Rock am Ring – ohne Ring

Rock am Ring – ohne Ring

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Damals…2011 im Warsteiner Village bei Rock am Ring. SLEAZE gibt Wissen weiter.

Nein, es geht nicht um eine traurige Hochzeitsgeschichte. Zum ersten Mal in der Geschichte des Festivals findet Rock am Ring nicht auf dem namensgebenden Nürburgring statt. Seit 1985 veranstaltete Marek Lieberberg auf dem Gelände in der Eiffel das Musikfestival. Mitte letzten Jahres kam dann die Nachricht: Das RaR sucht eine neue Location! Und die hat man mittlerweile auch gefunden. Pünktlich zum 30-jährigen Jubiläum findet Rock am Ring erstmalig in Mendig statt, nur 33 km vom alten Standort entfernt.

Neuanfang in der Pfalz

Nochmal kurz zurückspulen: Grund für die Suche nach einer neuen Location seien die neuen Besitzer des Nürburgrings. Diese stritten sich mit dem Rock am Ring-Veranstalter ums liebe Geld. Im Interview mit der Bild am Sonntag redete Marek himself sich den Frust von der Seele: „Die neuen Herren am Ring verstehen möglicherweise viel von Kolben, aber wenig von der Kultur […] Tradition und die Erfolgsgeschichte spielen offenbar keine Rolle.“ Selbst schuld, mit Rock am Ring springt den neuen Besitzern ein starker Kunde vom Haken und bildet nun gleichzeitig eine neue Konkurrenz.

Die Reaktionen waren gemischt. Nachdem Veranstalter Marek Lieberberg Mönchengladbachs Angebot für eine Location absagte, fiel das Auge auf den Flugplatz Mendig in der Vulkaneiffel. Einige hoffen auf einen wirtschaftlichen Aufschwung durch das Festival, andere befürchten die totale Katastrophe, da das Festival viel zu groß für die vorhandene Infrastruktur sei. Ähnlich geht es dem Ortsteil Wacken mit seinen nur knapp 2.000 Einwohnern. Einmal im Jahr bekommen diese den (mittlerweise nicht mehr so großen) Kulturschock ihres Lebens mit dem 70.000-Mann-Event Wacken Open Air, welches einmal im Jahr stattfindet. Ähnliches hat Marek mit dem 8.500-köpfigen Ort Mendig vor. So schwärmte er in der Pressekonferenz von einem „Feld der Träume“, nur halt mit etwas mehr Müll und Menschen, die zu lange dem Alkohol in Kombination mit der Sonne ausgesetzt wurden.

Festival-Beef: Geldstreit und Namensänderungen

Nachdem Rock am Ring für den Flugplatz Mendig bestätigt wurde, sollte „Die Grüne Hölle“ den Einzug auf die Rennstrecke feiern. Daraus wurde aber nichts. Bevor die Leute überhaupt so richtig etwas von der Grünen Hölle mitbekamen, wurde schon der Umzug angekündigt. Vom Nürburgring zur Veltins-Arena und aus der „Grüne Hölle“ wurde „Rock im Revier.“ Auch hieran sollen die bösen Menschen von der capricorn Nürburgring GmbH verantwortlich sein. Laut DEAG-Chef Peter Schwenkov (verantwortlich für Rock im Revier) liegt der Grund bei einem Vertragsbruch seitens der Nürburgring-Besitzer. Diese beteiligten sich entgegen der vertraglichen Vereinbarungen zu keinem Zeitpunkt an Künstlergagen oder Werbemaßnahmen. Die andere Seite gibt dieses Argument natürlich gespiegelt wider und schon findet man sich in einem Kindergarten-Bauklötze-Kampf.

Wenigstens eine gute Sache hat das Ganze: Marek Lieberberg darf den Festivalnamen „Rock am Ring“ behalten, nur der Ring selbst bleibt im Besitz von capricorn. Die sitzen jetzt mit leeren Händen da und gucken zu. wie sich die Menschen sowohl auf dem 30-jährigen Jubiläum von Rock am Ring in Mendig vergnügen als auch in der Veltins-Arena bei Rock im Revier. Blöd gelaufen.

Tickets von 2012.
Tickets von 2012.
Rock am Ring wird 30!

Kommen wir zu den erfreulicheren Nachrichten: In knapp zwei Wochen startet Rock am Ring! Ab 5. Juni werden die Autos mit den Worten „RaR“ zugeklebt, Alkohol wird in Plastikflaschen umgefüllt und die Wasserpistolen mit Bier geladen. Während sich Rock im Revier eher auf den Metal-Bereich bezieht, vertritt Rock am Ring wieder einmal eine Vielzahl von Musik-Genres. Von Alternative, Rap bis hin zum Metalcore und Hardcore. Beide Festivals haben ihren Reiz. Rock im Revier verlockt mit den Nu-Metal-Mitbegründern Limp Bizkit, während Slipknot in Mendig die andere Seite des Genres verteidigt. Ebenfalls vertreten in der Veltins-Arena sind die Metal- und Rockurväter Metallica und Kiss.

Wer mehr offen und für eine gesunde Mischung von Genres und neuen Bands ist, der ist mit Rock am Ring gut bedient. Wer sich jedoch lieber puren Metalklängen widmet, der ist bei Rock im Revier besser dran. So wirklich nutzen tut euch diese Weisheit jedoch nicht mehr viel, denn Rock am Ring ist seit mehreren Wochen ausverkauft. (JAAAA, wir verlosen natürlich hier noch Tickets demnächst.) Wer sich noch spontan für Rock im Revier entschieden hat, der sollte sich sein Zelt schnappen und schnell die Tickets sichern. Meine Wahl fällt hier definitiv auf Rock am Ring. Zusammen mit meinen persönlichen Favoriten wie Slipknot oder The Ghost Inside war die Wahl nicht sonderlich schwer. Wie schon erwähnt wird das Festival pünktlich zum Locationwechsel 30, vielleicht erwartet uns ja sogar noch eine Überraschung? Egal was es wird, nichts kann den „Überraschungsgast“ von 2014 überbieten. Cro… Bitte, Rock am Ring, gebt euch diesmal mehr Mühe. Es ist euer JUBILÄÄÄÄÄUM!

Aber wie auch immer: Festivals sind einfach eine schöne Erfahrung. Auch bei dem matschigsten Wetter und den kältesten Temperaturen machen die Besucher und die auftretenden Bands das alles wieder gut. Egal ob bei einer Schlammparty oder einer Wasserschlacht, Festivals geben uns eine schöne Auszeit vom Alltag. Ein Ort, an dem man sich neben einem 30-jährigen im Affenkostüm wie zuhause fühlt. Oder war das nur bei mir so?

Anne

P.S.: Und wer jetzt Lust aufs RaR bekommen hat, hüpfe schnell hier hin.

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