Rockmusik mit Bongos?

Rockmusik mit Bongos?

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Selten hört man von Rockbands aus Südafrika. Genau deshalb lohnt es sich, hier genauer hinzusehen. Sons of Settlers veröffentlichen ihr Album „Lullabies for the restless“ am 06.11.2015 und Bongos spielen sie leider nicht wirklich. Trotzdem schaffen sie es, mit ihrer Musik südafrikanisches Flair zu vermitteln.

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Rock, Folk, Country mit typischen Popmelodien, dazu die Einflüsse ihrer Herkunft: Das haben die vier Jungs aus Kapstadt mit ihrem Debütalbum geschafft. Es wurde von der Band selbst geschrieben und von Frontmann Gerdus Oosthuizen produziert. Etwas ganz Besonderes ist der Verlauf der Platte: Es gibt eine klare Einleitung, einen Wendepunkt und das Ganze wird mit einer schönen Ballade abgerundet. Die Entwicklung, die das Album dabei durchlebt, zieht sich einmal durch viele Musikstile und nur beim allerersten Reinhören klingen die Lieder sehr ähnlich. Bei den ersten drei Songs handelt es sich um Folk-Rock und -Pop, jedoch mit unbekannten Klängen. Diese unterstützen den teilweise mehrstimmigen Gesang sehr gut im Hintergrund und könnten von Bands wie „Mumford and Sons“ inspiriert sein. In dem Folgesong „I know you want me“ wird genau diese Zeile sehr oft wiederholt, was das Lied ein bisschen leiern lässt. Trotzdem markiert es einen interessanten Punkt auf der Platte, da man hier zum ersten Mal die E-Gitarre genauer heraushören kann. Das nächste Stück in dieser Übergangsphase ist eindeutig von Countrymusik beeinflusst und in „Take me to the water side“ hat Schlagzeuger Justin Bosman einiges zu tun. Dieses erste richtige Rockelement leitet die nächsten vier Lieder des Albums ein. Es sind sehr gitarrenlastige Songs mit eingängigen Riffs, wenig bis kein Einsatz der Akustikgitarre und damit eine klare Abgrenzung zum Beginn von „Lullabies for the restless“. Der Höhepunkt ist für mich die vorletzte Nummer „To yesterday“. Die Vielseitigkeit und der Einsatz von Stilmitteln wie Pausen und das Verändern der Lautstärke erinnern mich an Alternative-Rockbands wie „30 Seconds to Mars“. Den Abschluss bildet die einzige Ballade, nach der auch das Album benannt wurde. Gerdus tieferer Gesang und der dumpfe Klang der Trommeln harmonieren hier perfekt.

Die „Sons of Settlers“ erfinden Musik definitiv nicht neu. Sie verwenden bekannte Popmelodien, typische Gitarrenriffs und die Stimme des Sängers ist nicht besonders außergewöhnlich. Doch irgendwie haben sie es durch ihre Vielseitigkeit geschafft, ein wirklich hörenswertes Album zu machen. Der Titel „Lullabies for the restless“ ist insofern zutreffeSLEAZE.SonsOfSettlers1nd, als das die Lieder eine hypnotische Wirkung haben und sich eine bestimmte Rhythmik durch alle Werke zieht. Damit wäre der Schlafliedanteil („Lullabies“) geklärt. Das „restless“ würde ich auf den Wechsel der Musikgenres zurückführen. Sogar Blues- und Crooning-Elemente kann man entdecken.

Ich kenne nicht viele Platten, die musikalisch so etwas wie eine Handlung haben und genau aus diesem Grund hat „Lullabies for the restless“ diese Wirkung nur im Ganzen. „Sons of Settlers“ sind somit eine Band, bei denen es schwer ist ein Lied rauszusuchen, das ihren Stil beschreibt. Die Songs sind so gut wie immer sehr dynamisch und haben Ohrwurmpotential. Durch die Einflüsse ihrer Heimat kann man die Musik vielleicht am ehesten als südafrikanischen Folkrock bezeichnen und ich bin mir ziemlich sicher, dass es so etwas noch nicht gibt!

Maurin

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