Pyewacket: Die Geister, die ich rief…

Pyewacket: Die Geister, die ich rief…

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SLEAZE + Pyewacket

Der Vater tot, die Mutter an der Weinflasche und dann auch noch ein ungewollter Umzug. Klar, dass es für Schülerin Leah (Nicole Muñoz) kurzerhand zu viel wird. Doch muss es gleich der gegen die Mutter (Laurie Holden) gerichtete Todeswunsch sein?

SLEAZE + Pyewacket
Wortwörtlich verwirrt: Leah

Was wie ein zunächst harmloser Impuls nach einer hässlichen Auseinandersetzung klingen mag, zieht in Adam MacDonalds Horrorstreifen Pyewacket drastische Konsequenzen nach sich. Denn die der Gothic-Kultur nahestehende Leah untermauert ihre Worte mit Taten. Mit einem Ritual der schwarzen Magie ruft sie vermeintlich das titelgebende Wesen einher, um ihre Mutter loszuwerden. Wirklich?

Atmosphäre überragt Spektakel

Regisseur Adam vermeidet es auf geradezu entspannte Weise, sein eigens inszeniertes Zweitwerk in Spielfilmlänge bis zur Spannungslosigkeit zu erklären und lässt einige Freiräume, in die wir als Zuschauer hinabtauchen und selbst füllen können.

Existiert Pyewacket tatsächlich oder ist das Geschöpf nur ein Hirngespinst? Oder ist der Effekt schwarzer Magie schlicht ein geschickt vermarkteter Werbegag, mit dem sich reichlich Kasse machen lässt?

Entspannt wirkt der Film gerade deshalb, weil er unaufgeregt durch eine kaum ausschlagende Spannungskurve driftet und sich hiermit im Dienst seiner bedrückenden Stimmung stellt anstelle sich dem schnellen, Effekt hascherischen Spektakel hinzugeben.

SLEAZE + Pyewacket
Im Fadenkreuz: Leahs Mutter

Der vor allem als Schauspieler insbesondere im Fernsehen (Vampire High) zunächst bekanntgewordene Filmemacher lässt seine Kamera oftmals durch die Kleinstadt- und abgeschiedene Naturkulisse gleiten und legt den ruhigen Bilderwelten ambientische Noten auf, die in Zweisamkeit mit den eingefangenen Impressionen unaufgeregt von der Lebenssituation Leahs sowie der möglichen Bedrohung durch Pyewacket erzählen.

Der Kanadier lässt sich gar nicht erst auf verführerische Anwandlungen – wie dem nächsten großen Schock – ein und wandelt sicher auf seinem eingeschlagenen Pfad der spannenden Nichtspannung, die ihre Energie besonders aus ihrer Unerklärtheit und ihrem Andeutungsreichtum zieht.

Wohin, so ganz allein mit den Träumen?

Dazu passt denn auch in der Konsequenz, dass er seiner Hauptfigur kaum einen kathartischen Moment zugesteht. Leah steht im Grunde immerzu unter Druck, dem sie scheinbar nur mit verheerenden Mitteln zu lösen imstande ist.

Gleichsam erzählt Adam so auch eine unter mehr oder minder verlorenen Jugendlichen verankerte Geschichte des Scheiterns. Denn auch das macht der Film in einem Gespräch unter der vierköpfigen Goth-Clique klar: Ihre Eltern dienen ihn offenbar nicht als Vorbild.

SLEAZE + Pyewacket
Hat irgendjemand noch ein Vorbild parat?

Und so stehen sie alleine da mit ihren Träumen, ihrem Hoffen nach Liebe und der Unfähigkeit, ihre Wünsche zum Ausdruck zu bringen. Stattdessen mag bei manchen der Weg in den Abgrund als einziger ein Licht bieten. Bis plötzlich Pyewacket anklopft.

Alex

Titel: Pyewacket
Heimkinostart: 13.07.2018
Dauer: 88 Minuten
Genre: Drama, Thriller, Horror
Produktionsland: Kanada
Filmverleih: Pierrot le Fou

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