Quentin Tarantino: Kult in Buchform

Quentin Tarantino: Kult in Buchform

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Was ist eigentlich Kult? Ich erinnere mich an eine Szene, die sich vor vielen Jahren im Elternhaus abspielte. Damals war die von Quentin Tarantino inszenierte Doppelepisode der US-amerikanischen Krimiserie CSI Thema dieser kurzen Anekdote.

SLEAZE + Kult-Quentin-Tarantino
Film(en)fan(t) terrible Quentino mit einer Art Merkel-(oder Mumu-?)Raute

Nicht mit Verachtung, sondern mit Begeisterung und Euphorie bezeichnete mein Vater den Filmgeek, der sich Anfang der 90er als Filmemacher etablierte, als „krank” – oder zumindest einem ähnlichen Begriff. Damals war mir, obwohl ich zu jenem Zeitpunkt bereits mit Quentin in Berührung gekommen war, noch nicht klar, was dieser Moment eigentlich zu bedeuten hatte.

Nun allerdings weiß ich, dass mir dieser Moment vor Augen führte, was eigentlich Kult bedeutet. Er überschreitet Grenzen. Mein Vater war schon immer jemand, der gerne und regelmäßig Filme schaute, doch ist er meiner Einschätzung nach weit entfernt davon, ein Nerd zu sein. Und doch kannte er diesen Quentin Tarantino.

Diesen Videothekar, der gleich mit seinem ersten Spielfilm Reservoir Dogs (1992), einer u.a. von Stanley Kubricks The Killing maßgeblich inspirierten Heist-Geschichte das unabhängige Kino der USA auf den Kopf stellte und derzeit an seinem neunten Film Once Upon a Time in Hollywood arbeitet. Es könnte sein vorletzter sein, wenn Quentin seinen früheren Aussagen folgt, sich nach zehn Streifen vom Regiestuhl zu verabschieden.

Ein Buch der Verehrung

Bei so einem Talent kein Wunder also, dass es zig Bücher über ihn gibt. Ein weiteres ist nun seit Kurzem im Knesebeck Verlag erhältlich. Das Buch Tarantino: Der Kultregisseur und seine Filme (engl. Titel: Tarantino: A Retrospective) nimmt sich dem Leben und Schaffen des Filmemachers an.SLEAZE + Kult-Quentin-Tarantino

Mit über 250 Bildern erzählt das rund 250-seitige, farbgewaltige Werk von Tom Shone aus dem Werdegang Quentins. Der Autor, der u.a. auch schon über Martin Scorsese und Woody Allen schrieb, nimmt sich der Kindheit des Mitfünfzigers ebenso an wie seiner Anfänge bei Film und Dreharbeiten. Tom berichtet von etlichen Anekdoten, Geschichten am Rande und verbindet all dies zu einer illustrierten Reise durch über zwei Jahrzehnte Quentins fruchtbarer Schaffenszeit.

Eine Hommage des Bekannten

Das Buch ist vielmehr in Wort und Bild festgehaltene Zelebration des Regisseurs, das hie und da Informationen mit Zitaten von Quentin unterstreicht und weitere Weggefährten und Beobachter zu Wort kommen lässt, aber im Wesentlichen seinem Charme als Euphoriker des Kinos verfällt.

Somit ist es vielmehr Bestätigung dessen, was hinlänglich bekannt ist: Quentin ist Kult. Dies lässt sich natürlich nicht in Zahlen messen, aber u.a. die einführende Anekdote aus dem Familienkreis bestätigte mir, dass es der in Knoxville geborene Quentin eben doch geschafft hat, über die Grenzen des „Insiderwissens” hinauszukommen und fernab von Filmclubs, Fans und Dauerkinogängern, -streamern und -filmausleihern bekannt geworden ist.

Letztlich sind es vor allem seine eigens inszenierten und verfassten Filme Reservoir Dogs, Pulp Fiction, Jackie Brown, Kill Bill (1+2), Death Proof, Inglourious Basterds, Django Unchained, The Hateful Eight (der letzte umfangreich besprochene Film im Buch) und seine künftigen Projekte, die auch unabhängig der Person Quentin Tarantino so oder so bleiben werden.

SLEAZE + Kult-Quentin-Tarantino
Sieht trotzdem schick aus im Regal. 🙂

Ob es hierzu ein mit Geschichten um den auch personengewordenen Kult angereichertes Buch bedarf, das sich zusätzlich an aus meiner Sicht überflüssige Schlüsse und Interpretationen wagt, soll einem jeden selbst überlassen bleiben. Ich gehe dann mal ins Kino.

Alex

Autor: Tom Shone
Titel: Tarantino: Der Kultregisseur und seine Filme
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Knesebeck Verlag
ISBN-10: 395728189X

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