Pip Blom: Das SLEAZE.interview mit dem Indie-Quartett

Pip Blom: Das SLEAZE.interview mit dem Indie-Quartett

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Pip Blom – das ist, wenn rostig-staubige Gitarrensounds und eine weiche, klare, beinahe unschuldige Stimme aufeinantreffen. Irgendwie alternativ, aber klassisch zugleich. Bodenständig und dazwischen salopp und laut.

Pip Blom ist eine Band um vier junge Menschen aus Amsterdam, die den Namen ihrer Sängerin trägt. Mit dem Release ihrer ersten EP Paycheck 2018 begann für die Indie-Newcomer ein sehr erfolgreiches Jahr.

SLEAZE + Pip Blom
Pip singt mit Leib und Seele

Sie konnten Franz Ferdinand und The Breeders als Support-Act auf Europa-Tour begleiten, spielten auf zahlreichen Festivals und wurden als beste Newcomer für den wichtigsten niederländischen Musikpreis Edison nominiert.

Diesen Herbst gehen Pip Blom mit ihrem neuen Debütalbum Boat in Europa, den USA und Mexiko auf Tour und werden auch in Köln und München auf der Bühne stehen. Davor spielten die vier allerdings auf dem Lollapalooza Festival in Berlin und SLEAZE war mit dabei.

Nach dem Auftritt am frühen Abend konnte ich mit Pip (Gesang, Gitarre), ihrem Bruder Tender (Backing-Vocals, Gitarre), Gini (Schlagzeug) und Darek (Bass) ein bisschen quatschen. Im Interview haben wir über die Geschichte hinter der Band Pip Blom, das Erfolgsrezept, originelle Songwriting-Strategien, Inspirationen und Unverwechselbarkeiten gesprochen.

SLEAZE: Wie habt ihr euren Gig heute Abend auf dem Lollapalooza erlebt?

Pip: Es hat echt Spaß gemacht. Wir haben noch nicht so oft in Deutschland gespielt. Deshalb war es richtig schön, dass überhaupt Leute zu unserem Gig gekommen sind. Es waren doch ziemlich viele Leute da und es kamen immer mehr, während wir gespielt haben. Die Leute schienen dazubleiben und unsere Musik zu genießen. Das ist es, was uns so viel Spaß macht.

Wenn ihr mich fragt, ist das Lollapalooza eher ein Mainstream-Festival mit viel Pop und Hip Hop. Für mich stecht ihr irgendwie heraus, euer Sound ist alternativer. Wie habt ihr euch in dem ganzen Setting und dem Line-up des Festivals gefühlt?

Pip: Als wir uns das Line-up angeschaut haben, haben wir uns schon gedacht, dass wir nicht so richtig reinpassen werden. Wir haben dann aber auch gemerkt, dass wir auf einer kleinen Bühne spielen, die zu uns passt.

Tender: Wir hatten erwartet, dass niemand kommen würde, um uns zu sehen, weil das Festival eher mainstream ist, aber letztendlich waren doch ziemlich viele Leute da.

Pip: Und die sind auch nicht wieder gegangen. Manchmal, wenn du auf einem Festival bist und das Line-up ein bisschen anders ist als du, neigen die Leute dazu, für einen Song zu bleiben und dann zu gehen, aber das war heute nicht so und das war fantastisch.

Pip, du hast ja schon 2016 angefangen Songs aufzunehmen und später sind die anderen mit eingesprungen. Wie habt ihr zusammengefunden?

Pip: Wir hatten schon verschiedene Besetzungen. Irgendwann entschied sich unser Schlagzeuger zu gehen, wir brauchten also jemand Neues. Was wir dann gemacht haben. Wir haben eine Nacht in Amsterdam mit ein paar Bands verbracht, die wir mochten. Die hatten wir sozusagen gebucht. Und wir mochten wirklich alle der Bandmitglieder.

Tender: Wir haben so eine Art sneaky Try-Outs gemacht.

Pip: Davon wusste natürlich niemand etwas. Dann haben wir uns in Gini verliebt und sie kam zu uns in die Band.

Ein paar Monate später hat sich dann unser Bassist entschieden, bei uns aufzuhören. Also haben wir das Ganze nochmal von vorne gemacht. Es war aber schwieriger, einen Bassisten zu finden. Und dann haben alle Darek vorgeschlagen.

Gini: Ich hatte ihn vielleicht schon ein paarmal auf der Bühne gesehen, aber niemand von uns kannte ihn wirklich.

Tender: Das ist jetzt ein bisschen länger als ein Jahr her.

Pip: Und wir waren echt happy. Das Lustige ist übrigens, dass wir anderen drei auf derselben Grundschule waren, nur in unterschiedlichen Jahrgängen.

Ihr seid eine ziemlich junge Band und wurdet schon in großen Magazinen wie dem Rolling Stone und NME gelobt. Was meint ihr, wie konntet ihr in so kurzer Zeit so viel Aufmerksamkeit bekommen?

Pip: Es ist die Kombination aus Glück und sich den Arsch abzuspielen. Wir haben schon sooo viele Shows gespielt. Auch auf Showcase-Festivals wie dem Reeperbahn Festival oder The Great Escape, da waren viele Presseleute und Festivalbooker. Ich glaube, das hat uns geholfen.

Gini: BBC 6 Music war definitiv auch eine große Hilfe, die haben uns echt unterstützt und tun es immer noch. Das hat uns sehr geholfen und hilft uns nach wie vor.

Pip: Und manch einer sagt vielleicht, dass unsere Musik live einfach echt gut ist.

Eure Musik erinnert mich teilweise an die Strokes. Gibt es Bands, die euch inspirieren?

Pip: Wir lieben die Breeders und Parquet Courts. Mit den Breeders waren wir sogar als Support auf Tour. Die beiden Bands haben einen großen Einfluss auf uns.

Tender: Und Blur.

Pip: Nein, nicht so sehr, finde ich. Als ich angefangen habe, Songs zu schreiben, war ich nicht so richtig Fan. Ich hab ein paar Blur-Songs gehört, aber es war nicht so, dass ich sie geliebt habe.

Was ist für euch das Wichtigste oder Authentischste in eurer Musik? Was macht euch unverwechselbar?

Tender: Das ist tricky.

Pip: Vielleicht, dass unsere Musik irgendwie poppig ist, aber auch nicht sehr smooth.

Tender: Aber das ist nicht wirklich unverwechselbar.

Pip: Na gut, ich habe eine Idee: Ich glaube, allein die Tatsache, dass wir so viel Spaß auf der Bühne haben, ist etwas, was man nicht so oft sieht.

Wenn du dir ein YouTube-Video von einer Band anschaust und siehst, wie viel Spaß alle haben, denkst du dir: Wow, die machen wirklich etwas, worauf sie Lust haben.

Ich denke, vielleicht ist es das. Wir haben einfach Spaß.

SLEAZE + Pip Blom
Pip Blom at the Horn

Spielt ihr lieber in großen Locations wie dem Lollapalooza oder mögt ihr lieber kleine Clubs?

Pip: Je kleiner, desto besser.

Darek: Die Bühne hier war ja gar nicht so groß, das war nice.

Pip: Schon, aber es ist immer noch ein riesiges Drumherum.

Tender: Ja, wir mögen es eher kleiner.

Pip: Genau, denn dann fühlt wirklich jeder, der da ist, die Energie und wir kriegen auch viel Energie aus der Menge.

Hier ist es so groß. Manche Leute gehen sich einen Drink holen oder irgendjemand wartet auf einen Flammkuchen. Das ist irgendwie ziemlich ablenkend. Deshalb mag ich die kleinen Locations.

Darek: Auf kleinen Bühnen ist der Sound auch besser, weil die Verstärker besser klingen. Das macht es ein bisschen einfacher zu spielen.

Gini: Und es ist auch schöner zuzugucken. Wenn ich eine Band live sehe, dann am liebsten auf einer kleinen Outdoor-Bühne oder, noch besser, drinnen.

Wie schreibt ihr Songs? Kommen eure Ideen im Proberaum auf?

Pip: Normalerweise schreibe ich die Songs selbst und schicke sie dann den anderen und sie hören rein. Dann treffen wir uns im Proberaum

Jeder geht da ein bisschen selbst durch und macht sein eigenes Ding, ich meine, ich bin keine Schlagzeugerin oder Bassistin. Alle können an den Songs viele kleine Veränderungen machen wie sie wollen. Dann proben wir viel, um daraus einen Song zu machen, an dem jeder beteiligt ist.

Wenn ich zu Hause bin, gucke ich meistens eine Doku und spiele dabei Gitarre. Und wenn ich etwas spiele, das heraussticht, halte ich die Doku an und beginne den Song zu schreiben.

Tender: Aber die meiste Zeit verbringen wir im Studio. Am Anfang der Idee steht also meistens das Doku-Gucken, aber die Feinabstimmung usw. findet normalerweise im Studio statt und braucht eine ganze Weile.

Pip: Es ist auch nicht so einfach, weil wir viel unterwegs sind.

Wenn ihr zwischen einer der Bands oder den Künstlern des Lollapalooza wählen könntet, mit wem würdet ihr am liebsten ein Feature machen?

Darek: Natürlich Martin Garrix.

Tender: Oh ja, House remixing, baby!

Darek: Dann hätten wir ein viel breiteres Publikum.

Pip: Genau, und würden viel mehr Geld machen.

Gini: Billie Eilish wäre aber auch cool.

Gibt es ein Album in eurem CD-Regal, für das ihr euch heute schämt?

Tender: Kein Album, aber eine LP. Früher habe ich viel The Offspring und Green Day gehört, worauf ich nicht sehr stolz bin. Es ist nicht so, dass ich sie hasse, aber ich würde die Bands heute nicht mehr hören.

Gini: Man sollte sich nicht dafür schämen, etwas zu mögen. Wenn du etwas magst, sollst du es annehmen und einfach mögen.

Tender: Aber es geht ja um etwas, das du vor Jahren mal gemocht hast.

Pip: Ich glaube, sowas habe ich nicht. Es gibt einfach viele Sachen, die ich heute immer noch mag.

Darek: Es gibt viel Musik, die ich heute nicht mehr mag. Aber dafür schäme ich mich nicht. Schämen ist ein großes Wort.

SLEAZE + Pip Blom
Kleine aber feine Bühne – Pip Blom auf dem Lolla 2019

Könnt ihr Pip Blom in drei Worten beschreiben?

Pip: Fun!

Tender: Energetic!

Pip: And sloppy! (dt. auf positive Art schludrig/nachlässig) Vielen Dank euch!

Danke für das Interview, es war schön euch zu treffen!

Ja, das war es. Die vier waren so locker wie ihre Musik. Also gern mal reinhören bei Pip Blom.

Nele

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