SLEAZE Platten

SLEAZE [+] Platten

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Nach Sommerloch-bedingter Pause melden wir uns wieder mit einer neuen Runde SLEAZE [+] Platten zurück und diesmal sind Tythe, John Mayer, Travis und The Stanfields mit dabei.

Electronic, Experimental House
THYTE
& also with you

Label: Sunday Best
VÖ: 16.08.2013

Klingt wie: ein sonniger Tag auf dem Fahrrad gepaart mit Paul Kalkbrenner und ganz viel Experimentalität

Freunde, lasst alles stehen und liegen! Thythe nimmt uns mit auf eine Reise. Wohin die Reise geht? Das kann man gar nicht so genau sagen, aber es ist auf jeden Fall schön da! Jetzt mal ohne Flachs. Die neue LP von Thythe (ihr kennt den Herren vielleicht als Fear of Theydon) klingt wie ein Ausflug, aber der Ort ist nicht so wirklich definierbar. Teilweise fühlt es sich an, als würde man an einem sonnigen Spätnachmittag im Park den Klängen der Natur lauschen und im nächsten Moment befinden wir uns im Club und schwofen herum. Die Platte lässt sich von ihrer Vielfalt her irgendwo zwischen Traumreise und Schneckno anordnen. Schneckno? Für alle von euch, die gerade auf dem Schlauch stehen: Schneckno = Schnecke + Techno, den Rest könnt ihr euch selbst erschließen. Das Album ist in jedem Fall experimentell, aber nicht experimentell im Sinne von „ich kann damit nicht wirklich was anfangen und find’s deswegen experimentell“, sondern viel mehr interessant experimentell. Vocals von verschiedenen Sängern tragen dazu bei, dass jeder Track erfrischend anders klingt. Und bis auf die Naturklänge, die irgendwie in jedem Track zu finden sind, gibt es auch keine sich wiederholenden Muster. Julian Peck (so heißt der junge Mann nämlich auf dem Papier) hat da was echt Aufregendes produziert. Unvorhersehbar. Das trifft es wahrscheinlich. Und sehr bildlich ist das Ganze. Die Klänge der verschiedenen Tracks suggerieren eine Art Tagtraum, eine bestimmte Situation, die sich in euren Köpfen kreiert. Ein weiteres Attribut, das wirklich feierlich ist, ist die Tatsache, dass die LP durchaus als Hintergrundmusik zum Chillen verwendet werden kann, aber die Tracks sind eben auch tanzbar. Also DIE Rettung für alle, die sich nicht zwischen Chill-Out und ab-auf-den-Tanzflur entscheiden können.

4 Sterne
Larissa

Singer/Songwriter, Acoustic Folk-Rock-Blues-Pop
John Mayer
Paradise Valley

Sony Music
VÖ: 17.08.

Klingt wie: David Ryan Harris,

Das John Mayer eine Schwäche für das Romantische hat, ist allgemein bekannt. Über seine Liebe zum Blues hingegen sind sich viele allerdings nicht im Klaren. Gut, man muss zugeben, die hat er auch immer wieder erfolgreich mit zuckersüßem Pop kaschieren und überspielen können.
Auf seinem neusten Werk tritt diese Affinität wieder etwas aus dem Schatten und wird gekonnt in die Songs verwoben, wenn auch nur dezent.
Auf Paradise Valley geht es etwas rustikaler zu und der Hörer wird mitgenommen auf eine Reise durch den amerikanischen Süden. Allerdings nicht im Planwagen und mit Übernachten unter freiem Himmel am Lagerfeuer, sondern eher im klimatisierten und komfortblen Reisebus.
Es ist alles recht glatt und er sülzt auch weiterhin vor sich hin, wie man das seit „Your Body Is A Wonderland‟ erfolgreich verdrängt hatte. Nichtsdestotrotz kann man sich das alles erstaunlich gut anhören.
Er ist eben ein erstklassiger Songwriter und hat das nötige Gespür für Melodien. Dazu kommt noch, dass er die Gitarre ganz vorzüglich bedienen kann. Es müssen nicht immer die großen Gesten sein, die ausschweifenden Soli und der reine Rock. Man kann auch Popsongs machen und diese mit feiner Gitarrenarbeit anreichern. John Mayer hat das auf seinem neusten Machwerk ganz wunderbar geschafft, denn seine Phrasierung ist tadellos und er drängt die sechs Saiten an keiner Stelle in den Vordergrund, da die Klampfe nur hintergründig und als Ergänzung zum gesamten Klangbild eingesetzt wird.

4 Sterne
Fred

Britpop
Travis
Where You Stand

Label: Red Telephone Box
VÖ: 16.08.2013

Klingt wie: Starsailor, Athlete

Gefühlt existieren Travis schon eine halbe Ewigkeit und drei Tage. Die letzte Veröffentlichung der sympathischen Schotten liegt mittlerweile aber schon stolze fünf Jahre zurück. Zwischenzeitlich haben die Jungs Familienvater gespielt und auch das ein oder andere Soloalbum hervorgebracht. Mit Where You Stand melden sie sich nun zurück.
Im Refrain des Eröffnungsongs „Mother“ stellen die vier Jungs eine berechtigte Frage, die sich viele von uns bestimmt auch schon stellten: „Why did we wait so long?“ Wir wissen es nicht.Where You Stand bietet Travissound in seiner reinsten Form. Die Melodien sind eingängig und präzise. Für das Album arbeiteten die Schotten mit dem schwedischen Produzenten Michael Hilbert zusammen, der schon bei Musikgrößen wie The Hives und The Cardigans seine Finger im Spiel hatte. Mit ihrem aktuellen Langspieler machen Travis nicht wirklich neue und verrückte Dinge – müssen sie aber auch nicht. Travis sind nun mal Travis: sonnig, träumerisch und sehr melodisch. Abwechslung ist dem Zuhörer dennoch geboten. So kann der Song „Another Guy“ mit viel Rhythmus aufwarten, während „Reminder“ sehr auf Melodien setzt und, etwas travisuntypisch, schon eher zum tanzbaren Liedgut gehört.
Alle elf Songs der neuen Platten besitzen ein potentielles Erfolgsgen und fügen sich zu einem harmonischen Gesamtpaket zusammen. Einzige Anmerkung meinerseits: bis zum nächsten Album bitte keine fünf Jahre vergehen lassen.

3 ½ Sterne
Stefan

Rock/Hard Rock
The Stanfields
Death & Taxes

Label: GroundSwell Music
VÖ: 16.08.2013

Klingt wie: Chad Kroeger zusammen mit einfachen Lagerfeuerliedakkorden

The Stanfields sind fünf Kerle aus der Arbeiterschicht Kanadas, die seit 2008 erfolgreich Musik machen. Ihre Herkunft hört man auch in ihren Songs. Das neue Album Death & Taxes kommt mit 10 Tracks und ist ihr zweites Album. Die Soundpalette, die sie auf dieser Platte bieten, geht von langsamen Songs mit ¾ Takt und Akustikgitarre bis zum Feierlied mit E-Gitarren, das ordentlich nach vorne geht. Dazwischen findet sich ein Titel in einem fetzigen Countryrock-Stil, den man mögen kann oder halt auch nicht. Man könnte sagen, dass sie sich in ein paar Songs, wie zum Beispiel „Mrs. McGrath“ wie Flogging Molly, nur ohne den irischen Part anhören und fühlen. Das Lied „Invisible Hands“ erinnert ein bisschen an die Foo Fighters und ihren Song „Walk“. Trotz dieser Spannweite hört man aber doch immer noch den eigenen Stil der Jungs raus, der ein wenig rau klingt, aber weich und warm wirkt, wie eine verrauchte Whiskeystimme. Ihr Sound ist einfach authentisch und damit passen sie wunderbar in die Stammkneipe, in die man, zum Entspannen mit den Kumpels, geht. Wer auf diese rockige Feierabendmucke steht, wird viel Gefallen an The Stanfields finden.

3½ Sterne
Lucas

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