Sinnloses aus Ägypten

Sinnloses aus Ägypten

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Die Sterne meinten es nicht gut mit ihm. Diesem Film. Gods of Egypt. Schon im Vorfeld sah er sich mit dem Vorwurf des Whitewashing konfrontiert, also der ethnisch unpassenden Besetzung seiner Figuren, kurz: Rassismus. Ob es sich um einen rassistischen Film handelt? Gewiss. Weniger allerdings um einen ethisch inkorrekt gecasteten, denn es ist ein als Blockbuster konzipierter Schinken, dessen Merkmal es eben auch ist, besonders angesagte oder wenigstens bekannte Gesichter zu besetzen und, oftmals, zu verheizen. Natürlich ist diese Einschienigkeit deshalb noch längst nicht mehr gutzuheißen. Der Rassismus grassiert allerdings auf qualitativer Ebene, weist er doch alles potenziell Gute, das in seinem Kosmos integriert werden könnte, rigoros aus. Diese Götter Ägyptens sind nichts weiter als sandalentragende Lachnummern, die eher an dunkelste Kapitel des omnipräsenten Superheldenhypes denn an faszinierender Einbindung eines mythologischen Kultes erinnern.SLEAZE.godsofegypt2

Der in Ägypten geborene Regisseur Alex Proyas (Dark City, I, Robot) hat es in Zusammenarbeit mit seinen Autoren geschafft, einen Film über das unangenehme Gefühl des sich Ausgesetztseins in die Kinos zu bringen. Ausgesetzt ist man hier über zwei Stunden einem dysfunktionalem Bilderbogen, der sich aus Klischees, dümmlicher Penetranz und schlichter Belanglosigkeit zusammensetzt. Die Geschichte um den Dieb Bek, der in den Machtkampf der Götter Horus und Set gerät, ist nicht erzählenswert. Diese ausgelatschte Stilsandale versucht sich aus dramaturgischen Flickfäden zusammenzuhalten, die bei jedem Gehversuch auseinanderflüchten: Auf den Putsch des Gottes Set folgt Sklaverei als umständeveränderndes Setup, das in ein auslösendes, persönliches Ereignis mündet, darauf die gezwungene Verbannung ins Exil, Abenteuer im Exil, Witzversuche im Exil und irgendwann die Vollendung der Aufstiegsgeschichte mit vorausgehendem Endkampfmotiv auf dem höchsten Punkt des Reiches. Das hat King Kong bereits 1933 etabliert. Genau, in jenem Jahr der nationalsozialistischen Machtergreifung.

Die Klischeekarawane irrt dabei durch Ägyptens Wüste, ohne jemals auch nur ansatzweise Erlösung zu finden. Mitunter trifft sie auf bemitleidenswerte Gestalten wie gravierende Fehler, die entweder der Konvention entspringen: Besonders einprägsam sind verstaubte Kampfmuster, die ihrer eigenen Logik nicht folgen (können), denn sie besitzen keine. Darunter der Umstand, seinen Todfeind entweder am Leben zu quasseln oder die vorher durchexerzierten letalen Eigenschaften seiner Waffe nicht zu nutzen. Tod und Leben ist in diesem Film ohnehin von unbedeutendem Wert, denn durch die mythologische, aber nie sinn- und trostspendene Einbindung des Totenreichs verkommt diese Dringlichkeit zur Nichtigkeit. Manchmal aber keimt der Fehlersame aber auch in der Augen-Zu-Mentalität der Macher selbst. Da sieht man dann schonmal die Reflektion des Scheinwerfers, der doch nur romantisches Sonnenlicht erzeugen wollte, auf dem Kopfschmuck eines weiblichen Augenfangs. Die Sonne befindet sich in dieser Konstellation übrigens hinter (!) der Figur. Bei klarem Verstand auch die Frage, ob Ägyptens herrschender Gott nicht Abwehrmaßnahmen für so etwas wie Umsturzversuche trifft (Wo sind die Wachen?). Oder man mag sich in einer Mischung aus Angestrengung und Beleidung fragen, warum die versklavte Hauptfigur so einfach ihrem ,,Dienst“ entwischen kann. Oder…

Hinter den durch die Ereignisse stolpernden Figuren stecken laut Credits Autoren. Demnach Matt Sazama und Burk Sharpless, die sich schon mit Dracula Untold und The Last Witch Hunter in fragwürdiges Terrain begaben. Unsicherheit mag sich in Gods of Egypt vor allem hinsichtlich der Frage einschleichen, ob wirklich ein menschliches Wesen oder nicht doch ein CharacterGenerator diese Fleischschablonen zu verantworten hat. Denn schon die eigentliche Hauptfigur des Bek ist völlig unbrauchbar. Nicht nur ist er stets im penetranten Versuch ständiger Lustigkeit, sondern ist auch dermaßen empathiebefreit sich und seiner Umwelt gegenüber, dass die These gewagt werden muss, ob es sich nicht eigentlich um einen abenteuerlustigen, egoistischen Psychopathen handelt. Dem Australier Brenton Thwaites mag man dabei demhingehend einen Vorwurf machen, als dass er sich offenbar wunderbar mit seinem Bek arrangiert, ohne auch nur einen fernen, darstellerischen Hoffnungsfunken zu zünden oder wenigstens das kleinste Zucken als Zeichen eines Dagegenhaltens gegen diesen lethargischen Drehbuchwahnsinn. Er ist dabei allerdings umringt von internationaler Bekanntschaft, wie Nikolaj Coster-Waldau, Gerard Butler und Geoffrey Rush, die allesamt durchgehend verheizt und zu charmelosen Karikaturen degradiert werden. Dabei vermochte doch gerade Geoffrey als Captain Barbossa in Fluch der Karibik zeigen, dass sich Blockbusterkino und darstellerischer Ausdruck nicht per se auszuschließen haben, wobei erwähnt werden sollte, dass sich das moderne Blockbusterkino im Laufe vergangener Jahre noch einmal stark gewandelt hat. SLEAZE.godsofegypt1

Selbst Regisseur Alex Proyas weiß nichts mit dem Stoff anzufangen. Seine visuelle Umsetzung ist eine hektische und von dauerndem Lärm begleitete Zumutung, die nie auch nur das schüchterne Fragment einer visuellen Idee widerspiegelt. Kamerafahrten durch entsetzlich künstlich aussehende CGI-Landschaften in einem Setting, das an Photoshopmissbrauchte Hochglanzbilder erinnert und somit steril, langweilig und ganz einfach nicht glaubhaft daherkommt. Eine Immersion ins Geschehen verbietet die visuelle Umsetzung geradezu, indem schließlich auch der 3D-Effekt nicht nur ins Leere läuft, sondern sich als Störfaktor wegen seines Spielzeugeffektes herausstellt. Die immanente Sterilität hat stets den Charme einer drittklassigen Duschwerbung, wenn etwa auch äußerlich keinerlei Anstrengung und Strapaze den Figuren anzusehen ist. Die Kampfsequenzen werfen, ganz modern, wiederkehrend Zeitlupeneffekte ins Geschehen, ohne auch nur einmal so etwas wie Wirkung zu erzielen. Das Credo des an Mehr nicht sattwerdenden Spektakels wird hier gnadenlos auf Kosten der Zuschauer durchgezogen. Das erinnert dann auch zuweilen an die zum Teil unzumutbaren Superheldenspektakel moderner Zeiten, was allerspätestens für jeden in den Transformationen der Götter in ihre Tierformen ersichtlich wird, deren Rüstungen Assoziationen an einen gewissen Iron Man hervorrufen. Der ständige Lärm von Marco Beltramis Filmmusik ist nicht minder nervenbetäubend, doch könnte man ihm, wohlwollender Stimmung vorausgesetzt, angesichts des Gesamtwerks eine gewisse Konsequenz unterstellen.

Das Götterspektakel ist letztlich nichts weiter als eine Nullnummer, wie sie bedeutungsloser nicht sein könnte. Es hat keinen Charme, keine Eigenheiten, keine wirkliche Idee. Der mythologische Hintergrund ist eher Ballast denn wirksames Element, da er das Scheitern des Films nur offenkundiger macht und in dieser dilettantischen Handhabung selbst zum Grund dramaturgischer und inszenatorischer Fehltritte wird. Dieser Husarenritt der Albernheit ist eine einzige Zumutung und mag bitte schnell ins ägyptische Totenreich überführt werden. Hinfort mit diesem Schund, Osiris!

Alex Warren

 

Titel: Gods of Egypt
Regie: Alex Proyas
Dauer: 127 Min.
VÖ: 21.04.2016 (dt. Kinostart)
Verleih: Concorde Filmverleih

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