Rap-Rock: sonst „Pfui!“, hier „Hui“.

Rap-Rock: sonst „Pfui!“, hier „Hui“.

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JAPANESE CARTOON

Rap, Rock, Japanese Cartoon
Japanese Cartoon (Rap-Rock)

Traurigkeit und Angst befallen die Welt, wenn ein Rapper anfängt zu rocken. Panik und Verzweiflung legen sich über das Land, wenn ein Rocker noch glaubt, mit Rap seine laschen Riffs aufpeppen zu können. Und herzhaftes Gelächter seit Joaquín Phoenix freestyled.

Manch einer hat auch das Crossover-Trauma der Neunziger noch immer nicht therapeutisch aufgearbeitet (besonders die, die mitten drin waren. Der Autor neigt beschämt den Kopf und verspricht an einem Erlebnisbericht zu arbeiten: „Geständnisse aus dem Moshpit“). Zuletzt hat sogar der eigentlich geniale Wahnsinnige Lil Wayne so richtig schön daneben gehauen, als er „Rebirth“ veröffentlicht hat. Gerüchte besagen, dass sein Knastbesuch gar nicht wegen Waffendelikten, sondern wegen diesem – *hüstel* – „Rockalbum“ durchgesetzt wurde. Recht so! Mehr davon! Die Härte amerikanischer Richter sollte der Maßstab werden! Vielleicht schreckt das ja ab.

Aber manchmal, nur manchmal ist es anders. Manchmal ist ein Künstler gut genug, um beides zu können. Rappen und Rocken. Pharrell zum Beispiel. Oder der Mann hinter JAPANESE CARTOON, einer Punk Band, die ihr erstes Album „In The Jaws of The Lords of Death“ Ende Juli zum kostenlosen Download ins Netz gestellt hat. Ein Mann namens Lupe Fiasco, einer der wenigen Rapper, den man noch als Kreativen und Könner bezeichnen kann – und dem deswegen die Plattenfirma übel in die Suppe spuckt. Von wegen fertige Platten nicht veröffentlichen und so weiter.

 

Aber einer wie Lupe tobt sich dann eben anderweitig aus und das Beste an JAPANESE CARTOON ist, dass ihr Post-Punk eine gänzlich eigene Schöpfung mit eigenem Sound und Stil ist (abgesehen vom ersten Track, der wie ein ausgemustertes N.E.R.D-Demo klingt). Trashig und trotzdem präzise, Elektrobeats, die Punkschlagzeuge nachahmen und eintüten, rustikales Garagengekloppe auf der Gitarre durch Verzerrer gejagt und neu erschaffen… – und obwohl alles wohl von vorne bis hinten digital bearbeitet wurde, pfeffert es wunderbar echt und direkt. Völlig Retro und ganz und gar modern. Eine Bassline wie auf „Heirplanes“ macht einen nur dankbar, sehr, sehr dankbar. Außerdem sehr nett: hier und da ist es sogar fast richtiger Hardcore.

Lupe Fiasco, rap, rock
Lupe Fiasco, Rap-Rock-Phänomen

 

Natürlich will ich auch nicht gleich die Ankunft des Messias verkünden, aber bei all dem leeren Teenagergepose, dem „Ich-Leide-Wichtiger-Geleiere“ der Indierocker und toten Rockgesten kommt dieser Punk gerade Recht. Hoffnung und Pogogruben keimen wieder im Land. Und N.E.R.D kommen ja hoffentlich auch bald wieder auf Tour. Am besten mit JAPANESE CARTOON als Vorband.

 

http://www.allsabotage.com/

 

CKLKH Fischer.

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