Sinatra At The Disco

Sinatra At The Disco

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Eigentlich sind Panic! At The Disco keine Band mehr. Denn die Gruppe besteht nur noch aus ihrem Frontmann. So kurz und knapp ist es auch im Booklet des neuen Albums „Death Of A Bachelor“ vermerkt: „Panic! At The Disco is: Brendon Urie“.

Seit ihrer Gründung scheinen die US-Amerikaner das Lied „10 Little Injuns“ ein wenig zu ernst zu nehmen und so wurden aus zwischenzeitlich vier Mitgliedern eins. Bassist Dallon Weekes bleibt der Band aber als Tour-Musiker erhalten. Trotzdem hat Brendon sich nicht dafür entschieden, den Namen zu ändern, einfach weil er nicht will. Es fühlt sich für ihn richtig an und schließlich ist das auch nur ein Satz. So erklärt er es, doch verkauft sich ein Panic! At The Disco-Album wahrscheinlich besser als eine Solo-Platte von Brendon Urie. Denn schon bei den beiden letzten Alben hat hauptsächlich Brendon die Songs geschrieben. Als charismatischer Frontmann war er auch das einzig bekannte Gesicht der Band. So macht es wahrscheinlich gar keinen großen Unterschied, wie viele Musiker sich hinter Brendon und seine Lieder stellen.SLEAZE.Panic!11

Bereits der erste Song „Victorious“ vereint alles, was einen Panic! At The Disco-Song ausmacht. Eine Menge mitreißende Energie, Gitarrenrock – der aber gar nicht typisch Gitarre klingt – und Brendons außergewöhnliche Stimme. Sie ist kraftvoll, oft tief und vor allem einzigartig. Gesanglich orientiert sich der Multi-Instrumentalist ohne Zweifel an Freddie Mercury und betont auch oft, wie wichtig ihm Performance sei. Diese Darbietung kann man einfach hören. Man stellt sich vor, wie er in schwarzem Anzug und Krawatte über die Theater-Bühne stolziert und seinen Zylinder nur abnimmt, um ihn auf seinem Gehstock mit silbernem Knauf zu balancieren. Der Titelsong „Death Of A Bachelor“ beginnt als stilvolle Swing-Nummer, ohne Sinatra zu sehr zu imitieren, doch schon nach kurzer Zeit geht diese Klasse verloren durch elektronische Einflüsse. Meistens beherrschen Panic! At The Disco dieses Experimentieren mit Klängen. So werden oft Streicher und Synthesizer eingesetzt, doch in diesem Fall ist es nicht gelungen. Der Abschluss der Platte ist dagegen eindeutig eine Hommage an Frank Sinatra. Eine stilvolle Ballade, in der Brendon aber ein bisschen zu sehr seinem Vorbild nacheifert. Seine Stimme klingt zu angestrengt tief.

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Hallelujah! Das Cover der ersten Single-Auskopplung.

Der Großteil des Albums ist aber der bekannte Edel-Pop-Rock, der Panic! At The Disco von allen anderen unterscheidet. Ein einzigartiger Gitarrenklang und viel Klavier. Relativ neu sind nur elektronische Beats und die souligen Parts. Seine Liebe zur Swing- und Jazz-Musik konnte Brendon auf dieser Platte voll ausleben und lässt sie wie fast immer stilvoll mit Alternative-Rock-Melodien verschmelzen.

Seit ihrem größten Hit „I Write Sins Not Tragedies“ und dem dazugehörigen Debütalbum sind elf Jahre vergangen und keines der Platten war diesem so ähnlich wie „Death Of A Bachelor“. Das zweite Album schlug eine vollkommen andere Richtung ein und war in den Charts das erfolgreichste. So langsam kehrt Brendon nun aber wieder zum Ursprung zurück und möchte vielleicht an die Erfolge der Debüt-Single anknüpfen. Verübeln kann man es ihm nicht, da dieser weniger rockige, stilvolle Genre-Mix seine unvergleichliche Stimme in den Vordergrund stellt und seine vielleicht größte Stärke so noch mehr betont.

Maurin

Interpret: Panic! At The Disco
Album: Death Of A Bachelor
VÖ: 15.01.2016
Label: Warner Music

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