Dreckige Geschäfte an dreckigen Orten

Dreckige Geschäfte an dreckigen Orten

TEILEN

Der Public Eye Award wird alljährlich an besonders profitgeile Unternehmen verliehen, die einen Scheiß auf Menschenrechte, Umweltschutz oder Gesundheit ihrer Kundschaft geben. Der Andrang war groß, aber auch dieses Jahr kamen nur sechs Bewerber in die Endausscheidung. Und am Ende konnte sich eine „Bio“-Firma besonders freuen.

AxpoAxpo

Ein Schweizer Stromversorger, der vorgibt, seine Kunden besonders „grün“ mit Saft zu versorgen. Dabei schwört das Unternehmen auf Atomkraftwerke, welche selbstverständlich absolut saubere Energie herstellen. Eine erstaunliche Leistung, wenn man bedenkt, dass die dafür bezogenen Uran-Brennstäbe aus einer der verseuchtesten Gegenden der Welt überhaupt stammen! Majak heißt die Wiederaufbereitungsanlage in Russland, die auf den Zuliefererlisten ganz oben stand – natürlich nicht auf den offiziellen Listen. In Majak werden Brennstäbe aus Atom-U-Booten neuverwertet. Das dazu verwendete Abwasser geht direkt in den umliegenden Fluss oder wird unter freiem Himmel gelagert.

FoxconnFoxconn

Ein bisweilen eher unbekannter Hersteller für dafür umso klangvollere Namen der Edel-Gadget-Branche wie Apple, Nokia, Nintendo und etliche mehr. Nach mindestens 18 Selbstmorden unter der Belegschaft ist Foxconn mittlerweile auch selbst zu Ruhm und Beachtung gelangt. Dumpinglöhne plus unmenschliche Bedingungen (bei jedem Toilettengang wird man gefilzt, Überstunden sind Standard) scheinen dem ein oder anderen dann doch aufs Gemüt geschlagen zu haben. Der chinesische Konzern, der mit 900.000 Mitarbeitern der größte Elektronikzulieferer ist, reagierte wie folgt: Lohnerhöhung von 900 auf 1200 Yuan (das Existenzminimum des Landes liegt aber bei etwa 1650) und maximal 80 Überstunden pro Kopf und Monat.

AngloGold Ashanti

Der Bergbauspezialist aus Südafrika weiß, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Zumindest sind die Abfälle, die bei Gewinnung des Inbegriffs von Reichtum entstehen, alles andere als goldig. Allerdings juckt das AngloGold Ashanti nicht die Bohne und lagert toxische Abfälle in Seen, die ihre tödliche Stoffe an umliegende Flüsse und Brunnen weitergeben und von dort in die Kehlen zahlloser Dorfeinwohner gelangen und darüber hinaus Anbaufelder kontaminieren. Offiziell bemüht man sich natürlich, die Umweltverschmutzung zu stoppen, nur der Erfolg lässt bisweilen auf sich warten. Ebenso gilt auf dem Abbaugelände verschärfter Schießbefehl und „verdächtige“ Arbeiter müssen mit Folter rechnen.

Philip MorrisPhilip Morris International

Als Tabakproduzent sieht man seit jeher die Gesundheit der eigenen Kunden (und deren Umwelt) als entbehrlich an. Philip Morris genügt dies aber nicht, sondern will auch das Leben von Millionen von Uruguayern. Das kleine südamerikanische Land hatte ein vorbildliches Gesundheitsgesetz verabschiedet, welches Anbieter dazu verpflichtet, auf den Zigarettenpackungen einen Warnhinweis zu platzieren, der 80 % der Fläche abdeckt. Philip Morris schmeckt diese und andere Verschärfungen nicht und missbrauchte ein Investitionsschutzabkommen zwischen der Schweiz und Uruguay aus den 80ern, um das Land dazu zu zwingen, die Gesetze zu lockern.

BPBP

Am 20. Mai 2010 ging mit der „Deepwater Horizon“ eine Tiefsee-Bohrinsel von BP im Golf von Mexiko hoch. Dieser tragische Bumm kostete elf Menschen das Leben. Dass das Öl-Leck aber erst 87 Tage und 800 Millionen Liter Öl später geschlossen werden konnte, bedeutet für Abertausende Meeresbewohner den qualvollen Tod – und das wohl noch auf Jahrzehnte hin. Diese Konsequenzen schlagen selbstverständlich allen Mitgliedern der Nahrungskette ins Gesicht, in erster Linie den Anwohnern der Küstenregionen des Golfs von Mexiko. BP hat sich mehrfach für den Vorfall entschuldigt, buddelt aber unterdessen in Alberta, Kanada im Teersand nach Öl – die wohl schmutzigste Art, Öl zu fördern. Diesmal pokert BP um das örtliche Grundwasser.

Neste OilNeste Oil

Es war knapp, aber am Ende hatten die Finnen die Nase vorn. Gratulation zum Public Eye Award 2011! Neste Oil hat sich diesen durch feinsten Bio-Diesel eingeheimst. Bio-Diesel, das klingt erst einmal geil und genau darauf setzt der Konzern, bietet fleißig „Neste Green Diesel“ an. Allerdings fordert die dahinter stehende Palmöl-Produktion massig an Flächen. Flächen, die durch radikale Rodung von Regenwald in Indonesien, Malaysia und anderswo geschaffen werden. Und Neste Oils Hunger nach Palmöl ist gigantisch. Das Kerosin-Geschäft lockt, Lufthansa und Finnair wollen beliefert werden. Nur unzählige Tiere, Einwohner und natürlich die doofen Urwälder stehen im Wege – aber nicht mehr lange!

Pascal Scheib

KEINE KOMMENTARE

Kommentar verfassen