Purge 2: Nicht ganz sauber

Purge 2: Nicht ganz sauber

TEILEN

SLEAZE-the_purge_anarchyPurge, was übersetzt je nach Bedarf u.a. mit politischer Säuberung oder Abführmittel übersetzt werden darf, ist nicht nur ein Film. Es ist eine geniale Idee. Warum? Dazu kommen wir gleich. Zunächst ist „The Purge“ ein Thriller, der den Namen verdient. Der erste Teil strauchelte noch etwas, auch Ethan Hawke als Hauptfigur überzeugt nicht 100 Prozent.
In dem Film geht es um eine neue Art des Independance Days. Nach viel Kriminalität und Arbeitslosigkeit haben die sogenannten neuen Gründungsväter die schräge Idee, einen Purge-, also einen Säuberungstag, ins Leben zu rufen. Einmal im Jahr darf man die Sau und sämtliche Gewalt rauslassen, die man offenbar das ganze Jahr unterdrückt. Man darf morden, vergewaltigen, quälen, alles was das (kranke) Herz begehrt. Die es sich leisten können, verbarrikadieren sich. Wer das nicht kann, wird höchstwahrscheinlich eliminiert. Die Unlogik, warum die Reichen nicht einfach an dem Tag aus dem Land fliehen, statt das Morden vor ihren Häusern durch die Kameras zu beobachten, muss man übersehen.
Ansonsten wird das in dem Film genannte „Biest rauslassen“ von vielen als eine Art patriotischer Akt gefeiert. Der angenehme Nebeneffekt: Es gibt keine Kriminalität und vor allem keine Armen mehr (da die ja einmal im Jahr geopfert werden). Das Ganze artet dann natürlich aus usw. usf.
Der erste Teil spielte fast ausschließlich in einem Haus. Im zweiten Teil geht die Story dann auf die Straße, wo der Film eigentlich hingehört. Die verschiedenen Metzel-Gangs, die Untergrund-Bewegung, die sich nicht einfach von den Reichen abschlachten lassen will, die perversen Kopfgeldjäger, die für reiche Leute was zum Spielen organisieren.

Pervers?

Mitnichten!
Unrealistisch? Auf keinsten. Zunächst einmal sehen wir uns in der westlichen Welt immer mehr und vielleicht bald ausschließlich als Wirtschaftseinheiten. Die CDU hat Angst um deutsche Arbeitsplätze und sogar um die nationale Sicherheit, wenn der Kriegsausstatter Deutschland sein „Engagement“ herunterfährt. Oder schlaue Köpfe, die keinen Umsatz bringen. Komplett unnütz. Dass sie kulturell und intellektuell eine Menge beitragen könnten, interessiert nicht. Die Raffgier der immer reicher werdenden oberen Zehntausend? Muss man fast gar nicht mehr erwähnen.
Kombiniert man das nun mit einem zweiten Fakt – den man sich gerade hier in Deutschland nicht traut zu sagen – ist man von dem Film gar nicht so weit weg: Es gibt zu viele Menschen. Oder biologischer: Der Homo Sapiens ist als Art zu erfolgreich. Er verdrängt oder macht sich alle anderen Lebensformen untertan.SLEAZE-the_purge_anarchy1
Nun nicht gleich aufschreien. Ich will auch keine Nazis. Aber sieht man es mal nicht aus menschlicher Sicht, sondern betrachtet z. B. eine Art auf einem anderen Planeten, rein wissenschaftlich, dann sind Faktoren wie Kriege und Naturkatastrophen ein wichtiges Korrektiv. Zumindest, wenn eine Art zu erfolgreich ist, so wie viele über Ratten oder Tauben denken. Auch Drogen, die in großem Maße dezimieren wie Rauchen und Alkohol, erfüllen damit eine wichtige Pflicht. (Nur, damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich hasse rauchen trotzdem. Und an meine Freunde: Ihr braucht mir in Zukunft gar nicht mir mit diesem Argument zu kommen. Ich mag euch sehr und will nicht, dass ihr schnell sterbt. Das sollen Fremde gefälligst machen. 😉 )
Kombiniert man nun wirtschaftliche Omnipräsenz, Überbevölkerung, vielleicht noch einen Schuss Waffenverliebtheit à la mudderfugging NRA und wie leicht sich Menschen verändern (lassen), wie man es zur Genüge beim Stanford-Prison-Experiment, The Third Wave (besser bekannt als „Die Welle“), den Nazis, den Roten Khmer, oder bei jedem anderen verdammten (Kriegs)Konflikt immer wieder erlebt, und schon ist so ein Schauspiel gar nicht so abwegig.
Und damit sind wir bei der Genialität dieses Films. Das jährliche Jagen kann auf so vielen Wegen geschehen, man kann über das menschliche und seine eigenen Werte und Ideale so viel lernen – oder auch so erbarmungslos ausschlachten wie die Protagonisten in dem es Film tun.
Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Teil.

danilo

The Purge: Anarchy
Regie: James DeMonaco
mit: Frank Grillo, Carmen, Ejogo, Zach Gilford
Genre: Thriller, Action, Horror
Länge: 103 Minuten
Produktion: USA, Frankreich
Verleih: Universal

KEINE KOMMENTARE

Kommentar verfassen