Rick & Morty: Die beste Serie seit den Simpsons?

Rick & Morty: Die beste Serie seit den Simpsons?

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Rick & Morty ist eine Animations-Serie, die in den USA bei Adult Swim läuft. In Deutschland wurde sie bei TNT Serie ausgestrahlt, einem Kanal, von dem ich noch nie gehört habe. Macht aber nichts, denn jetzt kann man sich die erste Staffel mit elf Episoden auch auf Blu-ray oder DVD schießen.

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Rick & Morty auf fantastischen Welten

Worum geht‘s? Fangen wir mal so an: Rick & Morty ist so was von irre! Selbst wenn du schwerstes ADHS haben solltest, wird dir bei dieser Serie garantiert nicht langweilig werden. Denn: Wir leben auf Erddimension C-137 (falls dich mal jemand fragen sollte!). Das heißt – Achtung, jetzt wird‘s richtig nerdig! –, dass es nicht nur dieses große Universum „da draußen“ gibt (in dem es in Rick & Morty auch anderes Leben gibt), sondern vor allem auch andere (parallele) Dimensionen. Und in denen gibt‘s z.B. andere parallele Erden. Mit anderen parallelen Versionen von dir!

Du merkst schon, Rick & Morty ist Science-Fiction. Gleichzeitig ist die Serie sehr, sehr lustig. Moment mal, so was gab‘s doch schon mal? Richtig, Futurama fällt da ein. Und Rick ist auch ein verrückter und etwas schrulliger Wissenschaftler, genau wie Professor Hubert Farnsworth in Futurama. Manchmal erinnert er auch an den Doc aus Zurück in die Zukunft. Allen dreien ist aber gemeinsam: Sie sind genial. Rick ist wissenschaftlich gesehen der begabteste Mensch auf der Erde (und auch im interdimensionalen Vergleich schneidet er nicht schlecht ab). Er hat eine Art Fernbedienung, mit der er Dimensionstore öffnen kann. Durch diese kreisrunden Dinger musst du nur einen Schritt machen und bist ganz woanders. Er hat aber auch ein super Raumschiff und einen Raumschiffantrieb entwickelt, der seinesgleichen sucht. Physiker und Erfinder durch und durch, kann er so ziemlich alles – außer trocken bleiben. Denn Alkoholiker ist er auch.

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Rick hat notorische Probleme trocken zu bleiben, auch am Steuer seines kleinen Raumschiff-Flitzers

Morty dagegen ist Ricks Enkel, ein kleiner Junge mit großem Herzen, manchmal ein bisschen unbedarft und sowieso erst 14. Rick nimmt ihn immer mit auf seine großen Abenteuer, obwohl Morty das manchmal gar nicht möchte; und auch immer sieht, wie gefährlich das Ganze eigentlich ist.

Die Serie besteht im Grunde daraus, dass Morty und Rick interdimensionale Abenteuer erleben und kreuz und quer durch Welten unterwegs sind. Für die meisten Verwicklungen sorgt dabei stets Ricks extrem eigene Art, die Unverhandelbarkeit seiner Ansichten sowie seine generelle (scheinbare) Unvernunft und Uneinsichtigkeit. Der Mann weiß eben, was er kann und will. Die anderen Dimensionen sind dabei an Fantasie nicht zu überbieten: Hier ist die Evolution ganz andere Wege gegangen, dort ist der ganze Planet nur von Frauen bevölkert und zur Begrüßung sagt frau: „Hallo, ich bin hier, wenn du reden möchtest.“ Alles ist möglich, denn alles hat eine eigene Dimension.

Einmal werden Morty und Rick beispielsweise von insektoiden Polizisten verfolgt. Rick gibt seinem Enkel eine Waffe. Morty sagt: „Ich möchte niemanden erschießen.“ Ricks Antwort an den Enkel: „Das ist okay, Morty, sie sind nur Roboter.“ Morty schießt daraufhin einem Insekt die Beine weg. Sofort schreit das Insekt ganz herzzerreißend. Ein anderes kommt gelaufen, hält dem Schwerverletzten die Hand, und ruft: „Glenn verblutet, jemand muss seine Frau und Kinder informieren!“ Es ist schon klar, was hier passiert, und doch ist es genial: Aus gesichtslosen und nicht individuellen Handlangern werden über den Namen und die Familie Leute wie du und ich gemacht. Oops, plötzlich ist es nicht mehr so schön, Glenn die Beine weggeschossen zu haben.

Allein das wäre schon ziemlich lustig. Die Szene geht aber noch weiter: Morty sagt daraufhin zu Rick: „Es sind keine Roboter.“ Rick erklärt dann, dass er das mit den Robotern nur übertragen gemeint hätte, es wären eben Bürokraten und deshalb Roboter.

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Gruppenfoto mit der ganzen Family: In der Mitte Summer, hinter Morty seine Eltern

Rick & Morty ist also intelligent. Aber nicht nur Physik-nerdig-Sci-Fi-intelligent, sondern auch lebensklug und psychologisch geschliffen (wie jede gute Serie sein sollte). Dazu noch krank und schräg, in bester Simpsons– oder Family Guy-Manier. Doch dabei auch eigenständig und nicht eine vorherige Serie nachmachend (wie etwa Family Guy mit den Simpsons). Lustig eben sowieso. Und, ähnlich den frühen Simpsons bis ca. um das Jahr 2000 herum oder einige Jahre später, vollgepackt bis zum geht nicht mehr. In der zweiten Folge geht es z.B. darum, dass Rick den Hund der Familie schlau macht, woraufhin der die Weltherrschaft übernimmt. Das ist der Handlungsstrang von Mortys Familie, bestehend aus seinen Eltern Beth und Jerry sowie seiner älteren Schwester Summer. In Ricks und Mortys Story innerhalb dieser Episode 2 wird dann aber Inception parodiert. Am Ende laufen beide Handlungsstränge zusammen. Und jetzt zeig mir mal die Serie, die aus zwei solchen Ideen nicht zwei Folgen gemacht hätte. Das kommt aber bei Rick & Morty gar nicht in die Tüte, so gut ist die Serie und so randvoll mit kreativen Ideen.

Von anderen super Serien der Gegenwart wie Game of Thrones oder The Walking Dead unterscheidet sich Rick & Morty dadurch, dass ziemlich jede Folge neu anfängt. Die Handlungsstränge ziehen sich nicht oder nur ziemlich selten von Episode zu Episode weiter. In der Hinsicht ist es eher eine klassische TV-Serie, wobei beliebte Charaktere, die nicht im Haus der Familie wohnen, wie etwa der Birdman, auch immer mal wieder auftauchen. Die verrückten Inhalte sind jedoch so gar nicht üblich. Ein anderes Beispiel: Rick und Morty klettern eine riesige Treppe hinunter. (Frag mich nicht, wie es dazu kam.) Plötzlich gibt es in einer Stufe dieser riesigen Treppe eine mittelalterliche Taverne, die „Durstige Stufe“. In dieser Schenke trinken Stufenwesen, also Gestalten, die wie Treppen aussehen, aber mit Armen, Beinen und Gesicht. In der Taverne bietet ihnen eine Art Schnecke an, auf ihrem Rücken, natürlich gegen Bezahlung, den Rest der Treppe herunterzureiten bzw. -zuschleimen, denn das ist ziemlich anstrengend, im Schnecken-Taxi allerdings kein Problem…

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Jerry und Rick im Kampf um Morty, dahinter Summer, wie immer am Telefon und gelangweilt.

Außer Rick und Morty selber gibt es dann auch noch Summer, Mortys ältere Teenage-Schwester, sowie seine Eltern. Gerade Mortys Vater Jerry ist der geborene Loser und einer der besten Charaktere der Serie. Der Mann hat einfach Null Mumm. Summer hingegen hat einmal ziemlich damit zu kämpfen, dass sie in den meisten anderen (Parallel-)Dimensionen nie geboren wurde. Denn das macht die Dimensionsidee aus: In Parallelwelten sind Kleinigkeiten in deinem Leben anders gelaufen. Manchmal auch ganz große Lebensentscheidungen wie die Wahl der Karriere oder das Kinderkriegen. Dadurch kommen ganz andere alternative Leben von dir selbst heraus. Rick hat sogar eine Brille entwickelt, die aussieht wie eine VR und durch die man sich diese Leben anschauen kann. Einmal modifiziert er auch den Fernseh-Receiver der Familie, so dass man interdimensionales Fernsehen schauen kann. Und diese einzelnen interdimensionalen Clips sind der (positive) Wahnsinn.

Und der Humor steckt wirklich in allem, auch manchmal in nur winzigen, sekundenlangen Episoden. So hat Rick einmal einen kleinen Roboter gebaut, und als ihm selber langweilig ist, möchte er eigentlich mit diesem Roboter einen Film schauen. Doch der so: „Ich bin nicht programmiert für Freundschaft.“ Autsch. Oder einmal springen Morty und Rick durch die Dimensionen, landen erst in einer, in der sich zwei Pizzastücke am Telefon Menschen bestellen, dann in einer, in der Telefone auf Pizzastück-Stühlen sitzen, sich Menschen-Telefone ans Ohr halten und durch diese Hörer Stühle bestellen. Ganz am Ende landen sie dann in einer Welt, in der Stühle leben und Menschen Stühle sind. Da bleiben sie dann auch ein bisschen länger. Die Stühle sitzen dort auf den Menschen…

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Du merkst schon, das ist so mit der abgefahrenste Scheiß seit die gelben vierfingerigen Springfieldianer das erste Mal den Bildschirm bevölkerten. Schau’s dir an bzw. hole dir die Datenträger – jetzt im Handel.

Robert

Titel: Rick & Morty
Serienschöpfer: Justin Roiland, Dan Harmon
Episodenlänge: 22 Min.
VÖ: bereits erschienen
Verleih: Studio Hamburg Enterprises

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