Polestar 2: Lautloser Flitzer

Polestar 2: Lautloser Flitzer

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Es ist immer wieder ein erhabener Moment! Das erste Mal, wenn man bei einem E-Auto das Gaspedal (oder besser: das E-Pedal) tritt. Und der neue Polestar 2, der dieser Tage auf die Straßen kommt, hat noch einiges mehr an Freude geladen.

SLEAZE + Polestar 2
Die meisten Autos sehen den Polestar 2 an der Ampel nur von hinten, hihi.

Ja oooookeh, mein Testwagen war jetzt in der Superduper-Version mit 408 PS und 660 Nm am Start. Trotzdem oder gerade deswegen: Jede rote Ampel bedeutet pure Vorfreude.

Und es gibt keinen Startknopf mehr. Ja, wirklich. So wie man früher die ersten Autos anschaute, als man ohne Schlüssel per Knopfdruck den Wagen starten konnte, gibt es jetzt nicht mal mehr einen Knopf dafür.

Bei dem Polestar 2 setzt man sich einfach in den Fünftürer, tritt aufs Startpedal und los geht’s. Ein Bremspedal gibt es noch (irgendwie beruhigend), aber auch das wurde clever reduziert: Geht der Fuß vom Gas, wird natürlich automatisch rekuperiert, also die Beschleunigungsenergie zum Aufladen der Batterien genutzt.

Das allerdings ist gewöhnungsbedürftig, weil der Polestar 2 doch recht ordentlich in die Eisen geht. Nach einer halben Stunde aber hat sich der Wagen bei mir eindeutig einen dicken Pluspunkt erbremst.

Ein weiterer Top-Punkt ist, auch wenn den meisten leider egal: Der Wagen ist komplett vegan laut Hersteller. Man kann dann die gequälten Tierteile wie edles Leder usw. dazu bestellen, aber allein den Ansatz umzudrehen und erstmal vegan anzubieten, fährt mehr als in die richtige Richtung.

Etwas schade ist, dass ich so einem riesigen Panorama keine Öffnungsmöglichkeiten habe. Nun war während des Tests keine sexy Wetter-Time, daher habe ich das Schiebedach nicht so doll vermisst. Aber bei schönem…

SLEAZE + Polestar 2
Vertraut in Tablet-Form…

Deutlich kniffliger wird es beim nächsten Punkt: Der Polestar 2 ist das erste Auto komplett mit Android-Betriebssystem. Aus Kostengründen verständlich, hat es zudem den Vorteil, dass die Fahrer aka Nutzer sich meist schon mit verschiedenen Google-Apps auskennen.

Der Nachteil: Das Tracking wird dadurch natürlich noch mehr monopolisiert. Und zwar gleich doppelt. Zum einen von dem US-Konzern Google, zum anderen gehört Polestar zu dem chinesischen Autohersteller Geely.

Klammert man diese etwas besorgniserregende Entwicklung mal aus und schaut nur auf das Gesamtprodukt, ist der Polestar 2 mehr als einen Blick wert – wie mir einige neugierige Augen auf den Berliner Straßen bestätigten.

Design-technisch hätten sie für meinen Geschmack noch etwas mutiger sein können. Aber da der Wagen offenbar im Mittelsegment angesiedelt ist, scheint das der Zielgruppe geschuldet. Wofür es aber keine Entschuldigung gibt, ist das Schlüsseldesign. Das sieht aus wie ein Legoteil, welches nicht sichtbar verbaut werden soll: matt und emotionslos rechteckig in trister Farbe. Oder soll das ein optischer Kontrast zum Anfahr-Feeling sein?

Also treten wir an der Ampel noch mal richtig drauf und hüpfen gefühlt in einer Sekunde von 0 auf 70. Geräuschlos, wohlgemerkt! Das ist eindeutig der Verliebtwerd-Moment. Ich habe mich bei den drei Stunden Testfahrt mindestens 50x verliebt.

SLEAZE + Polestar 2
Die Mittelkonsole ist etwas unsinnig gebaut.

Für die ganzen armen Seelen, die ihr Ego über nervig-laute Motorengeräusche aufladen, wird das natürlich ein Potenz-Entzug. Für alle, denen es rein um Beschleunigung geht: Jippieh!!! So geil!

Gut, nun ist das bei E-Autos jetzt schon fast ein wenig Standard. Aber das selbst so ein schweres Fahrzeug mit über zwei Tonnen Eigengewicht so abgehen kann – Respekt!

Spannend ist auch, dass sich der Polestar 2 nur über das Internet bestellen lässt. Es wird natürlich ein paar Flagship Stores in den wichtigen Städten dieser Welt geben. Aber selbst da wird dann schlussendlich über das Netz eingekauft.

Beim Shoppen muss man sich dann aber auch eine größere Summe einrichten. Die ersten Modelle beginnen bei knapp 60.000 Euro und passen damit preislich in das Volvo-Preissegment.

SLEAZE + Polestar 2
PS 2: Gelungen!

Es bleibt also spannend abzuwarten, ob sich mit dem Polestar 2 die Firma als zweiter Voll-Elektro-Autoanbieter durchsetzen kann. Auf jeden Fall mausert sich Polestar von der kleinen Volvo-Untermarke zu einer interessanten neuen E-Mobilitätsmarke. Wir sind gespannt, wie die chinesisch(wedisch)e Firma sich weiter entwickelt. Der Polestar 3 ist jedenfalls schon in Planung.

danilo

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