Planet Erde II: Mutter Gaia, perfekt in Szene gesetzt

Planet Erde II: Mutter Gaia, perfekt in Szene gesetzt

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The penguin colony on Zavodovski Island seems strangely peaceful compared with the rough coastline that surrounds the island.

Mit Planet Erde II gibt es die wahrscheinlich bestaussehendste und aktuellste Natur-Doku im Handel zu kaufen. Produziert von der renommierten englischen BBC, wird hier geklotzt und nicht gekleckert: Die abgelegensten Drehorte werden besucht, die besten Aufnahmen in HD und sogar 4K sind entstanden. Im englischen Original ist Sir Richard Attenborough der Erzähler, ja, die Musik stammt sogar von Hollywood-Soundtrack-Guru Hans Zimmer. Besser geht‘s nicht!

Affen in ihrem unnatürlichen Lebensraum

Die Dokumentation ist in einstündige Kapitel aufgeteilt, beispielsweise Wüsten oder Dschungel (insgesamt gibt es sechs Teile). Und wie in jeder Naturdoku sind kleinere und größere Tierchen deine Stars: Löwen, Pinguine, Vögel (ich weiß, Pinguine sind auch Vögel), Schlangen und und und. Wie üblich geht es oft um Verhaltensweisen wie Jagd, Kampf um Lebensraum, Paarungsverhalten etc. Selbstverständlich werden Vielschauer von Naturdokus einiges auch bereits kennen. So kam mir eine Insel nahe der Antarktis sehr vertraut vor, die ausschließlich von Pinguinen bewohnt wird. Das ist aber ok, und der BBC sind wirklich überwiegend beeindruckende Aufnahmen gelungen.

Die Produzenten haben sich auch große Mühe gegeben, Spannungsbögen aufzubauen und Geschichten zu erzählen. So wird etwa die Jagd eines Löwen mit richtig reißerischer Musik untermalt, die genau im Moment des Zubeißens ihren Höhepunkt erreicht. Die Kamerateams schauen sich in ruhigeren Episoden Jungtiere an, die zum ersten Mal das Nest verlassen oder z.B. wie ein kleiner Affe zum ersten Mal klettern geht. Solche Sachen eben!

Am meisten gefiel diesem Zuschauer an Planet Erde II das sechste und letzte Kapitel über die Stadt. Denn auch Städte können wieder zum natürlichen Lebensraum von Tieren werden. So sehen wir beispielsweise Languren, eine mittelgroße Affenart, die in Indien als Gottheit verehrt wird. Dieser Gottstatus gibt den Äffchen gewissermaßen Narrenfreiheit innerhalb der indischen Großstädte: Sie werden von den Menschen gefüttert und dürfen tun, was sie wollen. Einmal sieht man sie neben Menschen auf einer Parkbank chillen. Lustig!

Und diese Äffchen sorgen dann auch für die allerbeste Szene von Planet Erde II: Sie tragen nämlich ihre Revierkämpfe auch in den Städten weiter aus. So wird das Alpha-Tierchen einmal von einer Gruppe Jungtiere herausgefordert. Was folgt, ist eine wirklich atemberaubende Jagd über die Dächer. Die Affen zeigen hier, was in ihnen steckt, klettern Häuserfronten hoch, springen über Straßenschluchten oder bewegen sich rasend schnell über die Dächer hinweg. Da kann sich jeder (menschliche) Parkour-Crack noch ein Scheibchen von abschneiden.

Und neben den Tierbeobachtungen setzt die BBC in Planet Erde II nette Akzente. So werden als Übergänge zwischen einzelnen Episoden immer wieder Timelapse-Aufnahmen eingestreut: etwa vom Sternenhimmel, der im Laufe einer Nacht über der Wüste seine Kreise zieht, oder aber gerade im letzten Kapitel „Stadt“ auch Timelapses aus hektischen Millionenmetropolen. Planet Erde II ist der derzeitige State of the Art der Naturdoku – sehr zu empfehlen!

Robert

Titel: Planet Erde II: Eine Erde – viele Welten
Produktion: BBC, Michael Gunton, Tom Hugh-Jones
Laufzeit: 300 Min. + 50 Min. Making of
VÖ: DVD und Blu-ray: bereits erschienen; 4K-Version: 7.4.2017
Verleih: Polyband

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