Rocken statt Zocken mit dem Gameboy

Rocken statt Zocken mit dem Gameboy

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Mario und Jonathan sind zwei ganz normale Studenten. In ihrer Freizeit komponieren sie Musik, wie so viele ganz normale junge Leute. Naja…fast. Ein wenig ungewöhnlich ist ihr Musikinstrument dann doch. Du kennst es, und trotzdem hast du vermutlich niemals damit Musik gemacht: ACHTUNG! Es ist…der Gameboy! Elternschreck, Held der Kindheit und, offensichtlich, Musikinstrument

Du hast jetzt vermutlich die Musik von Tetris oder Donkey Kong im Kopf, was schon mal der richtige Ansatz ist. Ein anderer Name für Chiptune, wie sich die Soundchip-generierte Musik nennt, ist auch 8bit-Musik und sie wurde tatsächlich ursprünglich zur Untermalung von Videospielen entworfen. Zum Beispiel, um Aktionen akustisch zu unterstreichen, wie wenn Mario mit seinem – anscheinend ziemlich massiven – Kopf gegen Steine springt, um sich wandelnde Wachstumspilze zu ergattern, sich dabei aber nie auch NIE die Mütze zerknittert.

Auch wurde durch das Hinzufügen einer Melodie eine emotionalere Bindung zum Handlungsstrang erzeugt. Ich meine, ganz ehrlich, stell dir mal vor, du zockst besagtes Spiel auf lautlos.

Äääääh…nein?!

Auf jeden Fall sind einige dieser ulkigen Töne ja wirklich berühmt geworden. Den Sound von Super Mario und Tetris kennt jedes Kind. Okay, vielleicht nicht mehr die Kinder, die mit sechs Jahren ihr zweites iPhone 7 haben, aber du und ich. Die Vor-Jamba-Generation also. Auch Zelda und Kirby sind Klassiker, die jeder erkennt.
Nun ja…jedenfalls hat sich aus dieser Spiele-Begleitmusik eine Szene entwickelt, die sich mit der Erzeugung von diesem sogenanntem Chiptune beschäftigt.

SLEAZE + Gameboy-Musik
Die zwei in ihrem Element und mit dem Instrument ihrer Wahl
Aber was ist Chiptune denn nun eigentlich?

Hier ging es ursprünglich bei der Begleitmusik zu den Spielen darum, mit dem geringen Speicherplatz zurechtzukommen. Die ersten Soundchips konnten nicht mehr als drei Tonkanäle gleichzeitig abspielen, somit gibt es im Chiptune keine wirklichen Akkorde, da diese alle verfügbaren Kanäle belegen würden. Dafür gibt es aber halt etwas Nettes, dessen Aussprache ich mir nicht ganz sicher bin, aber da du liest, bist du dafür jetzt selbst verantwortlich: Arpeggios. Genau. Das sind sozusagen aufgebrochene Akkorde. Hier werden die Lücken einer Spur, zum Beispiel die des Basses, genutzt, um ein ganz anderes Instrument erklingen zu lassen. Stell dir das vor wie einen Reißverschluss: Ist quasi zerstückelt, aber funktioniert trotzdem ganz gut.

So ist es dann möglich, dass zwei oder mehr Melodien oder Stimmen auf einem Kanal erklingen.

Nun zum Wesentlichen. Wikipedia-Artikel durchforsten kannst du bestimmt eigenständig. Mario und Jonathan sah und hörte ich das erste Mal in einem Livestream zusammen Musik machen und war ganz entzückt, mit wie viel erfrischender Motivation und Begeisterung diese zwei (mehr oder weniger) erwachsenen Männer auf Gameboys rumdrücken können. Tatsächlich habe ich im ersten Moment nicht gecheckt, dass sie mit dem Drücken der (nicht all zu zahlreichen) Knöpfe auf ihren Boys die Musik live erzeugen. Und es überkam mich eine haushohe Welle an Nostalgie.

SLEAZE + Gameboy-Musik
An was Mario wohl beim Erstellen dieses wunderschönen Artworks dachte…?

Nun veröffentlichen Mario und Jonathan ihre extraordinäre EP „Kamino“, bei der sie dann allerdings unter ihren Künstlernamen auftreten. Mario bezeichnet sich selbst als „Klirre“. Übrigens hat er auch das verdammt geile Artwork selbst gemacht. Es zeigt den Energiekern der Cloning Facility auf dem Planeten Kamino. Du wirst vielleicht den Zusammenhang zu Star Wars langsam erahnen. Trotz der Parallelen in der ursprünglichen Idee ist das Werk äußerst eigenständig und vor allem stark emotionsgeladen, was mir sehr gut gefällt. Gemixt hat Jonathan alias Sajuuk das ganze gute Stück. Mehr dazu findest du auf der Bandcamp-Seite, wo man die EP gegen eine Spende downloaden kann. ODER du machst es wie ich und bestellst dir für kleines Geld eine super tolle Kassette! Die läuft dann natürlich nur, wenn du noch irgendwie Zugriff auf einen Kassettenspieler hast.

Übrigens nutzen die beiden für ihr Werk einen Real-time-Gameboy-Soundeditor namens nanoloop und als Instrumente auf der EP hatte Klirre einen Gameboy Classic und Sajuuk einen Gameboy Color.

Doro

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