Reine Kopfsache

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Woran denkst du, wenn du den Namen Frank hörst? Wahrscheinlich an nichts Besonderes. Vielleicht an den Menschen, der letzte Woche zum Ablesen deiner Heizung vorbeikam. Auf jeden Fall ist der Name nicht wirklich außergewöhnlich und auf keinen Fall würdest du bei Frank an einen Musiker mit einem Kopf aus Pappmaschee denken. Doch genau um so einen Frank geht es in dem gleichnamigen Film von Lenny Abrahamson. Um nun nicht für allzu große Verwirrung zu sorgen, reden wir doch erst einmal über die Handlung.

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John lebt in einem typischen englischen Vorort und fristet ein unglückliches Dasein zwischen einem Nullachtfünfzehn-Job und seinen kläglichen Versuchen, endlich einen Song zu schreiben. Obwohl er für Letzteres eine Leidenschaft hegt, entspringen seinem Kopf nur vage Zeilen über Frauen in roten Mänteln oder einem Engel, der ihn retten soll. Keine Zeilen, die einen Song zu einem Hit machen. Das sieht John glücklicherweise genauso, dennoch lässt ihn der Wunsch, Musik zu machen, nie ganz los.

Und dann kommt der Tag, an dem John Zeuge wird, wie sich der Keyboarder der unbekannten Band „Soronprfbs“ im Meer ertränken möchte. Des einen Leid ist des anderen Freud, denn John wird von dem Manager der Band aufgefordert, den Keyboarder zu ersetzen. Und wenn John eins kann, dann ist es Keyboard spielen. Noch am selben Abend steht John mit der Band auf der Bühne und lernt dort auch erstmals den Frontman der Soronprfbs kennen. Und dabei handelt es sich um Frank, der einen Pappmaschee-Kopf trägt. Was zunächst als reines Bühnenoutfit à la Lady Gaga gedeutet werden könnte, ist aber tatsächlich Fanks alltägliches Erscheinungsbild. Selbst die anderen Bandmitglieder haben noch nie sein wirkliches Gesicht gesehen.

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Gepackt von seinem Wunsch, als Musiker berühmt zu werden, folgt John den Soronprfbs nach Irland, um dort ein Album aufzunehmen. In einer abgelegenen Hütte kommen neben den kreativen musikalischen Ausgüssen auch die psychisch angeknacksten Persönlichkeiten der Musiker zum Vorschein. Doch je näher John Frank und den anderen Bandmitgliedern kommt, desto mehr beginnt er, an seinem Engagement für Soronprfbs zu zweifeln.

Frank ist ein Film, der auf den ersten Blick keinen wirklichen Sinn zu verfolgen scheint. Doch was zunächst als schräge Komödie beginnt, endet in einem tragischen Selbstfindungsprozess der Protagonisten. Dabei stellt sich immer die Frage: Wer oder was ist hier verrückt? Ist es wirklich nur Frank, weil für ihn das menschliche Gesicht viel verrückter ist als sein Pappmaschee-Kopf? Oder ist es doch John, der seinen Wunsch nach Fame und Fans über die Gefühle seiner Bandkollegen stellt? Im Laufe de Films ist nicht immer ganz klar, wer hier eigentlich übers Kuckucksnest fliegt und genau darin liegt der Charme des Films. Denn genau wie John wird auch der Zuschauer wohl oder übel in den Bann von Frank und seiner Einzigartigkeit angezogen. Während wir in unserem alltäglichen Leben in Routinen gefangen sind und unseren Blick nur noch auf das Wesentliche richten, schaut Frank hinter das Offensichtliche. Er findet Inspiration in jedem Geräusch, in jeder Form und jeder Situation. Für ihn scheint der Alltag ein Abenteuerspielplatz zu sein, der jeden Tag mit neuen Attraktionen lockt. Doch herrscht bei Frank nicht nur eitel Sonnenschein und so wird im Laufe des Films deutlich, warum er sich wirklich hinter der Pappe versteckt.

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Frank ist ein so wunderschöner und außergewöhnlicher Film, der nicht nur mit einer originellen Geschichte lockt, sondern auch mit großartigen Darstellern. Domhnall Gleeson glänzt in seiner Darstellung des Tagträumers und Außenseiters John, genau wie auch Maggie Gyllenhaal, die der undefinierbaren Clara so viel Melancholie und Wut einhaucht, dass man sich in Johns Unsicherheit ihr gegenüber mehr als hineinversetzten kann. Doch Frank wäre nicht Frank ohne den großartigen Michael Fassbinder. Er verleiht der Figur Frank so viele Gesichter, auch wenn der Pappmaschee-Kopf nur diesen einen neutralen Gesichtsausdruck hat. Michael schafft es, sich durch das Pappmaschee zu spielen und Frank seinen speziellen Charakter zu verleihen.

Also wenn du heute noch keine großen Pläne hast, dann empfehle ich dir Frank im Kino anzusehen. Das Wetter ist jetzt keine Ausrede mehr.

 

Mareike

 

 

Titel: „Frank“

Regie: Lenny Abrahamson

VÖ: 27.09.15

Dauer: 95 Minuten

Verleih: Weltkino Filmverleih GmbH

 

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