Rolls-Royce Ghost: Eleganz großes Kino

Rolls-Royce Ghost: Eleganz großes Kino

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SLEAZE + Rolls-Royce Ghost
Morgengold. Foto: Mark Mattingly

Rolls-Royce. Erwähnst du, dass du ein Auto dieser Marke fährst, bist du dir der Aufmerksamkeit deiner Umgebung sicher. Zumindest, wenn du in einem relativ durchschnittlichen Umfeld zuhause bist und deine Familie kein Schloss hat. Denn die Marke steht für zeitlose Eleganz, Perfektionismus, Über-Luxus und generell für alles, was wirklich Premium ist.

Soweit wird das den meisten vertraut sein. Und die meisten nehmen daher auch an, dass es genauso ist, WÄHREND man so ein Auto fährt. Ich dachte genauso – bis ich in den wahrhaftigen Genuss kam, so einen PKW (es gibt kaum ein unpassenderes Wort für diese wundervollen Wagen) selbst zu fahren.

Der Ghost: Von allen schlechten Geistern verlassen

Genauer, einen Rolls-Royce Ghost Series II in Premiere Metallic. 570 PS, 6,6 l-V12-Turbo, 2,5 Tonnen schwer, trotzdem von 0 auf 100 in fünf Sekunden. Preis: 310.000,- Euro. Halleluja!

Sitzt du hinter dem Steuer, siehst du eine endlos lange Motorhaube und irgendwo am Ende die Spirit of Ecstasy. Die hat nichts mit Drogen zu tun, sondern ist einfach das schönste Markenzeichen der gesamten Autoindustrie.

Mit einem Knopfdruck kannst du Frollein Ecstasy verschwinden lassen und somit die Kühlerfigur dem Zugriff diebischer Finger entziehen – oder deine Aerodynamik erhöhen, falls du eher so drauf bist.

SLEAZE + Rolls-Royce Ghost
Spirit of (Berlin) Ecstasy. Foto: Mark Mattingly

Motor an, schaun, was er kann

Auch wenn er nicht so aussieht: Der Ghost lässt sich wunderbar leicht steuern. Ein erhabenes Gefühl, fürwahr. Trotzdem ist es nicht so, dass der Wagen auch nur einen Hauch von Angeben aussieht. Alles ist – wie zu erwarten – Understatement-schick.

Ja, ich weiß. Für diejenigen, die sich selbst schlecht gemachte Fake-LV-Sachen kaufen, damit sie ihr kleines Ego aufwerten, ist das nichts. Dieser Wagen ist nicht laut, weder von den Motorgeräuschen her noch von der Optik.

Man kann sich den Wagen natürlich auch (peinlich) in Camo-Optik aufhässlichen lassen. Ich persönlich empfehle ja mehr die babyblaue-Variante – oder gleich fast komplett in türkis, wenn man schon auffallen will!

Doch bist du ein klassischer RR-Fan, wirst du das Understatement-Gefühl an dem rollenden Geist schätzen. Das Interieur mit seinen grauen und schwarzen Akzenten, die gesamte Aufmachung – und natürlich die Uhr, die ich automatisch Big Ben genannt habe.

Auf der Autobahn zeigen die 12 Zylinder, was sie können – und schnurren dabei wie eine Katze, die gerade die richtige Kraultechnik ins Fell bekommt. Auch beim Ghost ist technisch wie optisch selbstverständlich alles perfekt.

Ist so viel Perfektionismus nicht langweilig?

Erstmal mutet es merkwürdig an. Kann ein Wagen wirklich so perfekt sein? Nun ja… ja. Normalerweise stehe ich nicht auf Perfektionismus. Das ist oft zu glatt und ich mag einige Ecken und Kanten. Aber bei diesem Wagen und dieser Marke muss das einfach so sein. Ein Rolls-Royce, wo die Scheibenwischer quietschen würden – was soll das?

SLEAZE + Rolls-Royce Ghost
Erhaben + teuer = Abenteuer haben. Foto: Mark Mattingly

Aber es kommt natürlich drauf an, worauf man steht – und fährt. Für mich jedenfalls ist Rolls-Royce einfach eine Marke, die perfekt sein MUSS. Sie darf nicht laut sein und nicht peinlich. Daher ist es schon fast gewagt, dass Rolls-Royce nach langem Zögern nun auch ein SUV umgesetzt hat. Wir haben ja bereits von dem Monster-SUV berichtet.

Allerdings ist das schon sehr nah dran an Sellout – für Rolls-Royce-Verhältnisse. Natürlich – bevor ich ein abschließendes Urteil fällen kann, müsste ich den Wagen erst fahren. Vielleicht ist er ja genauso fantastisch wie der Ghost und passt perfekt zur Marke.

Aber eigentlich ist gefühlt für so eine traditionelle Marke ein Sportwagen so fremd wie ein Geländewagen. Ich hoffe einfach, dass Rolls-Royce sich weiterhin nur sehr selten an solchen Trend-Phänomenen beteiligt und sie ihren Stil beibehalten – genauso wie die obligatorischen Regenschirme in den Seitentüren.

Der Ghost jedenfalls hat mich komplett überzeugt, auch wenn ich eher der Sport-Typ bin. Aber wenn ein Premium-Fahrzeug mit Understatement-Charakter – dann einen Royce. Wenn auch vielleicht eine Spur größer wie der Phantom. Auch wenn gerade der Ghost in der Black-Badge-Edition schon sehr, sehr geil – pardon: exquisit – aussieht!

Text: danilo
Fotos: Mark Mattingly

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