Rotkäppchen böse oder die Märchenzeption

Rotkäppchen böse oder die Märchenzeption

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Jeder kennt sie, die guten alten Märchen. Eines der bekanntesten ist wohl das liebe Rotkäppchen vs der böse Wolf. Dieses Märchen wird von Woolfe: The Red Hood Diaries als Hauptvorlage benutzt. Die Story geht aber doch sehr eigene Wege, die von Anfang an nicht all zu viel mit der Vorlage aus dem 18. Jahrhundert gemein hat. Unsere Geschichte beginnt in einem fiktiven Steampunk-Universum. Die Protagonistin mit dem roten Cape begibt sich auf die Suche nach Antworten, da ihr Vater angeblich durch einen Unfall gestorben ist. Sie glaubt aber nicht an Unfälle. Der böse Klischeebösewicht Mr. B.B. Woolfe (Achtung, böse!) hat jedenfalls irgendetwas damit zu tun, und das reicht uns als Grund, um Rache zu wollen. Auf der Jagd nach ihm müssen wir erst mal in der liebevoll gestalteten, verschneiten Stadt nach Hinweisen stöbern. In den Archiven finden wir eine formschöne Eichenholz-Axt, die uns fortan auf unseren Reisen begleitet und eine Akte, die uns erzählt, dass der Rattenfänger wohl im Auftrag von Mr. Woolfe gearbeitet hat.

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EINE RATTENSCHARFE MISSION

Also nichts wie runter in die Kanalisation. Warum ? Das wird uns nicht so wirklich erklärt, aber wenn Rotkäppchen das meint, wird’s schon richtig sein. Nur dumm, dass die Abwasserentsorgungstunnel mit Fallen und Rätseln gespickt sind. Da kann es vorkommen, dass man zehnmal an der gleichen Stelle stirbt, was nach einer kleinen Weile Anzeichen von Frust auslöst. Dazu kommen noch die ziemlich rar verteilten Checkpoints, die als Körbe mit Brot und Wein dargestellt werden. Am meisten aber nerven die Kletterpassagen an Rohren oder Dachkanten. Es scheint so, als ob die Heldin sich kurzfristig aussucht, ob sie sich festhält oder nicht. Das ganze Spiel ist aber von vorn bis hinten mit einem sehr guten Soundtrack vertont, was einen wieder etwas milde stimmt. Zwischendurch werden wir von kleinen garstigen Kanalratten belästigt, die von uns, dank unserer Axt, ordentlich einen auf den Deckel bekommen. Na ja, meistens. Manchmal will unsere Axt die kleinen Körper einfach nicht treffen, was durch die zum größten Teil zweidimensionale Grafik nicht gerade erleichtert wird. Zum Glück lernen wir im Laufe der Story einige Tricks, die aus blindem button-smashing einen taktischen Kampf machen sollen. Nur leider verbrauchen diese Special-moves Mana, die wir nur aus erledigten Gegnern bekommen. Da diese Attacken genau so oft verfehlen wie unsere normalen Angriffe, kommt es wieder zum hektischen Eindellen der Tastatur, was zur Folge hat, dass man nach gefühlten zwei Sekunden nicht mehr auf seine tollen neuen Verprügelungstechniken zurückgreifen kann. Besonders in den anfangs doch schwierigen Bosskämpfen fällt man öfters mal auf die Nase, weil der verzweifelte Versuch, einer Ratte den Garaus zu machen, einem die ganze Mana und allen Nerv raubt. Sobald wir die Kanalisation verlassen haben, wird es wieder angenehmer. Es kann durchaus an dem Gestank dort unten gelegen haben, dass wir einfach vor Übelkeit nicht richtig zuhauen konnten.

SPIELZEUG BEKOMMT KLOPPE

Die großen Zinnsoldaten, denen wir nun gegenüberstehen, lassen sich ordentlich treffen, halten aber auch eine ganze Menge aus. Witzig: Sobald wir eine Wache überwunden haben, wird uns folgende Meldung angezeigt: You killed Guard 307: James. So wissen wir immer genau, wen wir nun neu auf dem Gewissen haben. Außerdem verleitet es einen dazu, mehr zu schleichen, was nämlich auch möglich ist, da man das Gefühl hat, statt Maschinen Menschen mit richtigem Namen etwas zu anzutun. Später begegnen wir aber auch noch Soldaten, die für uns unbesiegbar sind, was das Mitleid dann doch wieder schrumpfen lässt.Wenn wir gerade mal nicht Wachen verprügeln oder knifflige Sprungpassagen meistern, können wir uns in der Welt mal ganz genau umschauen. Da gibt‘s nämlich viel zu entdecken. Einerseits die wunderschön gestalteten Level, wodurch man fast schon übersieht, dass sie doch recht linear aufgebaut sind. Überall kann man kleine Details erkennen, die super zur sowieso schon dichten Atmosphäre beitragen. Am meisten haben mich in den Levels aber die Lichteffekte beeindruckt. In der Stadt sind sie nicht so auffällig, wenn man aber eine Weile später in ein Märchenland mit kleinen schwebenden Inseln eintaucht, indem die Sonne durch die verzauberten Wipfel kleiner Bäume dringt, denkt man sich nur:”WHAAAAAAAAAAAT. SIEHT DAS SCHÖN AUS”. Da stören auch aufploppende Gegenstände und Kantenflimmern das Gesamtbild nicht. Andererseits gibt es in den Levels verstreute Randinfos, die ein wenig Hintergrundgeschichte vermitteln, in Form von Briefen, Zeitungen und Co. Die sind teilweise richtig knifflig versteckt, manchmal aber auch direkt zu sehen.

FAZITWoolfe-The Red Hood Diaries04

Woolfe: The Red Hood Diaries ist ein kurzweiliges Jump&Run mit leider etwas nervigen Kämpfen. Das Ganze ist unterlegt von einem richtig stimmigen Soundtrack und eingebettet in eine wunderschön gestaltete Welt. Allerdings gibt es zwischen den Levels nervige Ladepausen und beim Start eines Levels sieht man erst mal die halbe Welt aufploppen. Das Ganze endet, ohne jetzt zu viel verraten zu wollen, sehr abrupt nach ca. drei Stunden und lässt einen mit der Hoffnung auf einen zweiten Teil alleine. Für einen Schnäppchenpreis von 9.99€ eine absolute Kaufempfehlung für alle Freunde von Jump&Slay-Spielen.

Hannes

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