Sex pos(t)en

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Junge (körperliche) Liebe

Mit Bang Gang legt Eva Husson ihren ersten Langspielfilm vor. Und in diesem versucht sich die junge französische Regisseurin an einem der schwierigsten Genres überhaupt: dem jugendlichen Sexfilm, einem Film, der Heranwachsende so zeigt, wie sie wirklich leben – einschließlich von Partys, Drogen und Sex. Die Formel hierfür scheint einfach zu sein: Lass die Kids krasse Sachen machen (für die sie u.U. zu jung wirken) plus viel nackte Haut. Kids von Larry Clarke lässt grüßen. Bevor die Moralwächter jetzt aber auf die Barrikaden springen, sollte vielleicht zunächst mal erwähnt werden, dass die jung wirkenden und durchaus hübsch anzuschauenden Schauspieler alle über 18 sind. Gewissensbiss-freier DVD-Genuss ist so möglich – als ob das irgendjemanden interessieren würde. 😉 Übrigens ist die erste Nacktszene auch eine männliche, aber später geht‘s dann auch oft in die andere Richtung.

Was ist aber Bang Gang konkret? Naja, große Überraschung: Es geht um Gang Bangs, also Gruppensex-Partys, die Jugendliche in einem Haus veranstalten, das sie für sich haben. Es ist ihre eigene Welt und dort leben sie ihre Freiheit, ihren Hedonismus und ihre jungen Körper voll aus. So weit, so gut. Bleiben die Gefühle dabei auf der Strecke? Das zeigt der Film durchaus differenziert. Klar werden auch manchmal Leute verletzt, aber so einfach macht es uns Eva nicht und im echten Leben ist es ja auch so.

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Selfie-Time!

Auf einer leicht anderen Ebene versucht der Film ein Portrait zu sein der Generation… – ja, wie soll man das jetzt nennen? Sagen wir mal Generation Facebook, Generation Selfie, Generation Porno! Wie das? Nun, im Bild sind immer wieder eben Facebook- und Social-Media-Seiten zu sehen, die Jugendlichen benutzen intensiv Smart Phones, schauen Pornos, stalken Leute online und filmen sich gegenseitig beim Sex. Logisch, hier soll die heutige Zeit naturalistisch in den Film geholt werden. Zugrunde liegen hier wohl Lust an Narzissmus (Selfies!) und Voyeurismus (anderen beim Sex zuschauen). Aber auch das kommt differenziert rüber. Wenn einer der Jungs seine gegenwärtige Partnerin beim Sex filmt und das nachher (immerhin privat) postet, ist sie nicht etwa geschockt, sondern schaut sich ihr eigenes Video später mit einem Lächeln auf den Lippen zuhause nochmal an – süß! Und auch die Gruppensex-Geschichte wird letztlich nuanciert erzählt, so meint z.B. eine Figur mal ganz trocken: Ich steh nicht so auf Gruppen.

Was ganz Neues?

Im Prinzip ist der Film auch nicht anders als frühere gute Filme über „die Jugend“, wie etwa der in die Jahre gekommene La Boum die waren eben damals nur noch ein bisschen braver. Hormone, Liebe, jemanden abschleppen & Spaß haben. Daran ist nichts verkehrt. Gerade die Liebesszenen am Anfang sind dabei wirklich ganz gut gemacht, knisternd-spannend und immer um die Frage kreisend: Läuft da was? Und auch für das Generationen-Portrait findet der Film durchaus innovative Lösungen. Echt gelacht habe ich z.B. bei den öfter vorkommenden Szenen, wenn die Jugendlichen ihre Handys checken und keine Nachrichten bekommen haben – da ist die Enttäuschung groß.

Auf der ästhetischen Ebene reiht sich der Film in den gelungenen europäischen Arthouse-Stil der letzten Jahre ein: Eine lockere Handkamera schaut sich das Geschehen an, die Party-Szenen wirken glaubhaft, die jungen Schauspieler werden toll geführt von der Regisseurin. Der Elektro-Soundtrack kann auch durchaus überzeugen.

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Das jüngste Gericht

Am Ende bleibt ein recht authentischer Film über eine Gruppe Jugendlicher. Besonders gefühlskalt kommen die nicht rüber, auch wenn der Umgang bisweilen ziemlich direkt ist. Das ist alles voll aus dem Leben gegriffen und gezeigt wird beispielsweise auch der mögliche Kater in den Tagen nach dem Sex, wenn der Partner doch nicht so Bock auf einen hat. Auf die Art ist der Film angenehm ausgeglichen. Klar: Das Ganze geht einem auch mal nahe: Handy checken beim Blowjob und Porno-Filme Einstellung für Einstellung nachspielen und dabei filmen – das ist auch harter Tobak. Völlig anonym ist das Ganze aber nicht unter den Kids. Trotzdem empfand ich persönlich auch das Ende als ganz entspannend, denn hier wird‘s zur Abwechslung mal ein bisschen romantisch – aber das ist vielleicht Geschmacksfrage. Ansonsten gilt wie immer: Macht, was euch antörnt!

Robert

Titel: Bang Gang – Die Geschichte einer Jugend ohne Tabus
Regie: Eva Husson
Laufzeit: 102 Min.
VÖ: 15.07.2016 (DVD, Blu-Ray, VoD)
Verleih: Pierrot Le Fou

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