She told you she was trouble

She told you she was trouble

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Das Licht geht aus und auf der großen Leinwand erscheint ein Homevideo. Es ist der Geburtstag von Lauren. Sie filmt ihre Freundinnen Juliette und Amy, die vor der Kamera rumalbern. Dann singen sie ihr ein Ständchen. Plötzlich überrascht ihre Freundin Amy mit einer rauen Jazzstimme und verwandelt ein einfaches Happy Birthday in ein kleines musikalisches Kunstwerk. Dann geht der Geburtstag einfach weiter. Das alles wirkt so normal. Das aufregende und tragische Leben von Amy Winehouse wirkt so weit weg und beinahe unwirklich.SLEAZE.AMY.2

Diese junge Amy hat so wenig mit dem medienpräsenten Star zu tun, der später betrunkenen auf Streichholzbeinen durch London torkelt. Obwohl die Situation mehr tragisch als lustig war, stürzten sich die Medien auf sie und machten sie zum Gespött. Vergessen wurde ihr Talent. Als Amy dann am 23. Juni 2011 an einer Alkoholvergiftung starb, war das Geschrei groß und die Welt betroffen. Vier Jahre nach ihrem Tod kommt nun die Doku „AMY“ in die Kinos. Der Regisseur Asif Kapadia hat sich daran gemacht, ihre Geschichte zu erzählen und dabei nie den Menschen hinter der Medienfigur Amy Winehouse aus den Augen zu verlieren. Dass er dafür das gewisse Fingerspitzengefühl besitzt, hat er bereits mit seiner Doku „Senna“ über den Formel-1-Fahrer Ayrton Senna sehr erfolgreich unter Beweis gestellt. Auch wenn man kein Fan von ihrer Musik war, lässt einen das Schicksal von Amy nicht los. Durch die vielen privaten Aufnahmen bekommt man das Gefühl, ihr sehr nahe zu sein und ihren Weg in die Sucht hautnah mitzuerleben. Man will sie einfach nur schütteln, nachdem sie den ersten Entzug verweigert. Oder sie von ihrem Vater fernhalten und sie ihrem späteren Ehemann Blake Fielder-Civil aus dem Arm reißen. Denn die ganze Tragik liegt in der Liebe, die Amy für ihren Vater und Blake empfand und wie sie nur für Ruhm und Drogen missbraucht wurde.

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Die Verzweiflung der Freunde ist zu hören wenn sie über Amy sprechen. Der Fokus liegt hier ganz klar auf den Stimmen. Die dazugehörigen Gesichter werden nicht gezeigt und so bekommen die Worte viel mehr Gewicht. Natürlich steht auch Amys einzigartige Stimme im Vordergrund, denn durch die wurde sie berühmt. Trotzdem war es Asif besonders wichtig, auch Amys Fähigkeiten als Songschreiberin hervorzuheben. Ihre Lieder bilden die Grundlage des Films, doch sind es die Texte selbst, die Amys Geschichte erzählen. Mit diesem Film ist es Asif gelungen, Amy ein Denkmal zu setzten, ohne sie auf einen Sockel zu stellen. Es geht ihm nicht um eine Schwarz-Weiß-Darstellung und so bekommt der Zuschauer eine Amy mit ihren schönsten und ihren hässlichsten Seiten zu sehen. Hier wird nicht auf die Tränendrüsen gedrückt, sondern erschreckend ehrlich und aufwühlend Amys Aufstieg und Fall gezeigt. Mit anderen Menschen an ihrer Seite hätte Amys Leben eine andere Wendung nehmen können, das ist nicht nur die Quintessenz des Films, sondern auch die des tragischen und viel zu kurzen Lebens der Amy Winehouse.

Mareike

 

Titel: AMY

Regie: Asif Kapadia

VÖ: 16. Juli 2015

Dauer: 127 Minuten

Verleih: PROKINO

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