Römische Göttin im Plastikkleid: Diana Instant

Römische Göttin im Plastikkleid: Diana Instant

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SLEAZE + Diana InstantVermutlich hatten die Römer eher Götter für Dinge, die sie schwerlich selbst beeinflussen konnten: Liebe, guten Wein, Kriege, Meere, Blitze und natürlich auch die Jagd.

So kam es zuweilen vor, dass man einen kapitalen Eber erlegte, den größeren Anteil der Jagdzeit verbrachte man vermutlich aber eher mit dem Einfangen von Blasen, Schürfwunden, seltsamen Fibern oder einer ordentlichen Ohrfeige der renitenten Ehefrau, wenn man mal wieder sein Jagdglück nur in der Spelunke nebenan versuchte. So huldigte man der heiligen Diana und erhoffte sich Glück bei der Jagd.

Ob das Unvermögen der Diana Instant der Analogkamera-Schmiede Lomography, kontinuierlich gute oder überhaupt erkennbare Bilder zu fabrizieren nun aber an der göttlichen Willkür der Namensgebung lag oder doch eher an der Tatsache, dass die Kamera nur ein billiger Nachbau der schlechtesten Kamera der Welt, der sowjetischen Lomo LC-A ist, lässt sich schwer beurteilen.

Freunde der künstlerischen Fotopraxis der kreativen und experimentellen Schnappsschuss-Fotografie wissen nun natürlich, dass die unzulänglichen Überraschungseffekte und die Vignettierung bei der Lomografie vielmehr gewollt als gekonnt sind und bei echten Fans schnell für feuchte Schlüpfer sorgen.

Die Retro-Mittelformatkamera arbeitet in der Originalkopie dabei ihrem Vorbild entsprechend und kostengünstig – zumindest für den Hersteller – mit Analogfilm. Was sonst zu langen Wartezeiten von der Aufnahme bis zur Entwicklung der Überraschungsbilder führt, soll bei der Diana Instant durch das Benutzen eines Sofortbildfilmes gelöst werden.

Der geneigte Hipster-Fotografie-Freund von heute hat schließlich kaum noch fünf Minuten Zeit ab Erwähnung seines Standortes auf Facebook bis zum Abwandern der 202 Follower auf Instagram, welche auch rechtzeitig in visueller Form über den Standort informiert werden wollen.

Zum dem von mir erhaltenen Forschungsset in die Lomografie gesellten sich noch einige Objektive in weit- und nahwinkelig und fischäugig. Ein Objektiv versprach auch eine vernünftige Schärfe, was der Lomografie-Idee natürlich etwas entgegen stand. Das Gesamtpaket hatte dabei kein größeres Gewicht als die „Kameras“ meiner sechsjährigen Tochter.

SLEAZE + Diana Instant
Wie Sie sehen… Nein, das ist kein UFO.

Zugegebenermaßen erhielt ich vor Jahren schon mal eine Lomokamera und wusste auch damals schon nicht, ob das Geschenk Fluch oder Segen war. Ein vernünftiges Foto habe damit zumindest bis dato nicht zustande gebracht.

Also los Diana, rette die Ehre!

Batterien rein, Bilderkassette rein und los geht’s oder was? Aber nun hast du da ja doch so plötzlich einige Einstellmöglichkeiten wie Blende, Brennweite und irgendwie auch die Verschlusszeit, die zwar recht schön unterbildert sind, aber doch das mit manueller Fotografie ungeübte Händchen etwas verwirrt. Alle anderen sicherlich auch.

Aber zum Glück bist du ja als Schnappschuss-Apparatschik ausgelegt und als solcher kann man ja mit dir ja einfach mal wahllos draufhalten!Wenn Sonne lacht, nimm Blende acht! Was Opa längst wusste, weiß Diana schon lange nicht mehr.

Nun ja, bei der ersten Inspektion meines Paketes fiel mir schon auf, dass ich in Menge vermutlich mehr Zusatzequipment auf dem Tisch zu liegen hatte als verfügbare Instant-Bilder. Diese belief sich auf die sehr geringe Menge Zehn. Bei einem Preis von 13,90 € für eben diese zehn Bildchen wurde die noch griffige Idee des Schnappschießens doch recht schnell in eine groteske Form gebracht. Wer möchte schon 1,39 €  für ein unsinniges Foto bezahlen, welches selbst die härtesten Instagram Follower wieder zu @bundeskanzlerin treibt?

SLEAZE + Diana Instant
Inkognito

Gut, die ersten 1.000 Aufnahmen meiner Digitalkamera waren jetzt auch nicht wirklich günstiger, aber in unserer digitalen Massegesellschaft amortisiert sich diese dann schon irgendwann. Und Videos macht die Diana ja auch nicht.

Wähle weise, war also vielmehr das Motto der vermeintlichen Schnäppchenkamera. Der erste Schuss gelang gar nicht mal so unansehbar. Nach dem Abdrücken kam auch recht zügig eines der zuvor eingelegten Bilder aus der Kameraoberseite heraus gesurrt. Danach vergingen gefühlte 20 Minuten, bis sich das Bild entwickelte und bis man endlich mal das Ergebnis in Augenschein nehmen konnte.

Toll, so müssen sich unserer Urahnen gefühlt haben, als sie dann doch mal einen Hasen erlegten, obwohl sie eigentlich auf den Hirsch gezielt hatten. Das nächste Foto überließ ich dann gleich dem lieben Töchterlein, es soll ja alles so einfach zu bedienen sein. Mit den Voreinstellungen von mir kam auch tatsächlich ein Foto heraus. Meine Mutter würde mich wahrscheinlich darauf nicht erkennen.

Bild Nummer drei war dann ein Unfall, Bild Nummer vier war wieder OK. Der Fernsehturm ist zwar nicht zu erkennen, aber den haben wir ja sowieso schon tausend Mal gesehen.

Das fünfte Bildlein hauchte sein unbelichtetes Dasein bei einem Abschiedsessen mit Freunden aus. Mit dabei sein durfte auch das Fish-Eye-Objektiv. Dieses stammte offenbar von einem Tiefsee- oder gar Nixsehfisch und sträubte sich gegen die Aufnahme von Licht, sodass an Motiv nicht viel übrig blieb außer der Wohnzimmerlampe. Bemerkt wurde dies leider auch nicht vor dem Verspeisen der dargereichten Nahrungsmittel, sodass das Motiv kaum reproduziert werden konnte und wollte.

Fazit.

Kamera mit günstigen Einstiegskosten und hohen Schnappschusskosten für Leute, die es sonst immer schwer schaffen, ihre Bilder zu verwackeln oder den Finger vor die Linse zu halten.  Wer immer seinen Studioscheinwerfer oder das optionale Blitzlicht dabei hat, kann sich auch gerne noch die Diana Instant für ein wenig Partyüberraschungsspaß in die, hoffentlich sehr große, Hosentasche stecken.SLEAZE + Diana Instant

Alle anderen kaufen sich lieber ein Smartphone mit schlechter Kamera, damit kannst du dann auch eventuell dein Nuki-Türschloss aufmachen oder Mutti mal anrufen und nach ihrer alten sowjetischen Kamera fragen…

Matthias

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