Dazu produziert er Ohrwürmer am laufenden Band und man bekommt jede zweite Hook nicht mehr aus dem Kopf.
Ob das also jetzt Hip Hop, Rap, Volksmusik, oder irgendwas mit Pop ist, ändert rein gar nichts an der Tatsache, dass der junge Mann ein grandioses musikalisches Talent besitzt und dieses auch einzusetzen weiß. Hut ab.

5 Sterne

Fred

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