Schau mal einer (im Kino) an!

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Neues im Kino aka Lachen und Sterben in L.A.

Der Juni ist gespickt mit so manch interessantem Kinostart. Wie groß und beliebt Los Angeles als Drehort nach wie vor ist, zeigen zwei der meist erwarteten Kinostarts dieses Jahres, nämlich The Nice Guys im L.A. der 70er sowie The Neon Demon in der Gegenwart des Modelbusiness. Eine Übersicht:

2. Juni

The Nice Guys: Der mit Film Noir-Anleihen versehene Buddy-Film im L.A. der 70er ist ein bunter, rasanter und wahnsinnig unterhaltsamer Film um zwei Ermittler, die sich zusammenraufen, um das Mysterium um ein verschwundenes Mädchen und einer verunglückten Pornodarstellerin aufzuklären. Regisseur Shane Black (Lethal Weapon-Autor) inszeniert die spannende, urkomische Geschichte um seine spielfreudigen Hauptdarsteller Ryan Gosling und Russell Crowe mit einer solchen Leichtigkeit und Cleverness, dass der Film nicht weniger als den Startpunkt einer neuen Reihe und eine neue Impulsgebung des Buddy-Action-Movies markieren könnte. Zur Kritik

Green Room: Jeremy Saulniers Green Room weiß über lange Zeit sein aufgebautes Setup um eine Punk-Rock-Band, die während eines Ausweichgigs auf eine Gruppe rechtsextremer Nazis trifft, als intensiven Belagerungsthriller zu inszenieren. Die Dynamik innerhalb der gezwungenermaßen Eingepferchten und der Rechten mit ihrem Anführer erfährt so manche Facette, die die Spannung elektrisiert. Trotz eines Bruches in der Geschichte und einer dramatischen Überhöhung so mancher Ereignisse ein starker, düsterer und zuweilen auch mit humoristischen Einschüben versehener Thriller mit einem eiskalten Patrick Stewart. Zur Kritik

Everybody Wants Some!!: Zugegeben, der Film ist nicht aufgrund seiner erschreckenden Belanglosigkeit, die sich überdies noch mit klischeebeladenen Selbstfindungs- und Partyfilmmotiven weiter ankratzt, in dieser Liste vertreten, sondern aus dem alleinigen Grund, dass es sich bei dem Regisseur um Richard Linklater handelt, der zuvor etwa mit seinem geerdeten und langjährig gefilmten Boyhood unaufgeregt vom Aufwachsen eines Jungen erzählte und damit zurecht vielfach geehrt wurde. Zur Kritik

Mikro & Sprit: Lange hat man kein derartig vor Leben strotzendes Kinder- bzw. Jugendduo im Kino gesehen wie in Michel Gondrys kindlich-fantastischer Komödie Mikro & Sprit. Der Regisseur von Vergiss mein nicht! erzählt leichten Schrittes die Geschichte um zwei ihrer Umwelt überdrüssigen Jungen, die mit ihrem eigens konstruierten Hausauto, angetrieben von einem Rasenmähermotor, durch Frankreich reisen. So erschafft Michel vor allem viele komische Momente, denen durch den Charme der beiden Hauptdarsteller Ange Dargent und Théophile Baquet die nötige Frische innewohnen. Und das Beste: Er bringt die Geschichte konsequent und ohne Pathos zu Ende.

Mikro alias Daniel (Ange Dargent, r.) und Sprit alias Théo (Théophile Baquet, l.) schmieden Pläne
Mikro alias Daniel (Ange Dargent, r.) und Sprit alias Théo (Théophile Baquet, l.) schmieden Pläne

9. Juni

Stolz und Vorurteil & Zombies: Zwar wird zu Beginn der Verfilmung des gleichnamigen Buches von Seth Grahame-Smith der Originalstoff von Jane Austen auf kuriose Weise mit Ideen im Rahmen des Zombie-Genres vereint, doch ebbt der Stoff im Laufe der Dauer zunehmend zu einem auf Spektakel und Effektergötzung dogmatisierten Blockbustereibrei ab. Vor allem Sam Riley (Suite Française) weiß aber als düster erscheinende, rockige Gothic-Version des Mr. Darcy zu überzeugen.

16. Juni

Der Herr des Conju-Rings

Conjuring 2: Für den Nachfolger des überaus erfolgreichen Horrorfilms The Conjuring fand sich abermals Saw-Schöpfer James Wan auf dem Regiestuhl ein. Die Macher nahmen sich dabei die als „Enfield Poltergeist“ bekannt gewordenen Vorfälle zum Vorbild: Zwei Schwestern, 11 und 13 Jahre alt, berichteten dabei Ende der 70er von paranormalen Vorfällen – ein Fest für die Boulevardpresse.

Miss Hokusai: Mit Miss Hokusai findet ein Anime seinen Weg in die deutschen Kinos – oft ist es vor allem den Werken aus der weltbekannten Animationsschmiede Studio Ghibli vergönnt, in deutsche Kinosäle einziehen zu dürfen. Der Film handelt von der Beziehung des berühmten japanischen Malers Katsushika Hokusei, der u.a. auch Europäer wie van Gogh oder Monet beeinflusst hat. Dass ihm sein Leben lang eine seiner Töchter, die ebenfalls talentierte O-Ei, assistierte, ist eine eher unbekannte Facette. Die Geschichte fußt auf dem bekannten Manga Sarusuberi. Auf dem Festival d’Animation Annecy, das als wichtigstes Animationsfilmfestival gilt, erhielt der Film den Jury-Preis.

Das Talent des Genesis Potini: Aus Neuseeland, vor allem durch Peter Jacksons Der Herr der Ringe-Verfilmungen als Filmland großflächig wahrgenommen, kommt das unprätentiöse, zutiefst menschliche Drama Das Talent des Genesis Potini um das gefallene, an einer depressiven Erkrankung leidende Schachgenie Genesis Potini. Im Epizentrum der Geschichte von Regisseur James Napier Robertson steht die Beziehung zwischen Genesis (Cliff Curtis) und seinem Neffen Mana (James Rolleston), der droht, Teil einer brutalen Bikergang zu werden, der auch sein Vater Ariki (Wayne Hapi) angehört. Während Genesis, mit facettenreicher Intensität von Cliff Curtis (Sunshine) dargestellt, vernachlässigten Kindern das Spiel der Könige näherbringt, gibt er nicht nur sich, sondern auch Mana neuen Mut und Lebenssinn. James folgt seiner Hauptfigur dabei beinahe ausschließlich und weiß die Geschichte in ungeschönter, roher Ästhetik auszudrücken. Zur Kritik

23. Juni

The Neon Demon: Spätestens nach dem Welterfolg seines stylischen Neo-Noir-Dramas Drive 2011 gilt Regisseur Nicolas Winding Refn als große Nummer. Dabei weiß „NWR“ auch stets stark unterschiedliche Meinungen zu provozieren – so geschehen etwa 2013 mit seinem traumwandlerischen Rachethriller Only God Forgives. Und auch sein neuster Film, The Neon Demon, entlockte dem Premierenpublikum des diesjährigen Cannes Film Festivals auseinanderdriftende Meinungen. Die Geschichte handelt von einem jungen Model (Elle Fanning), das in die Welt der Schönen Los Angeles‘ eintaucht und auf grausame Widerstände, Neid und Missgunst trifft. Ein meditativer Bilderrausch mythologischen Ausmaßes. Zur Kritik

30. Juni

High-Rise: Die Umsetzung der Filmadaption des gleichnamigen James G. Ballard-Buches High-Rise sollte Jahrzehnte in Anspruch nehmen: In all den Jahren standen bereits Regisseure wie Nicolas Roeg (Wenn die Gondeln Trauer tragen) und Vincenzo Natali (Cube) im Raum, doch schließlich fand sich mit Ben Wheatley (A Field in England) ein kompromissloser Indie-Regisseur, der sich dem Stoff des Crash-Autors annahm. Mit Tom Hiddleston (Only Lovers Left Alive) in der Hauptrolle erzählt er die Geschichte um Dr. Robert Laing, der nach seiner Scheidung in ein Hochhaus zieht, das nach Klassen unterteilt ist. Die Upperclass thront über den beiden weiter unten gelegenen Familien. Und während sich der dystopische Klassenkampf zuspitzt, muss sich der in der Mitte lebende Robert bald zwischen den Seiten entscheiden.

High Rise in deep Meditation
In High Rise zwischen die Kasten geraten

The Assassin: Visuell eindrucksvoll, gewann The Assassin den Preis für die beste Regie auf dem Filmfestival 2015 in Cannes. Regisseur Hou Hsiao-Hsien (Die Stadt der Traurigkeit) erzählt in seinem stilvollen Historiendrama, angesiedelt im China des 9. Jh. während der Tang-Dynastie, von der jungen Nie (Qi Shu), die nach 13 Jahren in ihre Heimat zurückkehrt. Einst wurde sie von einem hochrangigen General entführt und von einer Nonne aufgezogen, die ihr die Kampfkünste lehrte. Ausgebildet als Attentäterin, steht sie nun vor ihrem ersten, schweren Auftrag: Denn sie soll nicht weniger als ihre große Liebe ermorden, den Gouverneur Tian Jian (Chen Chang), den sie nur auf Grund politischer Ränkeleien einst nicht heiraten konnte. Hin- und hergerissen zwischen Pflichterfüllung und Herzenswunsch macht es ihr auch der Umstand nicht leichter, dass bei erfolgreichem Anschlag der minderjährige Sohn Tian Jians und seine machthungrige und integrante Frau an die Macht kommen würden.

Caracas, eine Liebe: Der Sieger des Goldenen Löwen auf dem letztjährigen Filmfestspielen von Venedig kreist um das schwierige Verhältnis von Armando (Alfredo Castro), einem Mann mittleren Alters, und dem jungen Elder (Luis Silva). Ersterer fährt regelmäßig durch die verarmten Gegenden der venezuelischen Hauptstadt Caracas, um junge Männer für Sex mit nach Hause zu nehmen. Dort trifft er auch auf Elder, der aus belastenden Verhältnissen stammt. Trotzdem willigt dieser zunächst nicht ein. Als er Armando schließlich doch begleitet, raubt er ihn aus, was im Überfallenen erst recht das Interesse weckt. Die Beziehung der beiden spitzt sich weiter zu, schwankend zwischen Freundschaft und Vertrauensmissbrauch.

Alex Warren

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