SLEAZE Platten

SLEAZE [+] Platten

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Nachdem wir letzte Woche mal pausiert haben gibt es diesen Freitag an gewohnter Stelle eine neue Runde SLEAZE [+] Platten. Diesmal sind Neosignal, Kölsch, Editors und Big Black Delta mit von der Partie.

Electronica, Experimental Drum’n’BassSLEAZE [+] Platten

Neosignal
Raum und Zeit
Label: Division Recordings
VÖ: 24.06.2013.

Klingt wie: Kraftwerk featuring Boys Noize featuring Daft Punk

Neosignal verpacken auf ihrem Debutalbum Drum’n’Bass so, dass man gar nicht merkt, dass es welcher ist – weil es irgendwie auch keiner ist. Das mag jetzt vielleicht etwas verwirrend klingen, aber Phace (Florian Harres) und Misanthrop (Michael Bräuninger) wussten ganz genau, was sie da tun, als sie sich zusammenschlossen um ihren ganz eigenen Neo-digitalen Krautrock zu entwickeln.
Sie verbinden analoge Sounds mit elektronischer Präzision, hübsche Gesangsparts mit kalten Computerstimmen und schöne Melodien mit harten Breaks und Drops. Als wären sie sich während der Albumproduktion nicht einig geworden, wohin die Reise eigentlich gehen soll, verwursteln sie wild drauf los, was ihnen so in die Finger kommt und klingen dennoch sehr zielstrebig und abgeklärt.
Man fühlt sich an Justice erinnert, an die früheren Daft Punk, muss manchmal sogar an Skrillex denken (zum Glück nur ganz kurz), hört aber auch Kraftwerk durchschimmern und ganz entfernt sogar ein wenig Can. Der Sound ist dabei sehr vom Bass dominiert, der aber immer noch genug Platz für ausgefeiltes Songwriting lässt. Manchmal hat das Ganze etwas 8Bit Charakter und man kann noch so viel mehr raushören. Nichtsdestotrotz ist Raum und Zeit ein wunderbar homogenes Album, dass auf den Tanzflächen vermutlich besser, als im Wohnzimmer funktionieren wird … wobei man da genauso gut tanzen kann.

4 Sterne

Fred/SLEAZE

 

 

TechnoSLEAZE [+] Platten

Kölsch
1977
Label: Kompakt Records
VÖ: 24.06.2013
Klingt wie: Paul Kalkbrenner – voll auf Häagen Dazs

Gute Nachrichten aus Dänemark: Rune Reilly Kölsch bringt seine Tracks der letzten paar Jahre auf einem Album zusammen und packt gleich fünf brandneue Titel obendrauf: “Bappedekkel”, “Basshund”, “Eiswinter”, “Wasserschutz” und “Felix” fügen sich nahtlos in eine LP ein, die mehr als nur ein Best-Of sein will.
Rune macht Techno, der einen nicht anschreit, sondern verleiten will. Die Bässe wummern ruhig neben schönen, verträumten Synthesizer-Melodien – alles wirkt in sich stimmig und geerdet. Es ist Album um im Sommer am See mit seinen Freunden zu chillen und dabei grinsend übers Wasser zu blicken.
Genauso gut funktioniert es aber auch, wenn man es durch eine Clubanlage jagt. Deshalb wage ich es, das Album mit dem Gefühl von “Berlin Calling” zu vergleichen. Mit ein bisschen mehr Werbung und einem dicken Vertirbe im Nacken könnte Kölsch diesen kommerziellen Erfolg auch ohne Frage haben. Das weiß der gute Däne auch, schließlich produziert er nebenbei für Shakira und Kollegen. Bis jetzt hat es sich der genügsame Kölsch in der Techno-Szene eher bequem gemacht. “Der Alte” und “Loreley”, sowie sein Set in der Panorama Bar in Berlin haben ihn hierzulande schon zumindest in der Szene berühmt gemacht. Ob ihm diese Nische auch in Zukunft reicht?
Entspannte Musik mit dem Groove zum Tanzen – verlieben kann man sich darin. Wenn ihr jemals in eurer örtlichen Tanzlokalität Kölsch nicht nur auf der Getränkekarte, sondern auch auf dem Lineup seht, geht hin! Das Album empfehle ich euch für die Heim-Anlage gleich mit!

4 ½ Sterne

Christophe/Gastautor

 

 

Alternative / Indie-RockSLEAZE [+] Platten

Editors
The Weight Of Your Love

Label: Play It Again Sam
VÖ: 28.06.2013

Klingt wie: Altherrenrock – 40 % Depeche Mode, 30 % Bruce Springsteen, 15% Bon Jovi, der klingen will wie jemand, der was kann, 15 % Hoffnung

Aller guten Dinge sind drei. Das scheint sich auch Gitarrist Chris Urbanowicz gedacht zu haben, der die Editors verließ, weil er den neuen Sound nicht mittragen konnte, den die Band mit dem nunmehr vierten Album anschlägt. Obwohl der Sound selbst gar nicht wirklich neu ist. Hat man alles schon mal gehört. Bisher nur glücklicherweise nicht von den Editors. Zuletzt präsentierte die Band um Sänger Tom Smith ein düsteres, sehr elektronisches Album mit Synthesizerklängen in XXL. An dieses musste man sich vielleicht ran- und reinhören, hat sich aber gelohnt. Anders nun bei The Weight of Love, mit dem die Band zumindest in der Instrumentalisierung zu ihren Rockursprüngen zurückkehrt. Dies allerdings derart glatt und hymnisch, dass Mitklatschen, einbeiniges Mitstampfen und Mitsingen unbedingt gewollt scheinen. Funktioniert ja auch – aber will Fan das? Von den Editors? Spätestens beim Schmierstreicher „What Is This Thing Called Love“ gilt es, sich zu entscheiden:
Feuerzeug raus und mitschwenken oder gehen und auf das nächste Album hoffen –
und darauf, dass sich Tom Smith in den Stadien nicht die Stimme ruiniert.
Um die wäre es nämlich wirklich schade!

2 Sterne

Anne/SLEAZE

 

 

Electro/Pop/RockSLEAZE [+] Platten

Big Black Delta
Big Black Delta

Label: Motor Music
VÖ: 28.06.2013

Klingt wie: On An On meets Zombie Nation

Es gibt Musiker, die einen doch noch überraschen können. So der ehemalige Frontman des Trios Mellowdrone, Jonathan Bates. Nach Trennung der Band stellte dieser sich die Frage, ob er überhaupt so der Bandtyp ist, schwebte ein bisschen durch Jobs und Musik bis ihn sein Kumpel, Alessandro Cortini (früher Nine Inch Nails) auf die Idee brachte doch mal ein bisschen mit elektronischen Sounds zu experimentieren. Dabei entstand Bates erstes Album als Big Black Delta mit dem Titel – haltet euch fest – Big Black Delta, das ab jetzt in den Plattenregalen zu finden ist.
Und ganz entgegen dem smoothen Mellowdrone-Sound erwarten die geneigten Hörer mit dem ersten Lauschen düstere Klänge, harsches elektronisches Füllrauschen, verzerrte Stimmen und eine Menge gut vergrabener Indie-Unterbau. Für den ersten Versuch keine allzu schlechte Mischung. Ein bisschen Bass fehlt, am furzartigen Computer-Rauschen hätte etwas mehr gespart werden können – deutscher Dunkelrock lässt grüßen. Hört man jedoch tiefer rein, sind es Songs wie „Side Of The Road“ oder das groovige „Money Rain Down“, die Bates Mellowdrone-Vergangenheit durchschimmern lassen und mit Abstand die besseren und ehrlicheren Songs sind.
Man sollte sich nicht zu weit von dem entfernen, was man gut kann und vor allem hätte man dieses Album unter absolut keinen Umständen mit einem Track wie „Put The Gun On The Floor“ eröffnen sollen. Beinahe hätte es mich verjagt. Ansonsten ganz gefällig, angenehm abwechslungsreich und irgendwie groovy.

3 Sterne

Kirsten/SLEAZE

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