Skater XL: Verloren in Tony Hawks Schatten

Skater XL: Verloren in Tony Hawks Schatten

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SLEAZE + Skater XL
Stylin im Sonnenuntergang…

Mit Skater XL erscheint dieser Tage ein Remake von Tony Hawks Pro Skater 1 und 2 – und damit ein an die moderne Technik angepasstes Stück Videospielgeschichte. Wer nicht weiß, wer Tony Hawk ist: Es ist der Skater-Guru schlechthin, so wie Shaun White fürs Snowboarden. Äh, wie, du weißt nicht, wer Shaun White ist? NEIN! Das hat nichts mit Rassismus und / oder Shaun das Schaf zu tun!

Wie auch immer…

Um die Jahrtausendwende erreichte nicht nur das virtuelle Skaten mit zahlreichen Ablegern der Reihe rund um ihren weltbekannten Namenspatron ihren vorläufigen Höhepunkt. Auch das übergeordnete Trendsport-Genre sollte mit Verwandten wie dem knalligen Jet Set Radio, der bunten Snowboardhatz SSX oder dem Jetski-Racer Splashdown seinen bisherigen Zenit erreichen.

Womöglich steht uns mit den Neuauflagen der Skater-Ikone der Anfang einer Renaissance des Genres ins Haus, zumal darüber hinaus auch Electronic Arts eine Wiederbelebung seiner simulationslastigeren Skate-Reihe plant und die „Skateboarding Sim”-Session bereits in einer noch nicht finalen Fassung veröffentlicht wurde.

Wir haben uns mit Skater XL einem weiteren neuen Skateboard-Spiel angenommen, das anders als Tonys rasanter Kombo-Exzess das realistische Aneinanderreihen von Flips, Grinds & Co. in den Fokus rückt.

XL ist das neue XtraLight

Und so verwundert es zunächst nicht, dass der Titel der kalifornischen Easy Day Studios längst nicht an die zurückgelehnte Lässigkeit der großen Tony Hawk-Reihe herankommt, die sich in der jüngeren Vergangenheit mit Fehlschlägen à la Ride oder dem offiziell fünften Teil kräftig mit dem Schaufeln ihres eigenen Grabs beschäftigte.

Skater XL mutet an wie der etwas dröge und unterkühlte Bruder, was an sich zunächst kein Problem darstellt. Als Gesamtwerk funktioniert das Spiel – das sich immerhin mehr als anderthalb Jahre in einer Early Access-Phase befand – für mich aber nur bedingt, was vor allem an seiner Ziellosigkeit und Inhaltsleere liegt.

Insgesamt warten fünf offizielle sowie drei von der Community erstellte Maps darauf, von lernwilligen Spielern erskatet zu werden. Von nun an bist du fast auf dich allein gestellt, denn die einzigen von den Entwicklern angebotenen Aufgaben sind eine Reihe an Herausforderungen, die dir lediglich das erfolgreiche Landen eines Tricks oder einer Bewegung abfordern.

Zwar kannst du mit Hilfe eines Videotools ganze Lines aufzeichnen, die du mit deinem wahlweise männlichen oder weiblichen in einem oberflächlichen Baukasten zusammengestellten Charakter absolviert hast. Zusätzlich gibt es die vier offiziellen Profis Evan Smith, Tom Asta, Brandon Westgate und Tiago Lemos.

Dieser an sich nette Regiemodus offenbart aber nur ein weiteres Grundproblem: Denn Skater XL fehlt die Community. Es gibt weder einen lokalen noch globalen Mehrspielermodus, der Spieler unmittelbar miteinander verbinden würde. Auch besteht keine direkte Möglichkeit, seine selbst erstellten Videoinhalte in einer Art Ingame-Plattform oder ähnlichem anderen zur Verfügung zu stellen. Und so ist das Spiel auch ein unheimlich isolierendes, einsames Erlebnis in einer Welt, die von Gemeinschaft lebt.

Mit Tony Hawk’s Pro Skater 3 sammelte ich damals auf der PlayStation 2 meine ersten intensiven Onlineerfahrungen, als Sonys Konsole 2003 auch in Europa online ging.

SLEAZE + Skater XL
Beton-Surfen…

Selbst eine noch heute bestehende Freundschaft resultierte aus der gemeinsamen Suche nach der immer größer werdenden Kombo und dem stets entspannten Herumcruisen auf dem Brett samt seiner spaßigen, illustren Spielmodi. Das Internet zeigte sich vor Zeiten von Social-Media-Hysterie und der heute teils verbissen-toxischen Wettkampfmentalität überwiegend von seiner friedlichsten und verbindenden Seite. Skater XL schottet sich leider komplett ab.

Verpasste Chancen

Dabei schlummert in der eher auf Simulation ausgelegten Spielmechanik in Verbindung mit dem Videomodus ungeheures Potenzial. Tricks und Manöver führst du hier nicht per einfachem Tastendruck oder anhand einer simplen Tastenkombination aus.

Im Zentrum des Spielgeschehens steht die Kontrolle über beide Füße der Spielfigur durch die Analogsticks des Controllers. Sie sind Dreh- und Angelpunkt des gemächlichen Geschehens und münden je nach Richtung, Timing und Zusammenspiel mit anderen Tasten zu verschiedenen Bewegungen, woraus sich ein grundsätzlich komplexes Werkzeug der virtuellen Skate-Erfahrung ergibt. Diese Verschachtelung der Kontrolle führt bei ausreichender Geduld wiederum zu einer angenehm erklimmbaren Lernkurve, die ihrerseits aber mit den Problemen der inhaltlichen Magerkur und den fehlenden Multiplayer-Möglichkeiten zu kämpfen hat.

Die Freude des Meisterns findet abgesehen von der ausgeführten Kür oder dem Absolvieren einer damit verbundenen Herausforderung keinen spielerischen Widerhall und lässt sich mit anderen Spielern nicht teilen.

So zeigt sich Skater XL eher als konzeptionelle Demo denn vollständiges Spiel, zumal auch die insgesamt acht sehr überschaubaren Level kaum Erkundungsreize ausstoßen oder zu interessanten Kombo-Experimenten einladen. Eigene Maps kannst du nicht erstellen. Der zweckmäßige, lizenzierte Soundtrack erinnert mit seiner alternativen Rock- und Poprichtung zuweilen zwar an Glanzzeiten der Tony Hawk’s Pro Skater-Ära, reicht an deren Wiedererkennbarkeit aber nicht heran und leidet zusätzlich an einer sich ständig wiederholenden Liedabfolge.

Die dürftige grafische Umsetzung mit ihren kargen und unbelebten Umgebungen sowie den puppenartigen, toten Charakteren, die bei nicht immer gelungener Kollisionabfrage trocken vom Brett fallen, verfestigt den Eindruck, es hier mit einem unfertigen Spiel zu tun zu haben.

SLEAZE + Skater XL
Der Traum von Fliegen ist auch bei Skat-Er und -Sie groß.

Mehr spielerische Inhalte jenseits des Steuerungskonzepts und vor allem eine verbindende Community-Einbindung hätten Skater XL womöglich zu einem weitaus motivierenderen Schwergewicht des Genres machen können. In dieser Form bleibt nur ein magerer Soloritt für einsame Stunden. Schade.

Alex

Titel: Skater XL
Entwickler / Publisher: Easy Day Studios
VÖ: bereits erhältlich
Plattform: PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch, PC (Microsoft Windows)
*Skater XL wurde auf einer Standard-PS4 getestet.

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