(Rock am) Ring frei, der SLEAZE-Festivalbericht, Runde 1

(Rock am) Ring frei, der SLEAZE-Festivalbericht, Runde 1

Die Uhr zeigt 12:00 Uhr und mein erstes Mal Rock am Ring stand an. Ich war dementsprechend gespannt, was mich - abgesehen von einer ganzen Latte grandioser Bands - erwarten wird. Das Bier war verstaut, das Zelt gepackt und die Festivalgitarre wurde ein letztes Mal gestimmt. Na dann mal rein ins Getümmel!

TEILEN

Donnerstag, 01.06.2017 – Nürburg, wir kommen.

Das Ziel steht.

Standort: Berlin, Ziel: Rock am Ring. Was sagt spontan das Navi dazu? 665 Kilometer, sieben Bundesländer, sechs Stunden und 34 Minuten Fahrt… na holla die Waldfee, ich mach schon mal das erste Bier auf…

Von Berlin ging es an Leipzig vorbei, weiter über Erfurt und Gießen, Koblenz und schließlich nach Nürburg. Die Entscheidung gegen den Ruhrpott und stattdessen die Strecke durch Mitteldeutschland anzupeilen, sollte sich dabei reichlich auszahlen: Die Fahrt verlief zu unserer Überraschung aka Freude doch tatsächlich annähernd reibungslos. Sonnenschein und freie Straßen bis an den Ring. Lobend muss hierbei unbedingt nochmal die wirklich sehenswerte Landschaft erwähnt werden: So viel wunderschönste(!) Wälder und Grünflächen wie durch Thüringen und Hessen dem geneigten Autobahnnutzer um die Augen gehauen wird, war für mein Berliner Graffiti und Beton gewohntes Sehzentrum ja schon fast zu viel des Guten. Gehirnfasching olé!

Gegen 18:30 Uhr erreichten wir den Ring. Wie nicht anders zu erwarten, waren die Straßen zum diesem Zeitpunkt um das Festivalgelände recht gut gefüllt, um nicht zu sagen: sch***e voll. Auf der Hinfahrt entschieden wir uns, den Hatzenbach-Zeltplatz anzupeilen, da man von diesem – neben dem relativ kurzen Weg zum Festivalgelände – einen optimalen Blick auf die Nordschleife hat. Und wenn man schon mal am Ring zu Besuch ist, kann man ja auch nebenbei gleich noch ein paar hochgezüchteten Personenkraftwagen mit 500 PS beim Asphalt-strapazieren zuschauen.

Nach einer – gemessen am Straßenaufkommen – entspannten Stop-and-Go-Phase von etwa einem halben Stündchen erreichten wir motiviert den Eingang zu unserem favorisierten Zeltplatz. Und da wartet auch direkt die erste gute Nachricht des Wochenendes auf uns: Wir konnten doch tatsächlich neben unserem Auto zelten. Was auf kleineren Festivals in der Regel den Normalzustand definiert, kann man bei Rock am Ring getrost als luxuriöse Ausnahmesituation bezeichnen. Zumindest wenn man nicht 35€ mehr für eine Daseinsberechtigung auf den frühzeitig ausverkauften Rock´n´Roll-Campingplätzen löhnen möchte. Ich hatte mich mental schon auf einen mindestens halbstündigen Fußmarsch mit 25 Kilo Marschgepäck eingestellt und plötzlich finde ich mich auf einer Patchworkdecke aus Autos UND Zelten wieder. Das Wochenende konnte also starten.

Auf einer ebenen Fläche zelten ist halt auch was für Anfänger.

Gegen 19:30 Uhr stand bereits das Zelt – das nenn ich mal Motivation bei der Arbeit – und nach dem Aufbauen der (Bei)-Schlafgelegenheit ging es auf Erkundungstour. Das Areal des Hatzenbachs war übersät mit Sträuchern, Bäumen sowie vor allem Schrägen (Typen) und (entspannte) Abhänge(r)n. #achtungderkommtflach

Nur selten waren ebene Fleckchen zu erspähen, auf denen man problemlos hätte Schnaps-Jenga oder Bierpong spielen können. Aber naja, wer senkrecht schläft, dem fällt das Aufstehen bestimmt auch leichter. Nachdem Wasserstelle und Dixis ausfindig gemacht wurden, ließ auch das erste Begrüßungs-Bier mit den neu gewonnenen Zeltnachbarn nicht lange auf sich warten. Recht zügig zollten daraufhin allerdings auch schon die gefahrenen Kilometer und vielen Stunden im Auto ihren Tribut. Die Schlafsäcke riefen und mit freudigen Erwartungen an den nächsten Tag ging es ins eiffel´sche Träumchenland.

Jemand ´ne Idee, wie wir uns die Zeit bis zur ersten Band vertreiben können?

Freitag, 02.06.2017 – Kein Rammstein wegen Ramstein

Nach einer festivalwürdigen Nacht – unbequem & laut – wartete nun also der erste (richtige) Festivaltag auf uns. Künstler und Rumpelkapellen à la Clutch, In Flames, Five Finger Deathpunch, Marteria und Rammstein standen auf dem Programm. Bevor dieses Freudenfest der Volksmusik allerdings starten konnte, musste erst einmal etwas zu beißen auf den Tisch. Und Frühstück – das weiß jeder Festivalbesucher – ist dabei ein verdammt dehnbarer Begriff. Von der klassischen Stulle mit Brot über Ravioli aus der Konserve bis hin zu zwei warmen Dosenbier ist hierbei alles möglich. Der perfekter Zeitpunkt also, um dem mittlerweile vielzitierten Lidl-Rockshop einen Besuch abzustatten.

Ich hab in letzter Zeit soviel darüber gelesen und noch mehr geschrieben, dass es Zeit wurde, das gute Stück nun auch mal aus der Nähe zu begutachten. Und vor allem auf Herz und Nieren zu testen. Oder besser gesagt in dem Fall: auf Obst und Grillgut. Es hieß schließlich nach 2015 und ´16 das erste Mal: „RockShop goes to Nürburgring.“ 

Die Lidl RockShop-Ausgabe des Rock am Ring 2017

Nach gutgelaunten 20 Minuten Fußweg war es soweit: Wir standen in einer Lidl-Filiale, während wir im selben Moment Besucher des größten OpenAir-Festival Deutschlands waren. Verrückte Welt. Groß, gut gefüllt (die Gänge + Regale) und vor allem saupraktisch waren dabei die Gedanken, die mir im Laufe des Einkaufs permanent im Kopf herumschwirrten. Der Grund dafür war, dass ich bisher noch nie in das Vergnügen solch einer „normalen“ Einkaufsmöglichkeit auf einem Festival gekommen bin.

Das größte Musikwochenende, von welchem ich bisher ein Stück Band am Arm baumeln hatte, war das With Full Force in der Nähe von Leipzig mit ~25.000 Zuschauern. Abgesehen von den (bisherigen) sieben Intermezzos in Roitzschjora standen auf meinem Sommerplan sonst immer überschaubarere Veranstaltungen und Tagesfestivals. Die Größenordnungen waren dabei in den Kategorien Beachrock Helenesee, Destructions Derby oder Impericon Festival anzusiedeln. Auf keinem dieser Kandidaten war bisher allerdings ein Lidl RockShop zu finden.

Die Mittagsschlange am Lidl RockShop.

Und das kann ich nun rückblickend nicht wirklich als Glücksfall bezeichnen: Nie zuvor habe ich so wenig essen zu einem Festival mitnehmen müssen, da alles direkt vor Ort war. Nie zuvor konnte ich so gut mit allem Ess- und Trinkbarem haushalten, da der Nachschub jederzeit garantiert gewesen ist… und noch dazu die Discounterpreise. Eine willkommene Abwechslung zu einer Reispfanne oder einem Stück Pizza für 7€ auf dem Festivalgelände. Grölende Zustimmung des Kunden bekam ich sogar dafür, als ich diese Freude – an der Kasse anstehend – meinem Hofdiener mitteilte. Dann muss da ja wohl ´was Wahres dran sein. Für mich persönlich jedenfalls eine grandiose Neuerung, an die ich mich gern in Zukunft bei jedem Festival gewöhnen können möchte!

Der Einkauf war also getätigt. Die Vormittagszeit wurde nach der Lebensmittelbeschaffungsmaßnahme dennoch stilecht mit Brot, Ravioli und Bier überbrückt – nach etwas anderes lechzt der Körper auf Festivals ja auch nicht. 😉 Nebenbei konnten wir noch ein paar geschwindikeitsmodifizierten Rennkisten dabei zuschauen, wie sie auf der Nordschleife versuchten, die Bestzeit von Stefan Bellof zu knacken. Wobei selbstredend auch die Akustikliebhaber voll auf ihre Kosten kamen.

Nein, auch wenn es so aussieht, parken tut hier niemand – die Kisten hatten zum Zeitpunkt des Fotos gut 150 km/h auf dem Tacho.

Was aus den Endrohren der Edelkarossen teilweise herausgebrüllt kam, gehörte durchweg in die Kategorie: „Alter Vadder, was zur Hölle?“ Zwischendurch wurde noch etwas über Fuhrwerke und deren wünschenswerten Hubraum philosophiert. Unterm Strich ist so ein Blick auf eine Rennstrecke eine fantastische Möglichkeit, um vormittags die Wartezeit auf Bands fast schon sinnvoll zu überbrücken: Autos dabei zuschauen, wie sie im Kreis fahrend Unmengen an Treibstoff verheizen und dabei Lärm wie 150 Kreissägen machen – geil!

Langsam wurde es dann aber auch laut am Ring. Und nicht nur aufgrund der röhrenden Wagen. Ein guter Zeitpunkt, um sich ein Wegbier zu schnappen und die Bändchenausgabe anzupeilen. Auf dem Weg dahin ging es noch einmal am Lidl RockShop vorbei, der zu diesem Zeitpunkt bereits brechend voll gewesen ist. Die pornöse Einkaufsmöglichkeit scheint sich mittlerweile herumgesprochen zu haben. Das letzte Jahr in Mendig soll es vor dem Einkaufszelt Warteschlangen von bis zu 250 Meter gegeben haben. Das war zu diesem Zeitpunkt (noch) nicht der Fall, nichtsdestotrotz war die Nachfrage unheimlich groß. Wir waren aber diesmal glücklicherweise mehr am Wohnzimmer der RockShop-Oma Jutta interessiert, um den vom Navi strapazierten Handyakku wieder etwas O-Saft zuzuführen. Nachdem das geschehen war, ging es mit dem roten RaR-Bändchen am Arm das erste Mal aufs Gelände.

Die Volcano Stage kurz vor dem Auftritt von Five Finger Death Punch.

Wären Skindred gerade die Volcano Stage anheizten (#husthust), ging es zum Pressetermin mit Marek Lieberberg und MagentaMusik360. Auf dieser ließen der Chef des RaR und das neue Musikangebot der Telekom ihre neue Kooperationskatze aus dem Sack: Ab sofort kann man bei der deutschen Telekom online, per App und bei EntertainTV Konzerte seiner Lieblingskapellen live und in 360° verfolgen. Egal wo man ist, verpassen muss man dadurch also nix mehr. Wenn die Telekom vor Ort ist, kann man beispielsweise in seinem Wohnzimmer mit der VR-Brille seine Lieblingsband in 360° erleben, obwohl diese möglicherweise gerade hunderte Kilometer entfernt auftritt. So zumindest die Vision der Telekom…

Da hat er gut lachen, der Marek.

Für MagentaEINS Kunden gibt es zusätzlich noch das exklusives Prio Ticket-Programm, mit dem man für ausgewählte Konzerte ein Vorverkaufsrecht an Tickets noch vor dem eigentlichen Vorverkaufsstart hat. Man kann sich quasi seine Tickets bestellen, noch bevor die Bands selbst überhaupt wissen, dass sie dieses Konzert überhaupt spielen werden. Auch wenn es nicht möglich ist das Live-Erlebnis eines Konzerts zu ersetzen kann sich der geneigte Musikliebhaber mit Sicherheit auf die medialen Möglichkeiten für Konzerten und Festivals in Zukunft freuen…

Nachdem der Pressetermin abgehakt war, konnten wir uns wieder der Musik widmen. Allerdings ja nicht lange, denn wie der Freitagabend endete, ist ja mittlerweile hinlänglich bekannt. Die Broilers machten gerade Radau, bis gegen 19:50 Uhr die Nachricht verkündete wurde, dass aufgrund einer terroristischen Gefährdungslage alle noch anstehenden Konzerte des Tages abgebrochen werden müssen.

Gute Laune, auch kurz nach der Unterbrechung des Festivals.

Das galt selbstverständlich auch für die beiden musikalischen Schwergewichte Rammstein und Marteria, welche am Abend noch folgen sollten. Die Stimmung war gedrückt, aber die Partystimmung ließ sich dadurch kaum ein Besucher vermiesen.

Auf dem Weg zu den Campingplätzen stimmten einige Fans „You´ll never walk alone“ an, demonstrierten damit Geschlossenheit und feierten einfach weiter. Zurück am Zelt, wurde sich mit Bierpong und Gesprächen über Gott und die Welt die Zeit vertrieben in der Hoffnung, dass das restliche Musikwochenende wie geplant ablaufen kann. Kurz darauf ging auch die Nachricht herum, dass eine Pressekonferenz am nächsten Tag für Klarheit sorgen sollte.

Damit die „Hosen“ am nächsten Tag nicht auch noch absagen, wurden ihnen am Vorabend direkt noch ein paar Artgenossen geopfert.

– Achtung, was nun folgt ist der wohl überflüssigste und unsinnigste Cliffhangerversuch in der Geschichte des SLEAZEmag –

Und ob RaR 2017 wie geplant fortgeführt werden, Rammstein oder Marteria doch noch spielen und die Gründe für die Gefährdungslage noch geklärt werden konnten ODER doch alles abgebrochen werden musste und der Ring im absoluten Chaos versank, das erfährst du morgen im zweiten Teil meines Rock am Ring-Festivalberichts. Die Devise ist klar: Einschalten ist Pflicht! 😉

Axel

KEINE KOMMENTARE

Kommentar verfassen