Warum modernem Rock die Eier fehlen! Kann die Emo-Zwangskastration gestoppt werden?

Warum modernem Rock die Eier fehlen! Kann die Emo-Zwangskastration gestoppt werden?

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(zu finden in Heft Nr. 17, Seite 68-69)

Tokio Hotel sind nur eines der Aushängeschilder der so genannten „Neuen Härte“. Von Fans und Mainstream-Presse werden sie als die moderne Interpretation von „echtem, gnadenlosem Gitarrensound“ gefeiert. Nun, die meisten deren Anhänger haben noch nicht einmal die 20 erreicht – selbiges gilt auch für die Künstler. Kann man also einen solchen Hype wirklich ernst nehmen? Die Verkaufszahlen sagen JA. Kann man bei diesem weichgespülten Emo-Geheule aber wirklich von „hartem Rock“ sprechen? Ein vergleichender Blick auf gestandene Vertreter des Genres offenbart ein wimmerndes Häufchen Elend, welches sich in glorreichen Tagen mal „Rock“ nannte. Doch wir haben nach intensiver Suche auch junge Bands gefunden, deren Sound noch nicht derart vergewaltigt wurde. Wir nennen euch die Namen, die den Weg zurück ins Gitarrenparadies weisen. Wie immer, weit abseits des Mainstreams – zumindest darauf kann man sich verlassen!

Gönnen wir uns zunächst einem wehmütigen Blick zurück. Was machen denn heute die ganz Großen aus den 80er und 90er? Schon tot, in Rente oder noch schlimmer: auch auf den kuschelweichen Pseudo-Rock-Zug aufgesprungen?

Metallica

 Die Heavy-Metal-Opas haben der Musikwelt nicht nur Meilensteine wie „Master of Puppets“ oder „…and Justice for all“ beschert, sondern sich auch stetig dem aktuellen Mainstream angepasst. Die Folge waren auch eher gewöhnungsbedürftige Alben wie „Load“ oder „St. Anger“. Man könnte eigentlich erwarten, dass sich James Hetfield und Co. nun ebenfalls am angesagten softeren Emo-Stil orientieren, um noch ein paar Dollars extra rauszuquetschen. Allerdings ist „Death Magnetic“ alles andere als „weichgespült“ und geht viel mehr wieder voll auf die Zwölf und in die Richtung der alten Tage – vor dem gleichwohl legendären, als auch sehr kommerziellen „schwarzem Album“. Die Jungs haben ohne Zweifel immer noch Spaß am Musik machen und wenn sie weiter so kompromisslos zur Sache gehen, sorgen die Urväter des Metals höchstpersönlich dafür, dass auch die Teenies von morgen nicht vergessen, was „harter Rock“ wirklich ist!

TOOL

Progressive Rock bzw. Metal hat einige namhafte Vertreter. Unter ihnen Porcupine Tree, Dredg oder The Mars Volta. Als Erfinder gelten King Crimson, die schon 1968 filigranen Rock mit Saxophon und Jazz-Zutaten kombinierten und sich kontinuierlich weiterentwickelten und sogar heute noch aktiv sind. Sie pflanzten die Wurzeln für eine der spannendsten Bands unserer Zeit: TOOL. Seit ihrer Gründung 1990, liefert die Band aus Los Angeles, USA einen sehr eigenständigen Sound und schaffte es auf jedem Folgealbum sich zu entwickeln, ohne sich selbst zu verkaufen. Gerade das Konzeptalbum „Lateralus“ (VÖ: 2001) ist technisch perfekt ausgefeilt und ein absolutes Meisterwerk! Bislang drei Grammy Awards für eine derart unkommerzielle Band, unterstreichen dabei nur umso mehr, dass sich Qualität immer noch durchsetzt. Seit „10.000 Days“ aus 2006, warten Fans allerdings auf neuen Output und da der Kopf der Band, Maynard James Keenan, immer wieder auf diversen Hochzeiten tanzt (unter anderem als Sänger von A Perfect Circle)  und momentan sehr mit seinem Soloprojekt Puscifer, kleineren Schauspiel-Engagements und nebenbei noch mit Weinanbau beschäftigt ist, dürfte es vor mindestens 2011 leider keine neue Scheibe geben. Zumindest hat eine kurze Tournee letzten Sommer durch die USA unterstrichen, dass die Gruppe noch nicht am Ende ist. Apropos Konzerte: besonders viel wert legt TOOL auf eine akkurate Live-Darbietung der Songs. Diese sind mittlerweile auf einem solch hohen Level, dass nicht selten Vergleiche zu den Rock-Göttern schlechthin – Pink Floyd – gezogen werden – nicht zuletzt, seit TOOL den Zuschauern nun auch eine ausgefeilte Lasershow präsentieren.

Dream Theater

Ein weiteres Progressive-Metal-Schwergewicht. Seit nunmehr 25 Jahren gibt es die New Yorker Combo in wechselnder Besetzung. Konstante Größe ist Schlagzeuger und Sänger Mike Portnoy, der Kopf und Mitbegründer der Band. Sehr anspruchsvolle Arrangements brachten der Gruppe zu recht einen exzellenten Ruf ein. Vor allem Live hat Dream Theater den Anspruch, immer zu überraschen und so wird sehr viel Wert auf eine wechselnde Setlist gelegt. Zudem wird der Soundcheck nur über Kopfhörer gespielt, damit niemand zu früh weiß, was ihn an diesem Abend erwartet. Ja, man darf der Band ruhig einen Hang zum Perfektionismus attestieren. Fans der Band sollten auch der Gruppe OSI Gehör schenken. Diese wurde von Ex-Dream-Theater-Keyboarder Kevin Moore gegründet und auch Mike Portnoy selbst wirkte bei einigen Tracks als Gastmusiker mit. Dream Theater, als auch OSI haben 2009 neue Alben auf den Markt gebracht und somit der Kommerz-Krake ordentlich Paroli geboten.

Aber Musikfeinschmecker müssen nicht nur auf die gewohnte Qualität von alternden Stars zurückgreifen. Die folgende Künstler sind ganz heiße Tipps und wir fordern jeden auf, reinzuhören!

Hectors Revenge

Mit diesem absoluten Geheimtipp hat man immer ein Ass im Ärmel um Freunde zu überraschen. Bislang noch im aufstrebenden „Local Hero“-Status, sind die vier Rocker vor allem in San Diego, USA bekannt. Doch dank Myspace und den Vorzügen des Internets, schwappt interessante Musik immer schneller über eine kleiner werdende Welt. Deutlich inspiriert durch Bands wie TOOL, Incubus oder die Red Hot Chili Peppers, liefern Hectors Revenge sehr starken Gitarrensound. Schon die erste EP, welche letztes Jahr veröffentlich wurde, klang um Welten spannender, als vieles, was in den letzten Jahren von etablierten Bands auf den Markt gebracht wurde. Derzeit schrauben die Jungs fleißig an der ersten LP und man darf sehr gespannt sein, ob sie das erste Ausrufezeichen bestätigen und noch eine Schippe drauf legen können.

Hörproben: www.hectorsrevenge.comwww.myspace.com/hectorsrevenge

Rishloo

In dieselbe Kerbe wie Hectors Revenge schlägt auch Rishloo. Eine junge talentierte Band, welche allerdings schon einen kleinen Schritt weiter ist und hart dafür kämpft, den Fankreis zu erweitern. Zwar noch weit davon entfernt an erste Welttourneen zu denken, erobern sie schon Stück für Stück die USA. Und die Qualität ihrer Platten weiß zu überzeugen! Die aktuelle Scheibe „Feathergun“ wurde im Dezember 2009 veröffentlicht und auch auf dem dritten Longplayer beweisen Rishloo, dass sie anderes im Sinn haben, als 3-Minuten-Radio-Songs. Innovative, melodische, progressive Soundteppiche warten auf aufgeschlossene Ohren. Vor allem das Album „Eidolon“ mit seinen fließenden Übergängen ist ein absoluter musikalischer Leckerbissen und jedem zu empfehlen!

Hörproben: www.rishloo.com / www.myspace.com/rishloo

Pure Reason Revolution

England bietet nicht nur Brit Pop, sondern auch einige spannende Progressive und Alternative Rocker wie Oceansize, Porcupine Tree oder Amplifier. Pure Reason Revolution ist eine Combo sehr junger Briten, die sich einem sehr eigenständigen Sound verschrieben haben. Beeinflusst von Pink Floyd, klingt die Band sehr innovativ und vermischt klassische Gitarrenklänge mutig mit elektronischen Effekten. Das Ergebnis ist eine Melange aus Progressive Rock und Ambient-Klängen, garniert mit spannenden Gesangsparts – bis zu zwölf Minuten lang. Nach dem starken Debütalbum „The Dark Third“ aus 2006, kam im letzten Jahr das zweite Album „Amor Vincit Omnia“ in veränderter Besetzung auf den Markt. Der Personalwechsel wirkte sich auch auf den Sound aus, welcher nun noch ein wenig mehr „elektronisch“ klingt. Das Ergebnis kann sich aber durchaus hören lassen!

Hörproben: www.myspace.com/purereasonrevolution

Pascal Scheib

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