SLEAZE Plattenspieler #1, heute: Gonzales, Eminem, KORN & Ernie Halter

SLEAZE Plattenspieler #1, heute: Gonzales, Eminem, KORN & Ernie Halter

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Einen wunderschönen guten Morgen, selbst an diesem heißen Wochenende haben die SLEAZELS keine Kosten und Mühen gescheut und tausende Gehirnzellen angestrengt und Kalorien verbrannt. Eine neue Rubrik ist geboren, der SLEAZE Plattenspieler. Unser SLEAZE Plattenspieler ist ausgerüstet mit einem 4-Fach-Plattenwechsler und verdammt guter, provokanter, abgrundtief anstrengender, frohmütiger, beat-,bass- und haudrauf Musik. Wir graben nach den dicksten Perlen und den duftensten Scheißhaufen der Musikwelt und stellen euch Bekanntes und Unbekanntes vor. Du siehst also, der SLEAZE Plattenspieler ist für einige Überraschungen gut, sorgt für Unterhaltung und will letztendlich nur eins: spielen!

-julian-

chillygonzales

Chilly Gonzales – Ivory Tower

V: 20.08.2010

Phantasy Records

Piano-Elektro

Jason Charles Beck, besser bekannt als (Chilly) Gonzales ist aus der Indiemusik seit Jahren nicht wegzudenken. In den Neunzigern als Sänger der Band Son, in den letzten Jahren als Mitstreiter in Projekten von Feist, Peaches oder Jamie Lidell, als virtuoser Pianist oder Teil der Berliner-Hip Hop- Kombo Puppetmastaz. Auf eigenen Pfaden wandelt er von Zeit zu Zeit als Gonzales: klavierlastig, funkig, der Traum eines jeden Barbesitzers mit einem Hang zu elektronischen Beats gepaart mit loungefähigem Gesang. Fein macht er das, allerdings auf einem dünnen Grad. Nicht ganz so viel Funk wie Jamiroquai, viel weniger Swing als Jamie Cullum. Elektro wird großgeschrieben, ist aber nicht alles. Trotzdem treibende Beats, angenehme Gesangseinlagen und eine Artenvielfalt an Melodien wie man sie selten findet.  Als Anspieltipp sollte neben „You Can Dance“ auch „Smothered Mate“ dem geneigten Zuhörer einen ordentlichen Eindruck vermitteln. Nicht der ganz große Wurf, aber zumindest ein langer Pass genau in die Arme der hungrigen Gonzales-Verliebten. „Barkeeper! Zwei Mojito und die Anlage laut!“

-julian-

Ernie Halter – Franklin & Vermont

V: 29.06.2010

Rock Ridge Music

Singer-Songwriter

Locken, Hemd, Weste, ausgewaschene Jeans und eine schicke Mütze. Das ist Ernie Halter aus LA. Auf der Bühne mit Akustikgitarre, ab und an mit Band. Die Musik klingt nach Singer-Songwriter Pop. Und dabei bleibt es leider auch. Der Junge mit dem verschmitzten Lächeln bewegt sich sowohl textlich als auch musikalisch zwischen Jack Johnson, Daniel Powter, Jamie Cullum und Maroon 5. Da helfen auch alle Klaviere und Balladen und Liebesbeweise dieser Welt nicht die Frage auszuräumen, ob dieses Album nicht doch ein wenig mutlos daher kommt. Ohne Zweifel sind einige gute Tracks auf der Platte, welche sich auf einem Mixtape für Muttern oder die Freundin zu Recht finden würden. Die Coverversion von Coldplays „In my Place“ hätte erfrischender und individueller umgesetzt werden können, klingt einfach nur als würde es vom 14-jährigen Chris Martin gesungen werden. Nette Musik für den Betreiber einer Strandbar, um die Leute nach ihrem verdienten Feierabend zu berieseln, der Anspruch fehlt.

-julian-

Eminem – Recovery

VÖ: 21.6. 2010

Universal

2009 war wahrlich ein gutes Jahr  für den einzigen Weißen, der sich seit Jahren im Rapgame aufs Neue beweist. Mit „Recovery“ erscheint im Juni 2010 Eminem‘s siebtes Studioalbum, ein Jahr nach dem schon so hoch gelobten „Relapse“. Allerdings werden auf der neuen Scheibe ganz andere Töne angeschlagen, als die Verarbeitung eigener Suchtprobleme und eigenartiger Gewaltphantasien. Anstatt wie geplant eine Fortsetzung des letzten Releases aufzunehmen, hält „Recovery“ was der Name verspricht und zeigt textlich, sowie musikalisch einen enormen Aufschwung in der Qualität.

Die erste Auskopplung „Not Afraid“ erklärt die Entscheidung gegen Pt 2 von Relapse und gesteht ein, dass er weder seinen eigenen, noch den Ansprüchen seiner Fans damit gerecht geworden wäre – der Erfolg jener Single spricht für sich: sofort nach der Veröffentlichung gelangte sie auf Platz 1 der Billboard Charts.

Gewohnt harte und melodische Beats lassen Slim Shady wie ein Phoenix aus der Asche aufsteigen, nicht zuletzt dank der gelungen gewagten Featureliste: (Pop)Superstars Lil‘ Wayne, Rihanna und Pink fügen sich perfekt in das Gesamtbild ein, welches klar für eine musikalische Öffnung spricht. Gleiches beweist die Produzentenwahl, die diesmal auf DJ Khalil, Just Blaze, Jim Jonsin und Boi-1onda fällt, vom Konzept, Dr. Dre als einzigen Beatlieferanten einzustellen wurde sich ebenfalls gelöst. Zudem finden sich mit „Haddaway-What is Love“ und „Kelly ft Ozzy Osbourne-Changes“ zwei interessante Samples, die diesen grottenschlechten Songs tatsächlich eine angenehme Hülle im Shady-Style geben. Da fällt es auch nicht auf, dass inhaltlich Eminem’s Disswellen gegen Möchtegern-It-Girls oder die Exfrau ausbleiben. Der Räpper scheint erholt und befreit, schön zu hören!

-jule-

Korn III – Remember who you are

VÖ: 9.Juli 2010

Erinnern wir uns zurück: Es ist Anfang der Neunziger Jahre, zunehmend in der Rockmusik wieder mehr Platz in den Charts, in den Medien, in der Öffentlichkeit. Bands wie Slipknot oder Linkin Park erfreuen sich der Euphorie aller Pubertären und auch älteren Generationen. Nu Metal war geboren und auch Korn zählen zu ihren Mitbegründern.

Mit „Korn III-Remember who you are“ veröffentlicht die Band mittlerweile ihr neuntes Studioalbum. Gerne erinnern wir uns zurück an die größten LP Erfolge Follow the Leader und Issues, an jene wird versucht mit der aktuelle Scheibe anzuknüpfen. Leider liegen jene triumphalen Scheiben aber über acht Jahre zurück und somit freuten wir uns doch alle eher auf eine Weiterentwicklung der Band in alter Manier – die Erwartungen werden enttäuscht.

Stilistisch lässt sich auf „Remeber who you are“ klar erkennen, dass es sich um Korn handelt: Wie gewohnt haben wir einen  Wechsel zwischen Rhythmus und Stimmung in jeden einzelnen Track, von soften Basslines zu harten Gitarrenriffs, auch Jonathan Davis Stimme hält mit. Psychotisch geistig abwesende Gesänge – ja wir lieben sie – bis zum Schreien ausgedehnt, ergeben ein breites Vokalspektrum, manchmal auch grunzend.

Und ja obwohl das genau die Markenzeichen sind, die Korn so einzigartig in einer mainstreamgeprägten Musikrichtung machen, ist die Innovation von vor acht Jahren nicht zweimal verwendbar. Auch textlich gibt es keine Überraschungen, mit Konflikten zwischen sich und dem eigenen Ich, Konflikten anderer mit der eigenen Person und der Lebensweise, Drogen, Selbstmord, etc. Die Sounds werden klar an die Textthematiken geknüpft, wie bei den Song „Lead the parade“, der von einer Marschtrommel eingeleitet wird.

Die Anfang Juli erscheinende LP bildet ein solides Werk, mit wenig innovativer Prägnanz, welches nicht lang auf dem Player verweilt, aber es trotzdem für ein paar Tage raufschafft.

-Jule-

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