Shadow: Atemberaubendes, zähes Machtgeplänkel

Shadow: Atemberaubendes, zähes Machtgeplänkel

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Anflüge von Langatmigkeit allein sind noch kein Problem. Tatsächlich kann eine gewisse Schwere in der Länge eines Films im Nachhinein sogar zu seiner Wirkung beitragen. Trifft das spürbare Gewicht von Zeit allerdings auf Desinteresse, steht es meistens schlecht um den Streifen.

SLEAZE + Shadow
Der Weg zur Macht ist zäh

So ähnlich erging es mir mit dem historischen Machtgeplänkel Shadow von Zhang Yimou, der im Westen u.a. für Martial-Arts-Filme wie Hero und House of Flying Daggers bekannt ist. Wir haben seinen neuen Titel kürzlich auf der Deutschlandpremiere im Rahmen des Fantasy Filmfest gesehen, welches wir als Medienpartner unterstützen.

Shadow erzählt die Geschichte eines Machtkampfes zwischen zwei rivalisierenden Königreichen. Die Verhältnisse über die Herrschaft einer Stadt scheinen offiziell geklärt zu sein, doch am unterlegenen Hof braut sich über den Kopf des ansässigen, nicht gerade regierungshungrigen Machthabers ein Komplott zusammen. Und so formieren sich die Spielfiguren allmählich auf dem Spielbrett für eine Partie um die Zukunft des Reiches.

Ein Film wie ein Tanz im Schatten

Zhangs Machtspiel ist eine atemberaubend schöne wie zähe Filmpartie. Wann immer der chinesische Filmemacher die Macht der Bilder und des Tons im Kampf entfesselt, scheint die Zeit in in seinem grauen, ständig verregneten Historiensetting stillzustehen.

Fette Regentropfen tanzen gemeinsam mit ihren aufgewühlten Akteuren einen blutigen Tanz in Zeitlupe, der sich auch vor besonders erinnerungswürdigen Choreographien nicht scheut. Spätestens wenn scharfe Speere mit Wucht auf metallene Schirme treffen, tritt Shadow aus seinem Schattendasein hervor.

SLEAZE + Shadow
Im Kampf erblüht der Film

Die Duelle und Schlachtsequenzen sind nicht nur aus der Zeit, sondern gewissermaßen auch aus dem ansonsten recht konservativen Film gefallen, der seine Figuren lange anordnet, um sie schließlich gegeneinander auszuspielen.

In diesen Wendungen knistert es gewaltig. Es sind aber keine elektrisierenden Spannungsimpulse, sondern knarzende Räder in einem erzählerischen Konstrukt, das zu offensichtlich versucht, zu überraschen.

Wendungsreiche Leere

Hierin verpufft die Wirkung jener Twists fast vollständig. Es gibt gar Momente, in denen Richtungswechsel kurz aufeinander folgen und innerhalb derer Machtverhältnisse massiv vorbereitet oder verschoben werden. Und doch reichte es nicht einmal für ein Schulterzucken, weil dich der Film offenkundig an der Nase durch die gut ausgeleuchtete Manege seiner Geschichte führt.

Der Thrill doppelter Erzählebenen bleibt hier nicht im Verborgenen oder Nebligen, zumal die Auflösung ebenfalls nur Erwartbares liefert. War klar, dass sowas passiert, dachte ich mir.

Problematisch hieran ist sicher auch die emotionale Distanz zu den Charakteren. Sie sind einerseits mit alibihaften Motivationen ausgestattet, anderseits aber nur schattige Schemen in einem blassen Machtspiel.

SLEAZE + Shadow
Ästhetik pur!

Im Grunde hat es mich nicht interessiert, wer mit wem oder wie das Zepter der Macht in die Hand bekommt. Dieser Umstand in Verbindung mit seiner braven Erwartungserfüllung macht Shadow zu einem erzählerisch dickflüssigen Historienfilm, der berauschende Befreiungsschläge nur im Kampf findet.

Alex

Titel: Shadow
Kinostart: noch ohne deutschen Kinostart
Dauer: 116 Minuten
Genre: Action, Drama, Krieg
Produktionsland: China, Hongkong
Filmverleih: Constantin Film

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