Sex, Drugs & Janis rockt weiter

Sex, Drugs & Janis rockt weiter

TEILEN
UNSPECIFIED - CIRCA 1970: Photo of Janis Joplin Photo by Michael Ochs Archives/Getty Images

©fantality corp yellow sin copyVorstellen muss man sie wohl kaum. Doch die meisten kennen nur Janis Joplins‘ Namen und wissen vielleicht noch, dass auch sie mit 27 Jahren gestorben ist und eine außergewöhnliche Sängerin war. Es gibt viele Dokumentationen, Biographien und sogar Lieder hat sie inspiriert. So singt Don McLean in American Pie über Janis: “I met a girl who sang the blues, and I asked her for some happy news / But she just smiled and turned away.

Durch den Film Janis – Little Girl Blue habe ich das Gefühl zu wissen, wie gut diese Zeilen sie beschreiben. Regisseurin Amy Berg hat sich vor allem auf den Menschen Janis bezogen und nur wenig auf die Musikerin. Als Quellen nutzt sie ausschließlich Dinge, die sich direkt auf die Sängerin beziehen. Dazu gehören Gespräche mit Familienmitgliedern und ehemaligen Bandkollegen, engsten Freunden und Briefe, die sie selbst an ihre Eltern oder Freunde geschickt hat. Das heißt, hier tauchen keine wilden Spekulationen oder seltsamen Gerüchte auf und es kommen keine fremden Biographen oder Musikexperten zu Wort. Damit ist der Film wirklich nur auf ihren Charakter und ihre persönliche Beziehung zur Musik reduziert. Aufgebaut ist er chronologisch, jedoch mit dem Schwerpunkt auf ihre 20er und damit ihre letzten Lebensjahre. Die letzte Szene dreht sich um ihren Tod und kommt so plötzlich, wie es in echt vermutlich auch war. So gibt es auch keine Zusammenfassung ihres Erfolges oder ihre Nachwirkung auf die heutige Musikwelt. Im Abspann kommen allerdings noch einige aktuell erfolgreiche Musiker und Schauspieler zu Wort. Eine wirklich berührende Anekdote wird von John Lennon erzählt, also auf jeden Fall bis zum Schluss sitzen bleiben.

SLEAZE.Janis1Das Bild, das man am Ende von Janis hat, setzt sich zusammen aus den Ansichten der Befragten und der Stimme, die Chan Marshall, auch bekannt als Cat Power, ihr gibt. Man hat das Gefühl, sie war eigentlich nie wirklich glücklich, hatte wenig Selbstbewusstsein und konnte nur mit der Musik ihre Gefühle ausdrücken. Eine romantische Vorstellung, dass eine der besten Stimmen der Rockgeschichte ausgerechnet durch die Musik überhaupt den Mut hatte zu leben. Doch weiß man natürlich nicht, wie verzerrt dieses Bild ist, da nur wenige negative Charaktereigenschaften von Janis genannt werden, wahrscheinlich auch, da diese mit der Zeit eher verblassen als die schönen Dinge. Dafür werden Originalaufnahmen gezeigt, die sie nicht immer im besten Licht erscheinen lassen.

Am Ende von Janis – Little Girl Blue, hatte ich das Gefühl, dass die Dokumentation darauf hinausläuft, einen Ursprung oder Grund für ihren frühen Tod herauszufinden. Angesprochen wurde dieser bis dahin zwar nicht, doch sind vor allem Drogen, ihre Unsicherheit und ihre Beziehungen im Fokus und diese Probleme scheinen am Ende aufeinander zu prallen, während sie im Verlauf des Films immer wieder abwechselnd beleuchtet werden. So oft wie möglich wurde versucht, Janis selbst zu Wort kommen zu lassen durch Fernsehaufzeichnungen, Privataufnahmen, Interviews und indem ihre Briefe vorgelesen werden von Chan Marshall. Nur wenn andere Personen die Geschichte fortführen konnten oder ihre eigene Ansicht geschildert haben, wurden diese miteinbezogen. Erzählt werden auch einige lustige Geschichten, die ihre Freunde mit Janis erlebt haben, unter anderem zu ihrem Liebesleben und der ersten Begegnung mit Bob Dylan. Untermalt wurde, so oft es ging, mit ihren Liedern und auch der Einblendung des Textes, um zu verdeutlichen, wie persönlich ihre Songs waren und wie direkt sie Janis‘ Emotionen widerspiegeln.

American singer-songwriter Janis Joplin (1943 - 1970) with her 1965 Porsche 356C Cabriolet, circa 1969. The car features a psychedelic paint job by Joplin's roadie, Dave Richards. (Photo by RB/Redferns)

So ist hier deutlich ein Konzept erkennbar, die Gefühlswelt und den Menschen hinter der Wunderstimme mit unglaublicher Leidenschaft für die Musik kennenzulernen und nicht einfach nur ein Portrait ihres Lebens auf die Leinwand zu bringen. Damit umgibt Janis – Little Girl Blue eine Schlichtheit, die einem, wenn man sich wirklich für den Charakter interessiert, einen detailreichen Einblick in ihr Leben verschafft und vielleicht zu wenig auf ihre musikalischen Erfolge eingeht. Wie populär sie zu diesem Zeitpunkt schon war, bemerkt man nur am Rande und somit ist dieser Film nichts für dich, wenn du ihre Musik hören möchtest und eine Retrospektive auf ihre Karriere erwartest. Natürlich ist dies zwangsläufig auch Teil ihrer Persönlichkeit, doch wollte Amy Berg vor allem den Teil von Janis beleuchten, der eben nicht im Rampenlicht stand. Das ist für mich auch der Punkt, an dem sich dieser Film von vielen anderen Dokumentationen über Janis Joplin unterscheidet und so eher eine Ergänzung darstellt, um ihre Musik und ihr Handeln besser zu verstehen.

Maurin

Titel: Janis – Little Girl Blue
Regie: Amy J. Berg
Dauer: 107 Minuten
VÖ: 14.01.2016
Verleih: Arsenal Filmverleih

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT