Plattenrezensionen

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Britpop

Gomez

Whatever’s On Your Mind

Label: Eat Sleep Records

VÖ: 08.07.’11

 

Klingt wie: Coldplay, James Blunt, U2

 

Angesichts des Covers dachte ich zunächst, dass hier eine edel-minimalistische Electro- oder House-Platte auf mich wartet. Aber Gomez sind eine Britpop-Combo aus Southport, die seit 1998 bereits sechs Alben aufgenommen hat. In GB und den USA sind sie sogar relativ bekannt und erfolgreich – bloß in Deutschland kennt sie kaum jemand. Beim Hören der Platte erschließt sich dann der sterile HD-Look des Covers etwas mehr. Die Musik ist aufwändig arrangiert und kristallklar ausproduziert, man könnte es auch überproduziert nennen. Ich bin da noch unentschieden. Zur klassischen Bandbasis von Drums, Gitarren und Gesang gesellen sich sowohl elektronische Elemente als auch poppig-süßliche Streicher. Der Gesang erinnert zuweilen an Schnulz-Pop-Barden James Blunt, und dann kippt die Musik wieder fast ins Alternative. Das Album ist dadurch sehr abwechslungsreich, lässt aber auch das gewisse verbindende Grundgefühl, das einnehmende Alben ausmacht, vermissen. Ein organischer, charakteristischer Sound hätte das abfedern können – das HD-Feeling trägt dagegen eher weiter zum distanzierten Feeling der Platte bei. Gut gemachter, aber irgendwie oberflächlich bleibender Pop mit Indie-Einstreuung.

Daniel S.


 

 

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Deutschpop

Anstatt Blumen

Raus

Label: BENDITrecords

VÖ: 05.08.’11

 

Klingt wie: Wir Sind Helden, Klee, 2raumwohnung

 

Es ist wie mit Mousse au Chocolat. Bei der ersten Portion denkt man: Yeah! Süß! Geil! Die zweite Ladung liegt schon schwerer im Magen, und danach wird’s schnell eher hässlich… (vgl. auch den Milchschnittentest in SLEAZE #23.) So verhält es sich auch mit dieser Platte. Jeder Song ist eine kalorienreiche Übung in ganz großem Gefühl und genussvoller Süßlichkeit. Und deshalb reicht’s dann auch nach zwei, spätestens drei Songs. Aber „Anstatt Blumen“ legen gnadenlos noch eine Schippe Schlagsahne, perlende Pianos und schwelge-Streicher nach… Gnade! Die musikalischen Arrangements des Multitalents Martin Rott sind extrem liebevoll ausgearbeitet und detailverliebt. Lilli Born singt souverän und gefühlvoll, was leider nicht darüber hinwegtäuscht, dass ihre Stimme eher piepsig ist und nach einer Weile anstrengend wird. Die Texte sind lyrisch-gefühlig und haben ein hohes sprachliches Niveau, verlassen aber leider selten die altbekannte Sphäre von Liebe, Sehnsucht, persönlichen Beziehungen, Selbstzweifeln, blah. Qualitätssüßwarenmusik für überemotionale Menschen, die gerne mit geschlossenen Augen und vor dem Herz geballter Faust mitsingen. KITSCHWARNSTUFE PINK!

Daniel S.


 

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Siger/Songwriter-Covers

Various Artists

Better Than The Original

Label: Embassy Of Music

VÖ: 12.08.’11

 

Klingt wie: Offene Bühne im Lieblingsclub

 

Sehr schöne Idee: Musik-Manager Konrad Sommermeyer sammelt seit Jahren Coverversionen bekannter Hits, die er gerne vor Konzerten von Bands, die er betreut, abspielt. Die Resonanz des Publikums war so groß, dass dabei jetzt diese spannende Sammlung des kreativ Geklauten herausgekommen ist. Bekannte und unbekanntere Musiker zeigen hier, wie man aus aufgeblasener Chartsmusik oder ausgeleierten Klassikern intime, persönliche Musik herauskitzelt. Das dominierende Instrument ist die Akustikgitarre, ab und an stoßen Piano oder Streicher dazu. Die Platte bringt zum Schmunzeln, wenn Hits von 50 Cent („Ayo Technology“, interpretiert von Milow), Kylie Minogue („Can’t Get You Out Of My Head“, sehr geil interpretiert von Jack L), Britney Spears („Baby One More Time“, interpretiert von Oceana) oder Rihanna („Only Girl In The World“, interpretiert von Frida Gold) ihres nuttigen Gewandes entkleidet werden und teilweise tatsächlich schöne und intime Songs dabei entstehen. Die Höhepunkte jedoch sind die Neuinterpretationen von Liedern, die auch im Original schon gut waren: Foy Vance nimmt sich Hendrix‘ „Crosstown Traffic“ vor, ortoPilot traut sich an „With A Little Help From My Friends“ von den Beatles ran, und Cat Power covert Oasis‘ „Wonderwall“ so überzeugend, dass es klingt, als habe sie den Song selbst komponiert. Fühlt sich an wie ein Liederabend mit Freunden.

Daniel S.



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Alternative

Stephen Malkmus & The Jicks

Mirror Traffic

Label: Domino Records

VÖ: 19.08.’11

 

Klingt wie: Ryan Adams, The Flaming Lips, Pavement

 

I can not even do one push-up – push-ups are so bourgeoisie!“ Sehr nette Slacker-Attitüde, die der Rezensent für sich nur unterschreiben kann… Und: „I know what the senator wants – what the senator wants is a blowjob!“ Ex-Pavement-Frontmann Stephen Malkmus zeigt bei seinem fünften Soloalbum, dass er viel Sinn für kruden Humor hat. Vielleicht war es auch diese Ebene, die ihn dazu bewegt hat, sein Machwerk dieses mal vom Scientologen und Krudheits-Experten Beck in L.A. produzieren zu lassen. Aus dieser Zusammenarbeit ist das bisher zugänglichste und energetischste Album von Malkmus herausgekommen. Die Lieder sind allesamt sehr kurz und Pop-affin. Hier stehen die Melodien und die unmittelbare Performance der Band im Vordergrund. Bei aller Direktheit bleiben die Rhythmen und Gitarrenlicks aber großenteils verknarzelt und unberechenbar. So entsteht eine interessante Kombination aus poppiger Leichtigkeit und Konsumierbarkeit auf der einen und freakig-sperrigem, angenerdetem Slacker-Geschrummel auf der anderen Seite. Kein Meisterwek, aber ein nettes Album für Freunde des kauzigen Nischen-Alternative.

Daniel S.



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