Punks fragen Punks: The Real McKenzies

Punks fragen Punks: The Real McKenzies

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Was bleibt vom Punkfestival? Letzte Woche berichteten wir über das Resist to exist. Diese Woche ziehen wir nach: Wir fragten Punks vor Ort: „Was würdet ihr die Real McKenzies fragen?“ und ließen die Rocker antworten. Wir mischten einige ihrer Fragen rein (in Anführungszeichen) und ergänzten sie mit unseren. Wir trafen Vater Paul und Sohn Danny McKenzie ein wenig beschwipst vor ihrem Auftritt.

Vor dem Auftritt
Vor dem Auftritt

SLEAZE: „Was war das Lustigste, was ihr auf einem Festival erlebt habt“?
Paul: Das ist eine schwierige Frage… Eine gute Show für so viele Leute zu spielen und sie Spaß haben zu lassen… Dafür sind wir hier und dafür machen wir eine gute Show. Das ist das Spaßigste, was wir erleben. Aber Sex in einem Dixi-Klo ist auch sehr spaßig.

SLEAZE: Ew… ist das nicht eklig?
Paul: Ja, wenn es voll mit Scheiße ist und überall Klopapier rumfliegt…
Danny: Das Lustigste, was mir passiert ist, war in München. Das war letzte Woche… Paul zog sein T-Shirt aus und wrang es aus. Und da kam dieser Typ und trank alles aus, was da raus kam. Er trat keinen Schritt zurück. Ich versuchte wirklich weiter zu spielen, aber ich konnte nicht, weil ich so lachen musste.

SLEAZE: Wie viel war es?
Danny: Viel.
Paul: Etwa ein Becher voll. Naja, wenn es heiß ist, schwitz ich halt. Kurz gesagt: Ich denke das Lustigste auf einem Festival ist, eine gute Show zu spielen. Und unsere liebsten Fans mit Flüssigkeit zu bespritzen.

SLEAZE: „Wie viel trinkt ihr vor den Auftritten“?
Paul: So viel wir können.
Danny: Wie viel Uhr ist es?
Paul: Ich trinke das Meiste nach der Show.
Danny: Aber er interpretiert Bier trinken nicht als trinken.
Paul: Nein, ist es nicht.
Danny: Er hatte 15 oder 20.
Paul: Kann sein. Aber kein Wodka oder Whiskey vor der Show.

Das Resist to exist
Das Resist to exist zur McKenzie-Show

SLEAZE: Also „lebt ihr immer noch punkig“?
Im Chor: Ja!
Paul: Punkmusik ist rebellische Musik. Keltische Musik war das schon Hunderte von Jahren. Sie hat immer gegen den König, die Monarchie und die Manipulation der Bevölkerung gekämpft. Meine Familie lebte diesen Lebensstil, bevor Malcolm McLaren es Punk nannte, um Geld zu machen (Anm. d. Red.: Manager der Sexpistols). Die Sex Pistols waren nie Punk, sie waren Kapitalisten.

SLEAZE: Letzte Woche interviewten wir einen Soziologen über die Kommerzialisierung des Techno. Ihr deutet an, dass das Gleiche bei Punk passiert sei. Wird jede Subkultur irgendwann mal vom Kapitalismus eingeholt?
Danny: Wenn es ein Dollarzeichen, einen Wert, darüber gibt: ja. Ich denke, dann werden sie alles versuchen einzunehmen.

SLEAZE: Denkst du, auch auf diesem Festival?
Danny: Nein. Als ich hörte, wie wenig Tickets verkauft wurden, dachte ich: Das ist unglaublich! (Anm. d. Red.: das Resist to exist hatte nur 2.500 Besucher)
Paul: Dieses Festival hier ist für die Leute. Wir sind hier, um die Punks zu bespaßen… Außerdem kriegen wir 5.000 Dollar für die Show. (lacht)
Danny: Was?! So viel kriegst – du?! Warum gibst du mir nicht mehr als Bier?! Fick dich, Dad! (lacht) Ich bin raus hier! (Tut so als würde er weggehen.)

Später in action
Paul McKenzie in Action

SLEAZE: Okay, bevor es eskaliert, schnell ein Wortspiel: „Warum sind Löcher im Käse“?
Paul: Weil er ein hol(e)y Cheese ist.
Danny: Er wurde gesegnet…
Paul: Die Schweizer Garde beschützt den Vatikan. Wegen dem holy Cheese. Und deswegen sind da Löcher im Käse. Vielleicht sind da auch einfach Mäuse. Wir sind alle Gottes Kreaturen…

SLEAZE: Auch Nazis? Ein Festivalbesucher fragt, was ihr über sie denkt…
Paul: Wir sind Kanadier, wir kickten die Ärsche von diesen scheiß rassistischen Gangstern zwei Mal. Wir kicken sie auch ein drittes Mal.

SLEAZE: „Plant ihr bald, eine Tour zu machen?“
Danny: Sobald wir nach Kanada zurückkommen, nehmen wir unser fünfundzwanzigjähriges Geburtstagsalbum auf. Das Release-Datum ist im März 2017. Dann werden wir ein paar Shows in den Staaten machen, unsere Kanadatour, und kommen nach Europa und Australien.

SLEAZE: Über was geht das Album?
Danny: Hauptsächlich Seemannslieder und wie es ist, 25 Jahre in einer Band zu spielen.
Paul: Es wird Two Devils Talking heißen.

SLEAZE: „Welche Frage wolltet ihr schon immer in einem Interview gefragt werden?“
Paul: Die nach unserem nächsten Tourfahrzeug. Das wird ein großer Zeppelin werden. Darin leben wir dann. Wenn es dunkel wird, landen wir, die Bühnentür öffnet sich und wir rennen raus und spielen. Dann brauchen wir kein Hotel mehr und würden um die ganze Welt fliegen.

SLEAZE: Ich weiß nicht, was ich davon ernst nehmen soll…
Danny: Wahrscheinlich nichts.
Paul: Wir haben eine Menge Humor.
Danny: Das stimmt. Wir denken, wir sind echt lustig.
Paul: Es macht lange Zwölfstundenfahrten zu Sechstundenfahrten. Wenn du eine gute Zeit hast und immer lachst und Bier trinkst… Ich bin weitestgehend resistent gegen Alkohol. Das ist genetisch bedingt. Ich bin ein schottisch-irischer Kanadier. Deswegen sehe ich so gut aus.

SLEAZE: Aber du hast keine roten Haare mehr.
Paul: Aaaah… Wenn die Sonne scheint, sieht man das noch. Als ich klein war, hatte ich rotblondes Haar. Aber ich werde älter, 39 letztes Jahr.

SLEAZE (verlegen): Du siehst… ein bisschen…
Paul: …ein bisschen älter aus? Weil ich einen harten Lebensstil hatte. Aber in meinen Augen sieht man es noch.

SLEAZE: Ich hoffe, wir sehen es gleich auf der Bühne.
Paul: Ihr werdet es. Ich verspreche es.

Das Interview führte Lisbeth und stürzte sich wenig später in den Pogokreis. Ihr Fazit: Für Fans irischer Punkmusik lohnen sich die McKenzies auf jeden Fall. Die restlichen Festivalbesucher sahen die Band eher mit gemischten Gefühlen. 🙂

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