Sesam aka Nuki öffne dich

Sesam aka Nuki öffne dich

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Wer kennt es nicht? Da hat man die Nacht gerade mal zehn bis zwanzig Bierchen mit seinem Wohnungsschlüssel aufgemacht und dann passt das krumme, scharfkantige Ding kaum noch in das Schloss, falls er sich nicht unterwegs sowieso schon den Weg durch die Hosentasche in die Freiheit gesucht hat.

Vielleicht steht man ja auch einfach eine Etage zu tief und die alte Nachbarin guckt mal wieder verwundert, als du versuchst, mit deinem Schlüssel ihre Wohnungstür aufzuschließen. Vielleicht bist du aber auch gerade auf Großwildsafari und die Frau von unter dir ruft dich aufgelöst wie eine vorbildliche Tablette an, weil dein Aquarium schon wieder mal aus- und in ihre Wohnung einläuft.

Auch kann nie ausgeschlossen werden, dass du dich gerade im Barzimmer befindest und dir die zehn Minuten Weg die Treppe hinab durch die Eingangshalle zur Haustüre im Westflügel zu weit sind, um den Schwiegereltern mit zehn Packungen Eiern auf den Armen Einlass zu gewähren. Sie können ja auch ihren eigenen Schlüssel rauskramen.SLEAZE + Nuki

Unzählige Szenarien, die jedem von uns schon mal untergekommen sind und wo man doch so gerne eine Zauberformel zum Öffnen der eigenen Räuberhöhle gehabt hätte. Für all diese Unglückseligen und noch viele weitere Szenarien hat Nuki bereits 2016 Geld und Wünsche der Crowd eingesammelt und das Nuki Smart Lock kreiert. Letztes Jahr ist es in der verbesserten Version 2.0 um etliche nützliche Features erweitert worden.

Klingt atomar. Was ist Nuki genau?

Die Grundidee ist dabei das Öffnen des Schlosses per Smartphone sowie die sehr einfache Installation des smarten Schlosses, welches wohl vielmehr ein smarter Schlüsseldreher als ein wirklich zu wechselndes Schloss ist.

Das Ganze funktioniert im Ansatz auch sehr gut. Die Verpackung wird geöffnet, die piktographische Schnellanleitung entnommen und die zum Schloss passende Montageplatte an der Türinnenseite um den Schließzylinder montiert. Entweder per vormontierten Klebeband oder mit zwei Schräubchen. Der kluge Smart Lock-Käufer informiert sich natürlich vorher, ob noch ein zusätzliche Adapter für seinen Schließyzylinder benötigt wird.

Der Gedanke, wie man wieder in seine Wohnung kommt, wenn das Schloss mal Fehlverhalten oder gar kein Verhalten mehr aufweist oder das Smartphone eine andere Zieldestination hatte als man selbst, stellt sich dem neuen Smart Lock-Freund spätestens, wenn er von innen den Schlüssel ins Schloss steckt und das Smart Lock aufsetzt.

SLEAZE + Nuki
Und weg ist das Oldschool-Schloss.

Jetzt fragt man sich, ob das eigene Schloss auch mit zwei Schlüsseln gleichzeitig schließbar ist. Dies ist leider nur der Fall bei Schlössern mit sogenannter “Not- und Gefahrenfunktion”. Nach dem dieser Test nun, mangels vorheriger Erkundigung, mit Spannung abgeschlossen wurde, muss man sich überlegen, ob man bei einem negativen Ergebnis überhaupt noch mit der Installation fortfahren möchte. Egal, noch bin ich ja nicht vor der Tür.

Einrichtung der Vorrichtung

Die Nuki-App lässt sich schnell herunterladen und los geht das Einrichten. In einem Paradebeispiel an Einfachheit lässt sich das Schloss mit der App verbinden und kalibrieren. Die Einstellmöglichkeiten sind vielseitig und alles funktioniert auf Anhieb und ist innerhalb der Zubereitungszeit einer 5-Minuten-Terrine abgeschlossen.

Als Add-on gibt es noch einen Türsensor in Form eines Magneten, welcher an den Türrahmen geklebt und anschließend über die App kalibriert wird. Dieser soll in der App anzeigen, ob die Höhlentür nicht wieder offen geblieben ist und der Nachbarshund den Kühlschrank leer futtert.

Es darf nun scharf geschlossen werden.

Die Statusanzeigen für Tür offen oder geschlossen und Schloss geöffnet oder geschlossen funktionierten zunächst einmal zufriedenstellend. In der App gibt es als Grundfunktionen das Schließen und Öffnen des Schlosses sowie das Öffnen des Schnappers. Letztere Funktion wird, wenn man von außen vor einer Tür ohne Klinke steht dringlich zum Einlass benötigt.

Nun zeigt sich auch, wie leichtgängig die alte Türschlossmechanik und vor allem das Öffnen und auch Schließen der Tür funktioniert. Gerne verzieht sich auch mal eine Haustür und ein Schließen und Öffnen ist dann nicht korrekt möglich und wird zum fummeligen Glücksspiel.

Wenn man aber nun zu den Glücklichen (gut Vorbereiteten) gehört, die ein leichtgängiges Schloss und / oder eine gutes Hintertürchen haben, kann man sich an dieser Stelle überlegen, wie man denn nun seine Tür öffnen und schließen möchte.

Der Möglichkeiten und Zusatzgeräte gibt es reichlich:

Grundsätzlich lässt sich das Schloss erst einmal durch die Smartphone- oder auch eine Smartwatch-App öffnen. Das funktioniert auch mit 7000 km Abstand, sofern man das Schloss mit der optionalen Bridge an das Internet angeschlossen und in die wahre Smartheit versetzt hat.

Am Interessantesten ist hier wahrscheinlich der Auto Unlock. Man kennt es vermutlich vom Keyless Entry bei Kraftfahrtvehikeln. Das Smart Lock sperrt dabei das Tor auf, wenn du in die Nähe deiner Höhle kommst. Das Telefon darf dabei in der Tasche verweilen. Eine Geofencing soll dabei verhindern, dass das Schloss dauerhaft schließt, wenn du draußen nur mal kurz nach dem Gemüse guckst.

Sehr spannend für alle Verbummler tragbarer Geräte ist vermutlich das Keypad, welches an der Tür von außen angebracht wird und per Zahlenkombination die Tür öffnen kann. Ob es jedoch so einfach angeklebt alle Nachbarsquerungen überlebt, muss jeder selbst wissen.

Den Nuki Fob, einen stoß- und wasserfesten Bluetooth-Öffner, gibt man am besten seinen Kindern oder Praktikanten mit. Auch freut sich Papa bei seiner Motocross-Tour durch den Garten, wenn er nicht sein neues iPhone XS wieder mit Schlamm besudelt.

SLEAZE + Nuki
Läuft rund – meistens

Desweiteren gibt es noch zählige weitere Methoden wie das Öffnen über die Web-App von überall im www, den traditionellen Schlüssel natürlich und das Drehen und Drücken am Schlossknauf, was sich natürlich nur gut bei manueller Erreichbarkeit des Selbigen macht.

Und wie im Titel versprochen, gibt es natürlich die Möglichkeit des Öffnens per Sprachbefehl. Das funktioniert soweit gut über Amazon Alexa. Mit Google Home kann man zwar auch über das Befinden des Schlosses sprechen, auch ein Abschließen der Tür ist möglich, aber öffnen kann man sie leider noch nicht. Sicherheitsbedenken werden hier angegeben. Naja.

Das Apple Homekit lässt das Öffnen und Schließen hingegen zu. Auch das Anlegen von Szenen soll möglich sein, sodass ein “Siri, Gute Nacht” wohl die Lichter ausknipst und die Wohnungstür zuschließen kann. Sich zudecken und den Gute-Nacht-Tee schlürfen muss man aber immer noch persönlich.

Um zu vermeiden, dass des Nachts plötzlich Aladin, Herr Müller von nebenan oder schlimmer noch 40 Räuber ihre neugierigen Nasen in die eigene Schatzkammer stecken oder schlimmer noch im Urlaubsfall den ganzen Flohmarktgoldstaub aus der Wohnung räumen, hat Nuki auch ein paar Sicherheitsfeatures in den Schließvorgang eingebaut.

Die Schließvorrichtung an sich wird immer über Bluetooth ausgelöst, dabei wird vom Sender (Smartphone, Bridge, FOB, Keypad) zum Empfänger (Nuki-Schlüsseldreher) eine vorher beim Pairing der Geräte definierte Ziffernfolge übertragen. Einzelheiten zum Verschlüsselungsverfahren beschreibt Nuki gern und ausführlich auf seiner Webseite.

Auf Nutzerseite wird die Smartphone-App nur durch die Sicherheitseinstellungen des Smartphones geschützt, die Web-App durch ein eigenes Passwort und bei Amazons Alexa müsste man zusammen mit dem Türöffnungsbefehl noch eine 4-12 stellige Zahlenfolge durch die Wand brüllen, um das hauseigene Alexa-System von außen zum Öffnen der Tür zu bewegen.

Im Grunde klingt das erst mal sicherer als die teilweise sehr einfachen fünf…ähh…drei Fragen, die zur Überwindung des Wächters zur Brücke des Todes zu beantworten sind. Auch die Überlebensquote der Benutzer sollte bei 100% liegen, auch wenn der Zugang mal verwehrt wird.

Mangels einer leicht zu öffnenden Tür, welche nicht mal Chuck Norris von außen ohne Ziehen am Knauf öffnen kann und ohne die Möglichkeit, die Tür von außen mit einem weiteren Schlüssel zu öffnen, beschränkten sich die ersten Schließversuche auf das Schließen von innen. So konnte ich Nuki auch besser im Auge behalten.

Das funktionierte so weit auch ganz gut. Nach einer De- und Remontage von Nuki – irgendwann wollte ich doch die Wohnung auch mal verlassen und zuverlässig wieder betreten – kam der Türsensor (noch im Betastatus) aber nicht mehr ganz so zurecht und zeigte auch bei geschlossener Pforte einen Durchschlupf an. Nichtsdestotrotz funktionierte das Abschließen nach einer extra Versicherung der App problemlos. Auch die Problembehebung des Türsensors funktionierte mit der App sehr schnell.

Der Versuch, den elektronischen Torwächter in das Internetzeitalter zu führen, gestaltete sich aber etwas langwieriger. Die obligatorisch zu verwendende Brücke besteht nur aus einem Kubus mit integriertem Stecker und ist nach dem Stecken in eine Steckdose in 5m Nähe des Türschlosses auch schon einsatzbereit. Über die App kann man sie sehr einfach und schnell mit dem Nuki-Schließer pairen und mit dem eigenen Wlan-Netzwerk verbinden.

Dachte man sich noch ganz zuversichtlich, bis bei dem Versuch einer Verbindung zur Web-App (funktioniert ebenfalls in der Smartphone-App) nun doch eine mangelnde Verbindung der Bridge zum Nuki Schloss zum Vorschein trat. Ok, alles noch mal von vorn. Bridge raus aus der Dose, Bridge rein in die Dose, drücken sie den Knopf an der Bridge für zehn Sekunden, bis die LED blinkt. Natürlich blinkte nichts. Wieder raus, wieder rein, andere Steckdose, gedrückt und gefummelt, die Bridge wollte sich nicht reseten lassen.

Nach Stunden der umherirrenden Verzweiflung auf Youtube und im sonstigen Internet fand ich dann eine Beschreibung auf der Nuki-Seite, in welche Richtung die Bridge denn so am liebsten funkt. Meine ursprüngliche Position ca. 20 cm neben dem Schloss war ihr wohl nicht so ganz genehm und nachdem ich sie mit Verlängerungskabel einen Meter gegenüber vom Türschloss angeschlossen habe, funktionierte die Verbindung plötzlich prächtig.

SLEAZE + Nuki
Man darf keine Abneigung gegen Tracking haben.

Die Web-App ließ mich nun problemlos registrieren. Alle Lebensfunktionen des Türschlosses wurden geprüft. Ein übersichtliches Log-Buch, wie es Captain James Piccard nicht hätte besser führen können, erfreut das Herz jedes NSA-Liebhabers und Mitbewohner-Überwachers.

Die Registrierung in der Web-App wird auch benötigt, um das Schloss mit dem Gebrauch von Alexa, Siri und Google Home fit zu machen. Mein nächtliches Genuschel ließ mich dann auch tatsächlich noch mal die Türe in der Google Home App zuschließen und den Status abfragen.

Leider kann man die Tür über Google nicht aufschließen und der Google Assistent kommt scheinbar auch noch nicht mit den Gerätschaften in der Google Home App zurecht, so dass ich wohl noch heute draußen mit dem Telefon in der Tasche vor der Tür stehen würde und rufen “Nuki, öffne dich!”, wenn ich nicht gleich drin geblieben wäre. Wahrscheinlicher aber hätte ich die Auto Unlock-Funktion genutzt, die scheint mir doch am sinnvollsten.

Matthias

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