Schwarz, bunt, schrill

Schwarz, bunt, schrill

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Nach vielen Jahren im Kölner Tanzbrunnen präsentierte sich das Amphi-Festival zum ersten Mal in neuer Location: der Lanxess Arena. Mit zwei zusätzlichen Open-Air-Bühnen wurde die Arena kurzerhand in „Amphi Eventpark“ umbenannt und so zum Mittelpunkt der schwarzen Szene. Bei den Fans waren die Meinungen sehr geteilt.

SLEAZE Amphi FestivalDie Unsicherheit und teilweise Unzufriedenheit wurde begleitet von einer Unwetterwarnung direkt zu Beginn des Festivals am Samstag. Das Sturmtief „Zeljko“ hatte auch das Amphi-Festival durcheinandergewirbelt und vor allem das Programm und die Fans noch enger zusammenrücken lassen.

Das Außengelände stand nicht zur Verfügung und auch die beiden Bühnen „Orbit Stage“ und „Green Stage“ waren nicht bespielbar. Alles drängte sich in die Arena und auch dort improvisierte der Veranstalter mit dem Programm, um ein möglichst breites Angebot zu bieten. Während andere Festivals wie z.B. das Juicy Beats komplett ausfallen mussten, war der Veranstalter bemüht, möglichst viel auf die Hauptbühne in der Arena umzuleiten und neue Spielpläne zu erstellen. So verlegte man etwa „DAF“ – die Deutsch Amerikanische Freundschaft – eigentlich Headliner der Green Stage des Samstages – am Nachmittag auf die Arena Stage. Als „DAF“ spielt ist, wie bei „The Crüxschadows“ die Arena voll besetzt bis auf den letzten Platz. In der Übergangszeit versuchten die Ansager Honey, Dr. Mark Benecke, Oliver Klein oder Der Tod alles, um die Zuschauer zu informieren. Kurz nach 21 Uhr war die Unwetterwarnung aufgehoben und die großen Merchandise-Zelte im Umlauf der Arena konnten geöffnet werden. Natürlich kam in der – leider extrem dunklen – Halle noch nicht wirklich Festivalgefühl auf, aber die Band „Agonoize“ lieferte mit hartem elektronischem Sound eine bombastische Show. Frontmann Chris ließ sogar Kunstblut auf die ersten Reihen des Publikums regnen.

SLEAZE Amphi Festival 2Nach einer Stunde strömen die Fans in den Außenbereich und den Umlauf der Arena und die Halle wirkt zum ersten Mal an diesem ersten Festivaltag wie leergefegt. Zu diesem Zeitpunkt findet auch der erste richtige musikalische Stilwechsel statt. Mit „Goethes Erben“ kommen Streicher und jede Menge Akustikinstrumente auf die Bühne.

Die beiden letzten Bands des Abends heizen dem Publikum dann nochmal so richtig ein.

Auf „Front 242“ hatten sich viele der Zuschauer gefreut, was schon bei der Ankunft an den vielen Bandshirts zu sehen war. Die durch und durch elektronische Musik schwirrte durch die Halle, im Hintergrund werden auf einer Leinwand immer wieder kurze Videoausschnitte gezeigt. Auch der Gesang ist besonders, da hier durchweg ein Nachhall und ein Echo vorherrschen. Die dabei tanzbare Musik nehmen die Zuschauer mit Freude an und überall ist Bewegung. Als Headliner des Abends stand schließlich „And One“ auf der Liste. Inzwischen ist es bereits 0:50 Uhr und Frontmann Steve Naghavi umgibt schon beim Betreten der Bühne eine gewisse Präsenz. Er versteht es – wie gewohnt – das Publikum mitzureißen und bringt die Arena zum krönenden Abschluss dieses ersten Festivaltages richtig zum Kochen.

SLEAZE Amphi Festival 3Am Sonntag zeigte sich das Amphi von einer ganz anderen Seite. Die Sonne schien und sofort stellte sich das erhoffte Festivalfeeling ein. Zum Glück konnten nun auch die Händler- und Gastronomiestände draußen öffnen. Zahllose Buden, Sitzecken, ein großer Biergarten und Outdoor-Chill-Bereiche sorgten rundum für das leibliche Wohl der Besucher. Die Auswahl an Getränken und Speisen wurde um diverse (auch vegetarische) Spezialitäten erweitert. Alles lief wie geplant und das Programm konnte auf allen Bühnen fortgesetzt werden.

Die Green Stage entwickelte sich prompt zu einem Zuschauermagneten, denn die leicht abschüssige Wiese vor der Arena bot reichlich Platz und auch für sitzende Zuschauer in den hinteren Reihen gute Sicht auf ein breites Spektrum an Bands wie „Zeraphine“ um Frontmann Sven Friedrich und „Welle Erdball“, bei denen es sehr elektronisch wurde.

Zeitgleich und immer wieder zwischendurch fanden im Restaurant „Henkelmännchen“ Autogrammstunden von Künstlern statt. Der Andrang war groß und es bildeten sich lange Warteschlangen von Fans, die ihre Lieblingskünstler unbedingt aus nächster Nähe erleben wollten, so zum Beispiel bei „Oomph“. In der Arena hämmerten „Combichrist“ am Nachmittag ihre Elektrobeats in die Menge, die auch später noch zur Autogrammstunde baten.

Insgesamt ging Festival-Tag 2 mit weiteren Höhepunkten indoor zu Ende. Oomph! machen einfach Spaß und beim Headliner des Abends „VNV Nation“ musste der Zugang zum Innenbereich und den Unterrängen wegen Überfüllung gesperrt werden.

SLEAZE Amphi Festival 4Die Futurepopper spielten eines der besten Konzerte ihrer zwanzigjährigen Geschichte und verwandelten die Arena in einen Hexenkessel. Hier stimmte alles: Das Publikum und Frontmann Ronan Harris waren in Feierlaune. Dieser bemerkte beeindruckt: „So sieht es also bei einem „Depeche Mode“ Konzert von hier oben aus!“

Nach dem Konzert strömten die Fans beseelt heim, auch wenn viele den Charme des Tanzbrunnens vermissen. Doch an den neuen Ort können sie sich gewöhnen. Festival und Eventhalle? Das geht doch!

XII. Amphi Festival 2016 findet am 23./24. Juli 2016 im Amphi Eventpark Köln statt…

Daniel Kraski

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